Hausgeburt: pro & contra

Frau mit Neugeborenem
Wer eine Hausgeburt plant, sollte sich sehr früh um die betreuende Hebamme kümmern. (detailblick-foto - fotolia.com)

Um die 900 Babys erblicken pro Jahr in Österreich das Licht der Welt daheim. Eine Hausgeburt ist eine Option sein Kind zur Welt zu bringen, wenn die Schwangerschaft unkompliziert verlaufen ist und Mutter und Kind gesund sind.

So schön es auch ist, in häuslicher Geborgenheit und familiärer Atmosphäre zu entbinden, muss sich die werdende Mutter dennoch darüber klar sein, dass sich auch noch Komplikationen unter der Geburt einstellen können, die eine Verlegung in eine Klinik notwenig machen. Deshalb sollte eine Geburt in den eigenen vier Wänden nur angestrebt werden, wenn eine Klinik schnell erreichbar ist. Und: Eine Hausgeburt muss gut vorbereitet werden. Dazu zählt vor allem, früh Kontakt zu einer Hebamme aufzunehmen, damit Zeit für intensives Kennenlernen vor der Entbindung bleibt.

Wichtige Voraussetzungen für eine Hausgeburt

Die wichtigste Voraussetzung für eine Geburt in den eigenen vier Wänden ist ein sicheres Vertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Kräfte. Wenn Sie eine Hausgeburt planen, ist es zudem besonders wichtig, sich sehr früh um die betreuende Hebamme zu kümmern: Die richtige Zeit dafür ist etwa in der 12. bis 20. Schwangerschaftswoche.

So haben die werdenden Eltern genügend Zeit, die Hebamme intensiv kennenzulernen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Auch die Hebamme kann die werdenden Eltern dann persönlich besser einschätzen und erkennen, worauf sie bei ihnen besonders achten muss.

Trotzdem Kliniken in der Nähe suchen

Natürlich ist auch Voraussetzung, dass aus ärztlicher Sicht nichts gegen eine Hausgeburt spricht: Mutter und Kind müssen gesund sein und die Schwangerschaft muss regelrecht verlaufen sein, um höhere Risken für Mutter und Kind ausschließen zu können. Da es jedoch auch noch zu Komplikationen unter der Geburt kommen kann, sollte eine gute Infrastruktur am Wohnort vorhanden sein: Das bedeutet, eine Geburtsklinik muss schnell erreichbar sein, falls eine Verlegung ins Spital notwendig wird.

Genauso kann es sein, dass das Neugeborene Probleme nach der Entbindung hat und sofort in eine Kinderklinik transportiert werden muss. In der Regel kann die Mutter sich dann mit dort aufnehmen lassen. Die werdenden Eltern sollten deshalb trotz ihres Wunsches nach einer Hausgeburt auch Kliniken in Ihrer Nähe anschauen.

Gründe gegen eine Hausgeburt

Für einige Schwangere kommt eine Hausgeburt jedoch unter keinen Umständen in Frage:

  • wenn sie mehr als ein Kind erwartet
  • bei einer Plazenta praevia, das bedeutet die Plazenta liegt vor dem Muttermund
  • wenn der Kopf des Babys nicht richtig im Becken liegt oder bei einer Steiß-, Beckenend- oder Querlage des Kindes
  • wenn die werdende Mutter an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gerinnungsstörungen, Bluthochdruck, Epilepsie, HIV oder einer Nierenerkrankung leidet
  • wenn das mütterliche Becken nicht normal geformt ist
  • wenn eine vorhergehende Geburt sehr schwierig war oder ein Kaiserschnitt erfolgt ist
  • bei vorzeitigen Wehen, wenn eine Frühgeburt vor der 37. Woche droht oder das Baby aller Voraussicht nach weniger als 2500 g wiegt
  • bei bekannten oder zu erwartenden kindlichen Erkrankungen, die gleich nach der Geburt gehandelt oder weiter abgeklärt werden müssen
  • bei zu langer Schwangerschaft (Übertragung ab zwölf Tage)
  • bei grünem Fruchtwasser

