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HCB: 10 Fragen und Antworten

HCB: 10 Fragen und Antworten: Milch wird in Glas gegossen.
Es wurden Überschreitungen des Grenzwertes von rund 100 % in der Milch gemessen, die in den Handel gelangt ist. (Markus Mainka - Fotolia.com)

Kürzlich deckte die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Belastung des Görtschitztals in Kärnten mit dem Gift Hexachlorbenzol (HCB) auf. Seither gibt es viele Fragen dazu - hier finden Sie 10 Antworten.

HCB lagert sich im menschlichen Körper in der Leber an und kann krebserregend wirken. Es gelangte in die Umwelt, weil die Zementwerke der Umgebung mit HCB versetzten Blaukalk bei zu niedrigen Temperaturen verbrannten. HCB wurde bis in die 1990er-Jahre als Getreidebeizmittel verwendet und verbreitet sich über die Luft. Nachweislich waren Milchprodukte der Marke "Sonnenalm" über den erlaubten Grenzwert hinaus belastet. Das HCB wurde von den Kühen aufgenommen und mit ihrer Milch abgegeben. Welche Gefahren von HCB ausgehen, wie groß der Schaden ist und was Sie beachten müssen, erfahren Sie hier.

HCB-Frage 1: Wie giftig ist HCB?

HCB gehört zu den 12 gefährlichsten Industriechemikalien. Es ist auch deshalb so schädlich, weil es nur schwer vom Körper abgebaut werden kann und als sehr langlebig gilt. Eine Aufnahme geringer Mengen über einen langen Zeitraum ist übrigens schädlicher als eine einmalig hohe Belastung.

HCB-Frage 2: Wie konnte das Gift in die Umwelt gelangen?

Der vergiftete Blaukalk war ursprünglich in der Brückl-Giftmülldeponie gelagert und wurde anschließend von den Wietersdorfer Zementwerken bei 400 Grad verbrannt. Um das HCB unschädlich zu machen, wären aber 1.000 Grad nötig gewesen. So konnten Schadstoffe über den Schornstein entweichen, statt zu verbrennen. Möglich wäre auch, dass bei dem Giftmülltransport der 90.000 Tonnen Blaukalk zu einem Fehler gekommen ist und HCB so verteilt wurde.

HCB-Frage 3: Wo liegt der Grenzwert für HCB?

Der Grenzwert für HCB in Milch liegt bei 10 Mikrogramm pro 1 Kilo Rohmilch mit 4 % Fett. Ist die Konzentration geringer, darf die Milch verkauft werden. Ob es auch bei geringeren Mengen zu einer Belastung des Körpers kommen kann, ist noch nicht vollständig geklärt.

HCB Frage 4: Wie sicher sind Milchprodukte aus der Gegend?

Es wurden Überschreitungen des Grenzwertes von rund 100 % in der Milch gemessen, die in den Handel gelangt ist. Weitere Analysen sind nötig, um Entwarnung geben zu können. Die Sonnenalm-Molkerei hat allerdings vorsorglich alle Kuhmilchprodukte vom Markt genommen.

HCB-Frage 5: Wer sollte einen Bluttest machen lassen?

Bluttests können Aufschluss auf eine vorhandene Belastung mit HCB geben. Die Kärntner Landesregierung rät den Bewohnern des Görtschitztals dazu, sich untersuchen zu lassen. Vor allem Landwirte und ihre Familien aus dem Görtschitztal haben Vorrang. Personengruppen außerhalb der Region benötigen nach derzeitigem Wissensstand keinen Test.

HCB-Frage 6: Wo ist ein Bluttest möglich und wie läuft er ab?

Menschen und Tiere im Görtschitztal werden derzeit mit einem Bluttest untersucht, um das Ausmaß der Belastung festzustellen. Da es zu einer Überlastung der Labore in Österreich kommen könnte, wird eine Versendung der Blutproben nach Deutschland in Betracht gezogen.

HCB-Frage 7: Welche Lebensmilch sind außer Milch noch belastet?

HCB ist fettlöslich, weshalb es vor allem in Lebensmitteln zu finden ist, die Fett enthalten. Folgende Lebensmittel aus der Görtschitztal-Region sind eventuell belastet:

  • Milch: Definitiv belastet.
  • Fleisch: Definitiv belastet.
  • Raps, Sonnenblumen, Soja und Kürbis: Können auch belastet sein, werden in der Region aber kaum angebaut.
  • Mais: Eventuell sind hier geringe Mengen zu finden, doch weitere Untersuchungen sind nötig.

Gemüse und Wasser sind aller Wahrscheinlichkeit nach wenig mit HCB belastet.

HCB-Frage 8: Sind noch andere Regionen Österreichs betroffen?

Blaukalk war nur in Brückel gelagert. Ob nur das Görtschitztal betroffen ist, oder auch die umliegende Region, muss noch abgeklärt werden. Zementwerke übernehmen aber häufig die Vernichtung von Giftmüll, wodurch theoretisch auch andere Gebiete belastet sein könnten.

HCB-Frage 9: Wie lange ist die HCB-Belastung schon bekannt?

HCB tritt bereits länger aus dem Zementwerkt aus und ist über 2,5 Jahre nicht bemerkt worden. Dass der Blaukalk in Brückl HCB enthält, ist jedoch bereits seit 2004 bekannt. Eine fachgerechte Entsorgung wäre demnach möglich gewesen.

HCB-Frage 10: Wer trägt die Verantwortung für die Katastrophe?

Aller Wahrscheinlichkeit nach haben die Wietersdorfer Zementwerke das HCB in die Umwelt entlassen. Die Kärntner Behörden tragen jedoch eine Mitverantwortung, da sie den Zementwerken keine spezifischen Auflagen für die Entsorgung des Blaukalks gegeben haben, obwohl die HCB-Belastung des Material hinreichend bekannt war.

Quellen

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