Chronische Schmerzen nehmen zu

Frau hält sich den Rücken
Rückenschmerzen und Kopfschmerzen plagen die Österreicher oft monatelang. (photo 5000 - Fotolia.com)
In Österreich machen rund jedem Fünften chronische Schmerzen zu schaffen. Betroffene wünschen sich mehr Aufklärung und genügend Zeit für ein ausführliches Arztgespräch.

Der aktuelle Österreichische Patientenbericht Chronischer Schmerz 2014 zeigt, dass die häufigsten chronischen Schmerzen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates auftreten (68 %), gefolgt von Gelenksschmerzen (64%), Kopfschmerzen (28%) und Nervenschmerzen (27%). Chronische Schmerzpatienten sind länger als 3 Monate ständig mit Schmerzen konfrontiert, das wirkt sich massiv auf deren Lebensqualität aus.

Die Studie im Detail

Die überwiegende Mehrheit der 900 zwischen Mai und Juli 2014  Befragten berichten, dass sie seit 1 bis 5 Jahren an Schmerzen leiden, bei 16 % sind sogar mehr als 15 Jahre vergangen, seit die ersten Beschwerden aufgetreten sind. Die Krankheitsbilder sind vielfältig, die Diagnose aufgrund der Ursachen oft sehr schwierig.

Erster Ansprechpartner bei Schmerzen ist der

  • Hausarzt (46 %), knapp gefolgt vom
  • Facharzt mit 42 %.

Der Patientenbericht bringt auch zutage, dass Schmerzpatienten in Österreich mehrheitlich (45 %) 2 bis 3 Ärzte konsultieren, fast ein Viertel (23 %) hat sogar mehr als 5 Ärzte im Zusammenhang mit den chronischen Schmerzen aufgesucht.

Beispiele  für nicht-onkologische (krebsbedingte) Schmerzen

Neuropathisch

Andere

Periphere Neuropathie (Diabetes, Alkohol,
Vitaminmangel, …)

Chronisch wiederkehrende Kopfschmerzen

Postzoster-Neuralgie

Osteoarthritis

Trigeminusneuralgie

Osteoporose 

Schlaganfall

Kreuzschmerz

Phantomschmerz nach Amputation

Schmerzen am Bewegungsapparat

Engpass-Syndrome (Karpaltunnelsyndrom,
Nervenwurzel-kompressionan Wirbelsäule

Periphere arterielle Gefäßerkrankung

 

Fibromyalgie

Unterschiedliche Behandlungszugänge

Eine regelmäßige Medikamenteneinnahme gegen Schmerz ist bei 45 % der befragten chronischen Schmerzpatienten an der Tagesordnung - vor allem Betroffene mit langjährigen und starken Schmerzen sind auf spezielle Medikamente angewiesen. Knapp 80 % werden zusätzlich zu ihrer medikamentösen Behandlung unter anderem durch Physiotherapie, Sport und Bewegungstherapien sowie durch psychologische Betreuung (z.B. Psychotherapie) begleitet.

Eine Auswahl an schmerztherapeutischen Möglichkeiten

Medikamente

Invasiv

Nichtinvasiv

Nichtopioide

Neuraltherapie

TENS

Opioide

Nervenblockaden

Akupunktur

Antidepressiva

Regionalanästhesie

Heilgymnastik

Antiarryhthmika

Sympathikusblockade

Physikalische Medizin

Adjuvantien

Neurolysen

Psychologische Methoden wie z.B. Psychotherapie

Lokalanästhetika

Pumpen

 Manuelle Therapie

Corticosteroide

Spinale Elektrostimulation

Biofeedback

Clonidin

Neurochirurgie

Lasertherapie

Calcitonin

 

Naturheilverfahren

Neuropathische Schmerzen

Nervenschmerzen werden durch Verletzungen oder länger andauernde Nervenreizungen hervorgerufen, die Nervenfasern und -leitungen sind geschädigt oder zerstört. Neuropathische Schmerzen sind scharf, brennend, elektrisierend, kurz und attackenförmig. Ein verletzter Nerv kann bereits bei leichter Berührung mit überschießenden Schmerzen reagieren.

Medikamentös ist diese Schmerzform nur bedingt behandelbar, wie auch Univ.-Prof. Hans Georg Kress, Leiter der Abteilung für spezielle Anästhesie und Schmerztherapie am AKH Wien bei der Präsentation des Schmerzberichtes erläutert: "Eine deutliche Linderung der Schmerzen ist mit Hilfe eines Schmerzpflasters möglich, es beeinflusst die Rezeptoren, die in der Übertragung von Schmerzsignalen eine Hauptrolle spielen. Die Behandlung kann problemlos jeweils nach Beendigung der Wirkung wiederholt werden."

Was sich Betroffene wünschen

Der Schmerzbericht beschäftigt sich nicht nur mit der Zufriedenheit bzgl. Behandlungsmethoden, es geht auch um die Kommunikation mit den Ärzten. Aufgrund des hohen Leidensdrucks und der häufig starken psychischen Belastung, die mit den chronischen Schmerzen einhergehen, ist das Bedürfnis groß, gut über Symptome und Auswirkungen der Erkrankung Bescheid wissen.

Bei der Frage, worauf die Patienten bei der ärztlichen Betreuung vor allem Wert legen, stand an erster Stelle, dass sie ernst genommen werden, eine verständliche Erklärung über die Krankheit erhalten und dass der Arzt genügend Zeit für das Patientengespräch hat.

Quellen

  • Pressekonferenz: "Österreichische Patientenbericht Chronischer Schmerz 2014, Patientenplattform "Allianz Chronischer Schmerz"", Astellas Pharma, Gallup Institut, 12.09.2014 in Wien

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