Eine Hausgeburt muss gut geplant sein

Mit der Hebamme bereiten sich die werdenden Eltern auf die Geburt vor. Sie besprechen mit ihr den Ablauf der Geburt und gehen gemeinsam durch, welche Dinge sie zuhause haben sollten, um gut auf den großen Moment vorbereitet zu sein. Dazu gehört meist Folgendes:

  • ein gut zugängliches Bett, am besten einen verstellbaren Kopfteil in einem ausreichend großen Zimmer, das trocken ist und konstant auf 25 Grad beheizbar ist. Außerdem muss das Zimmer für Notfälle mit einer Trage erreichbar sein
  • ein stabiler Stuhl mit Rückenkissen als Stütze für den Vater, falls es zu einer Hockgeburt kommt
  • Ablagemöglichkeiten
  • eine tragbare Lampe mit Verlängerungskabel
  • ausreichend Kissen und weitere Lagerungsmöglichkeiten wie Gymnastikball, Keile, etc.
  • zwei bis drei wasserfeste Unterlagen
  • saubere Bettlaken
  • weiche Handtücher
  • ein großer Mülleimer und mehrere Müllsäcke
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen sowie Eiswürfel im Kühlfach
  • einen Behälter für die Plazenta
  • Vlieswindeln als Vorlage für den Wochenfluss und Einmalhöschen
  • eine Badeschüssel fürs Baby, Handtuch
  • Erstlingsausstattung fürs Baby

Die Hebamme wird zudem auch noch einiges mitbringen, wenn sie ins Haus kommt, z.B. Instrumente zum Abnabeln und Nähen. Zur Standardausrüstung gehören auch daheim ein paar medizinische Geräte, etwa zur Überwachung der Herztöne des Babys, zum Schleimabsaugen und zur eventuellen Sauerstoffversorgung des Neugeborenen.

Was tun im Notfall?

Die Schwangere sollte auch einen Frauenarzt auswählen, der im Bedarfsfall herbeigeholt werden kann, z.B. um eine Dammverletzung oder Risse in der Schiede zu nähen. Spätestens drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin sollten die werdenden Eltern auch Kontakt zu einem Kinderarzt aufnehmen, der bereit ist, nach der Entbindung gleich zu ihnen nach Hause zu kommen, falls das Kind ärztlich versorgt werden muss.

Da jede Geburt auch unvorhersehbare Notfallsituationen mit sich bringen kann, muss man bei der Hausgeburt auch dafür alles arrangieren: Notieren Sie alle wichtigen Telefonnummern, wie die der Rettung, der nächstliegenden Geburtsklinik sowie des nächsten Kinderspitals mit Intensivstation. Befestigen Sie die Telefonnummern in unmittelbarer Nähe des Telefons. Für den Fall einer Verlegung in die Klinik, sollte auch die Tasche mit Wäsche für Mutter und Kind gepackt bereit stehen.

Betreuung für andere Kinder

Und letztlich nicht zu vergessen: Falls während der Geburt weitere Kinder im Haushalt sind, muss für sie die ganze Zeit eine extra Bezugsperson anwesend sein, die sich ausschließlich um die Kinder kümmert. Ganz wichtig: Die Kinder über den Geburtsverlauf aufklären, damit sie nicht änglist reagieren, wenn sie ihre Mutter unter den Wehen schreien hören oder über Stunden nicht zu ihr dürfen.

Auch die Nachbarn rechtzeitig über die geplante Hausgeburt informieren. Das gibt zusätzliche Freiheit, die Wehen so zu verarbeiten, wie sie es brauchen –auch lauthals, wenn nötig.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Heim K; Geburtenregister Österreich. Bericht Geburtsjahr 2012.. Bericht , 2014 , Kirchdorf an der Krems
  • Meine Schwangerschaft, Silvia Höfe, Dr. med. Alenka Scholz, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2014
  • Das große Buch zur Schwangerschaft, Prof. Dr. med. Franz Kainer, Annette Nolden, Gräfe und Unzer, 7. Auflage, München, 2013
  • Schwangerschaft und Geburt, Birgit Gebauer-Sesterhenn, Dr. Med. Thomas Villinger, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2012

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