Woher kommen Schrumpelfinger?

Woher kommen Schrumpelfinger?: schrumpelige Haut an Händen
Durch die Keratinfasern nimmt unsere Haut Feuchtigkeit auf und wird runzelig. (Martina Marschall - Fotolia.com)
Schon als Kinder haben wir es nach längerem Sitzen in der Badewanne bemerkt: Die Haut an den Händen und Fußsohlen wird wellig und schrumpelig. Steigen wir aus dem Wasser, ist sie nach kurzer Zeit wieder glatt.

Das passiert auch bei ausgedehnten Schwimmbadplantschereien oder beim Geschirrabwaschen. Deutsche Forscher sind dem Phänomen der Schrumpelfinger und -füße nun auf der Spur und haben erkannt, dass es sich um ein kontrolliertes Wechselspiel  zwischen glatt und schrumpelig in der äußeren Hautschicht abläuft.  Befindet sich ein Körperteil im Trockenen, darf er Feuchtigkeit nicht durch die Haut verlieren, ist er jedoch  im Wasser, nimmt er Flüssigkeit durch die Keratin-Fasern auf.

Wie kommt es zur schrumpeligen Haut?

Forscher von den Universitäten Tübingen und Erlangen-Nürnberg glauben, dass die Natur die veränderte Hautoberfläche nach längerem Wasserkontakt für den Menschen so vorgesehen hat, damit er sich den Bedingungen an Land als auch im Wasser anpassen kann. Dahinter steht ein komplizierter Ablauf, der sich in der äußeren Hautschicht der Hände und Finger abspielt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Protein (Eiweiß) Keratin. Es bildet Fasern in der Epidermis (der obersten Hautschicht), nimmt Flüssigkeit auf, dehnt sich aus und verursacht so die bekannte wellige Haut. Steigen wir aus Wanne oder Schwimmbecken, gibt das Keratin das Wasser wieder ab und die Haut an Handflächen und Fußsohlen glättet sich wieder. Das funktioniert nur, weil in den Keratin-Fasern Kräfte stecken, die der Ausdehnung durch die Flüssigkeit auch entgegen wirken. Gebe es diesen Mechanismus nicht, würden sich die Fasern vernetzen und ein Zusammenziehen und "Loslassen" der Flüssigkeit wäre nicht möglich: Wir hätten für immer runzelige Haut.

Im Rahmen der Studie erstellten dir Forscher auf dem Computer ein 3D-Modell, welches das Phänomen des Ausdehnens und Zusammenziehens der Proteinfasern anschaulich darstellt. Es zeigt zwei Würfel, die aus blauen "Fäden", den äußeren Hautzellen bestehen. Ein Würfel zeigt die Haut vor dem Wasserkontakt, der andere ist größer und hat Zwischenräume zwischen den Zellen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind: Die berühmte Schrumpelhaut. Dieser Anpassungsprozess ist wichtig für den menschlichen Körper. Befindet er sich im Trockenen, darf er die Feuchtigkeit durch die Haut nicht verlieren, ist er im Wasser, nimmt er Flüssigkeit durch die Keratin-Fasern auf.

Das Warum bleibt ungeklärt

Was den Nutzen der Schrumpelhaut angeht, ziehen die europäischen Wissenschafter bislang nicht an einem Strang. Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin haben untersucht, ob Badende und Duschende mit runzeligen Händen die Seife besser zu fassen bekommen und ob ihnen diese dadurch nicht so schnell aus der Hand flutscht. Die Berliner Forscher konnten den vermuteten Zweck nicht bestätigen, ihre britischen Kollegen kamen ein Jahr zuvor, im Jänner 2013, auf das genau gegenteilige Ergebnis. Ob die Natur in der evolutionären Geschichte Seifen und deren mangelnde Rutschfestigkeit eingeplant hat, ist fraglich. Die Briten glauben aber an einen tieferen Sinn des Schrumpel-Vorgangs und zwar, dass durch die gewellte Haut an den Fußsohlen auch für besseren Halt auf Untergrund gesorgt ist. Die Forscherteams aus Deutschland wollen zukünftig ihre Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit des faserbildenden Keratins legen. Sie hoffen auf die Möglichkeit, Materialien nach dem Vorbild der Haut zu erschaffen.

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  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
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Quellen

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