Glücksmomente: Ihr Baby ist da!

Glücksmomente: Ihr Baby ist da!: Neugeborenes in den Armen seiner Mutter
Nach einer normalen Geburt erfolgt die Entlassung meist am 3. oder 4. Tag nach der Geburt. (Johannes Hloch)
Sie haben es geschafft: Ihr Baby ist endlich da! Was aber erleben Mutter und Neugeborenes in den ersten Stunden und Tagen im frühen Wochenbett? Oft können Eltern nach der Geburt mit ihrem Nachwuchs noch einige Zeit zum Kennenlernen im Kreißsaal bleiben, dort wird der Gesundheitszustand des Babys überprüft.

Auch das erste Mal Anlegen an der Brust findet schon dort statt. Danach folgen einige Tage im Spital, in denen fast nur Stillen, Wickeln, Schlafen und Baby beruhigen auf dem Programm stehen und das 24 Stunden am Tag. Zum Glück. Denn nicht nur der Rhythmus ist für beide gewöhnungsdürftig, sondern die Mutter erfährt viel Neues über Säuglingspflege, Stillen und nicht zuletzt ihren eigenen Körper.

Das erste Kuscheln

Heute dürfen die Kinder meist sofort nach der Geburt in die Arme ihrer Mutter, im Fachjargon nennt sich das Bonding. Die Neugeborenen werden nackt, ohne Windel auf die Brust der Mutter gelegt und nur mit einem warmen Handtuch bedeckt. Dieses gibt den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit. Manche der Neugeborenen schauen dann mit wachsamen Augen was rund um sie passiert, andere brüllen völlig gestresst vom Geburtserlebnis los. Nach einem Kaiserschnitt bekommt der Vater sein Kind in den Arm.

Gewogen werden die Babys erst etwas später und gewaschen werden sie gar nicht mehr, da die Käseschmiere, welche die Haut der Kinder bedeckt, diese wie eine Creme vor Infektionen schützt.

Der APGAR-Test

Zur Kontrolle des Gesundheitszustands des Babys beobachtet die Hebamme die Atmung, die Hautfarbe und prüft den Muskeltonus bzw. die Reflexe des Neugeborenen. Dies wird direkt nach der Geburt gemacht und nach 5 und nach 10 Minuten noch einmal wiederholt. Auf die Art wird sichergestellt, dass es dem Baby gut geht. Denn ein Baby, das mit einer leicht bläulichen Hautfarbe zur Welt gekommen ist, kann schon nach wenigen Minuten einen schönen rosigen Hautton entwickeln. Üblicherweise müssen Mutter und Kind sich für den Test nicht einmal trennen, sondern die Hebamme kontrolliert ganz dezent. Gibt es Anlass zur Sorge wird sofort ein Kinderarzt hinzugezogen.

Nabelschnur

Nach der Geburt klemmt die Hebamme die Nabelschnur ab -auf Wunsch können auch Vater oder Mutter diese mit einer Schere durchtrennen. Die Hebamme entnimmt dem Stück Nabelschnur, das zur Plazenta verläuft - also in den Bauch der Mutter - etwas Blut und untersucht den pH-Wert. Liegt dieser unter 7,10 muss ein Kinderarzt hinzugezogen werden. Der Wert kann darauf hindeuten, dass das Baby während der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen hat. Das Stückchen Nabelschnur an Babys Nabel trocknet in den kommenden Tagen und fällt nach ca. 5 bis 10 Tagen mitsamt der Klemme von selbst ab. Der Nabel muss sauber gehaltenwerden.

Versorgung der Mutter

Während sie ihr Kind schon im Arm hält, muss die Mutter noch die Nachgeburt, also die Plazenta gebären. Das hört sich schlimmer an als es ist. Meist kündigt sich diese "Nachgeburt" von selbst etwa 30 bis 60 Minuten nachdem das Kind auf der Welt ist durch ein Zwicken im Bauch an. Diese ganz leichten Nachwehen stoßen - oft mithilfe der Hebamme - die Plazenta ab. Die Hebamme tastet zuerst über den Bauch, ob sich die Plazenta vollständig von der Gebärmutter gelöst hat. Dann zieht sie vorsichtig an der Nabelschnur an. Wenn Frauen mitpressen wollen, dürfen sie das. Liegt die Plazenta vor, kontrolliert die Hebamme, ob diese vollständig ist. Würde ein Stück in der Gebärmutter verbleiben, könnte das eine Infektion zur Folge haben.

Anschließend können mögliche Risse und Schnitte von Damm und Scheide versorgt werden. Kleinere Risse werden von Hebammen selbst versorgt, da es sich nur um Hautrisse (1. Grad) handelt. Risse von Muskeln (2. Grad) oder mit einer Beteiligung des Schließmuskels (3. Grad) müssen vom Arzt genäht werden. Danach kommen weiche Binden und ein Einwegnetzhöschen drüber. Während der ganzen Zeit muss die Mutter das Kind meist nicht aus dem Arm geben.

Das erste Stillen

Viele Neugeborene, die auf der Brust der Mutter liegen, fangen von selbst an nach der Brustwarze zu suchen. Manche machen es gleich richtig und saugen herzhaft an der Brustwarze, andere interessieren sich vorerst gar nicht dafür. Diese Kinder werden dann bewusst angelegt. Beim ersten Stillen zeigt die Hebamme oder eine Kinderschwester wie es funktioniert.

