Mit der Hebamme durch die Schwangerschaft

Mit Hebamme durch die Schwangerschaft: Hebamme arbeitet mit Schwangeren
Die Arbeit der Hebamme besteht in der einfühlsamen Beratung und Betreuung von werdenden Müttern (Johannes Hloch)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kleinkind
Die Schwangerschaft, das sind 9 aufregende Monate, dann - endlich - ist es soweit. Das Wunder Geburt steht kurz bevor. Was viele Frauen aber in dieser Situation teilen sind Gefühle wie Unsicherheit, vielleicht auch ein wenig Angst vor der Geburt, vor dem Neuen, das auf sie zukommt.

Dann ist es gut, wenn eine erfahrene Fachfrau zur Seite steht, die die Neo-Mami gut betreut, mit ihr spricht, ihre Ängste nimmt und die Freude auf die neue Lebenssituation stärkt.

1.900 Hebammen in Österreich

"Hebammenarbeit kann den Frauen die nötige Sicherheit im Umgang mit der neuen Lebenssituation und mit eventuell auftretenden Problemen geben. Das beugt größeren Problemen vor und macht diese wichtige Lebensphase für alle Beteiligten freudiger", betont Petra Welskop, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums. Um Mutter und Kind den besten Start in die gemeinsame Lebensphase zu ermöglichen, stehen in Österreich zirka 1.900 Hebammen zur Verfügung - Expertinnen, wenn es um den normalen, gesunden Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett geht.

Hebammen heute sind keine weiß gekleideten, in Schwesternhäubchen auftretenden Frauen, die Männer und Ärzte vom Geburtslager verjagen, sondern medizinisch ausgebildete Expertinnen für einen besonderen Lebensabschnitt, die ihr Wissen und ihre Erfahrung in einfühlsamer Weise an Neo-Mütter weitergeben. Sie stehen weder in Konkurrenz zu behandelnden Ärzten, noch zu Vätern, die sich ihren Einflussbereich am Geburtsort erobern.

"Die Arbeit der Hebamme besteht in der einfühlsamen Beratung und Betreuung von werdenden Müttern. Schwangerschaft ist ja keine Krankheit, sondern ein sehr schöner Zustand. Freilich können in diesem Lebensabschnitt auch Probleme auftreten. In diesem Fall stehen Hebammen dank ihrer medizinischen Ausbildung zur Verfügung", so Gerlinde Feichtlbauer, Vizepräsidentin des österreichischen Hebammengremiums. Hebammen haben eine medizinische Spezialausbildung und agieren nicht - wie Ärzte - um Krankheiten zu bekämpfen, sondern im Zuge eines gesunden, physiologischen Geschehens. Ziel der modernen Pränataldiagnostik und Geburtsmedizin ist es, Risiken abzuschätzen und abzuwenden. Doch viele Frauen sind angesichts dieser umfassenden Untersuchungen verunsichert. Gedanken, wie "Wird mein Baby gesund sein?", "Werde ich das alles schaffen?", "Wie wird die Geburt verlaufen?" oder die Angst vor möglichen Risiken sind in den Köpfen vieler Mütter. Genau hier setzt die Hebamme an, macht Schwangeren bewusst, dass es ein schönes Erlebnis ist, ein Kind zu tragen, es zu gebären und später zu stillen. Die Hebamme versteht sich daher als Vertrauensperson, die jedoch auch über enormes medizinisches Wissen und Erfahrung verfügt, sodass sich Schwangere ohne Angst und Unsicherheit in ihre Hände begeben können.

Hebamme: Frau des Vertrauens

Dass Geburten recht unterschiedlich verlaufen können, liegt in der Natur der Sache. Da gibt es Geburten, bei denen man grade noch dazu kommt sich die Handschuhe anzuziehen - auch Geburten, die im Auto vor der Klinik stattgefunden haben. Derartige Erinnerungen sind im Erfahrungsrepertoire von Hebammen keine Seltenheit. „Andere Umstände“ also, die zeigen, dass die Fachfrau flexibel sein muss und freilich in jedem Fall Mutter und Kind unterstützt. Im "Normalfall" einer Geburt wird die Frau gleich nach dem Eintreffen im Krankenhaus von der Hebamme untersucht. Je nachdem wie weit die Wehen fortgeschritten sind und der Muttermund geöffnet ist, entscheidet die Hebamme dann, ob die Frau noch nach Hause gehen kann oder gleich in der Klinik aufgenommen wird. Hebammen verfügen über Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis. Sie wissen auf den ersten Blick, wie eine bevorstehende Geburt höchstwahrscheinlich verlaufen wird. Ihre Erfahrung und die damit verbundene Kompetenz zeichnen sie besonders aus. Gleich nach der Aufnahme der Schwangeren wird sie an den Wehenschreiber, das so genannte CTG angehängt; hier sieht die kundige Fachfrau bereits, um welche Art von Wehen es sich handelt. Sie sieht, wie die Frau die Wehen veratmet und unterstützt sie dabei. Nach dem ersten CTG-Check untersucht die Hebamme den Muttermund und ob die Blase gesprungen ist - je nach Wehenintensität macht es sich die Gebärende noch im Zimmer bequem, oder sie wird gleich in einen Kreißsaal gebracht. Hier unterstützt die Hebamme die Mutter und hilft ihr, die Situation möglichst angenehm zu erleben. Ob die werdende Mutter am Pezzi-Ball entspannen möchte und welche Geburtsposition für die Frau am angenehmsten sein könnte: die Hebamme steht mit hilfreichen Angeboten beratend zur Seite.

Gelassen und verlässlich

Sollte das Baby eine Lageanomalie einnehmen, also z.B. eine Beckenendlage - kann die Hebamme ebenfalls vor und während der Geburt hilfreich zur Seite stehen. Sie kann beispielsweise in den Wochen vor der Geburt das Baby noch zur Wendung im Mutterleib bewegen. In den meisten Kliniken wird im Falle einer Beckenendlage ein Kaiserschnitt durchgeführt. Erfahrene Hebammen sind jedoch in der Lage, wenn die Mutter es möchte, das Baby auch in Steißlage zur Welt zu bringen. Bei der Betreuung im Wochenbett können die Fachfrauen abschätzen, ob die Frau beispielsweise an einem "Baby-Blues", einer häufigen psychischen Labilität, leidet, oder ob sie medizinisch behandelt werden muss. Eine Hebamme weiß, was zuhause getan werden kann, wenn der Nabel des Babys nur zögernd heilt, während Neo-Mütter ohne Betreuung oftmals schon im Wochenbett einen Besuch beim Kinderarzt erwägen. Auch bei Stillproblemen sowie Schmerzen an der Brust weiß die Hebamme Rat und bietet Hilfe.

Übrigens: Frisch gebackene Mamis müssen es nicht unbedingt der britischen Herzogin Kate gleichtun und kurz nach der Geburt fein gestylt ihren Sprössling präsentieren. Neo-Mütter sind in der Realität anders. Ringe unter den Augen, Schlaflosigkeit und vielleicht auch die Sorge, alles wirklich richtig zu machen. So sieht der Alltag aus. In dieser Phase ist die Hebamme eine wichtige Stütze. Und wenn man dann recht schnell die schlaflosen Nächte und Augenringe vergessen hat - die Frau, die bei der Geburt zur Seite stand, wird ewig im Gedächtnis bleiben.

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

Mehr zum Thema