Stillen mit C-Griff

Aufrecht hinsetzen, Baby zur Brust führen - nicht umgekehrt - und mit Daumen und Zeigefinger ein C formen. Mit der Handfläche unter die Brust greifen und diese so anheben, dass das Baby die Brustwarze gut fassen kann. Wichtig ist, dass das Baby die gesamte Brustwarze im Mund hat und die Nase an der Haut der Mutter leicht ankommt, um Entzündungen der Brustwarze vorzubeugen.

Erste Probleme beim Stillen

  • Einige Babys bekommen die Brustwarze nicht ordentlich zu fassen, ein Stillhütchen, also eine Saughilfe aus Plastik oder Latex, helfen dann weiter.
  • Hat ein Baby zu viel Fruchtwasser während der Geburt geschluckt, kann es auch vorkommen, dass dem Baby schlecht ist und es die Brustwarze vorerst ablehnt. In diesem Fall heißt es abwarten und es später wieder versuchen.

Das erste Mal auf die Toilette

Die Mutter darf sich von der Anstrengung der Geburt erholen. Sie soll auch nicht gleich aufstehen, da es in den ersten Stunden zu Kreislaufschwächen kommen kann. Wenn sie das erste Mal wieder auf die Toilette muss - egal, ob das schon im Kreißsaal oder später am Zimmer ist - wird sie von einer Krankenschwester begleitet. Geht es ihr gut, darf sie von da an wieder alleine aufstehen. Nach einem Kaiserschnitt darf und soll die Mutter am Folgetag das erste Mal aufstehen, um schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Auf der Station

Nach einer ambulanten Geburt darf die kleine Familie nach Hause gehen, wenn es ihr gut geht. Sonst werden Mutter und Baby auf ihr Zimmer verlegt. Spätestens jetzt bekommt das Baby auch eine Windel. Meistens schlafen die Babys dann eine Zeit lang, denn auch sie müssen sich wie die Mutter von den vergangenen Strapazen erholen.

Wochenfluss und Hygiene

Nach der Geburt beginnen Frauen wie bei einer starken Periode heftig zu bluten Die Blutung kann 4 bis 8 Wochen andauern wird aber von Tag zu Tag schwächer.

Wichtig ist die richtige Hygiene: Frauen sollten nach der Geburt mehrmals am Tag ihre Scheide mit warmen Wasser abspülen und darauf achten, dass der Wochenfluss nicht in Kontakt mit der Brust kommt. Auch die Binden gehören häufig gewechselt.

Stillen

Direkt nach der Geburt produziert die Mutter nur eine Vormilch. Das ist eine gelbliche Flüssigkeit, von der nur wenige Tropfen vorhanden sind. Für das Erste ist das jedoch genug, da Babys Magen zu Beginn etwa so groß wie eine Murmel ist, wurde das Kind doch bisher über die Nabelschnur versorgt. Für die ersten Tage hat das Baby auch genügend Reserven, um nicht gleich zu verdursten, wenn Mamas Milch nicht sofort einschießen will. Das hat aber auch zur Folge, dass das Gewicht erst einmal fällt. Erreicht es die Grenze von 10 % unter dem Geburtsgewicht, wird vorsichtig mit Zufüttern von Babymilch begonnen. Gleichzeitig muss die Mutter das Baby aber viel anlegen und regelmäßig mit einer Milchpumpe abpumpen, um die Milchproduktion anzuregen.

Schießt die Milch ein, fühlen sich die Brüste voll an. Die Menge der produzierten Milch orientiert sich am Bedarf des Kindes. Wenn es mehr saugt, kommt auch mehr Milch. Wenn das Verhältnis passt, kann nach Bedarf gestillt werden. Das bedeutet, dass das Kind immer dann angelegt wird, wenn es Hunger zeigt.

Schon Neugeborene machen dies durch das Herausstrecken der Zunge, Schmatzgeräusche oder das in den Mund nehmen der Hand deutlich.

Wichtig: Beim Stillen sollte auch immer ein großes Glas Wasser für die Mutter bereit stehen, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen.

Babypflege

Die Krankenschwestern zeigen den Müttern, wie sie ihr Kind richtig wickeln. In den ersten Tagen wird bei Bedarf und vor jedem Stillen gewickelt. Die kühle Luft, die an die warme Babyhaut gelangt, macht die Kinder wach und hungrig,

Auch das erste Bad erfolgt noch im Krankenhaus. Die Mütter lernen mit welchem Griff sie das Kind am besten in der Wanne halten, so dass es gut gestützt ist und trotzdem eine Hand frei bleibt, um es abzuwaschen. Wichtig ist regelmäßiges Wickeln etwa alle 3 Stunden, um einem wunden Popo vorzubeugen. Pflegeprodukte sind in der Regel nicht notwendig. Ein bisschen Olivenöl als Badezusatz reicht völlig aus. Auch beim Wickeln reichen nasse Waschlappen zum Abwischen. Heute wird bei weitem nicht mehr so viel gecremt und gepudert wie früher. Lediglich bei einem wunden Po wird etwas Zinksalbe (Apotheke) verwendet.

Erste Hilfe bei wunden Brustwarzen

Spezielle Cremes halten die Brustwarzen bei Anfangsschwierigkeiten geschmeidig. Auch einige Tropfen Muttermilch auf den wunden Stellen wirken Wunder. Ist der Schmerz nicht auszuhalten, müssen die Brustwarzen desinfiziert und eingecremt werden, eigene Brustwarzenpolster verhindern den Kontakt mit der Kleidung in den Phasen des Nichtstillens. Keine Sorge, es wird besser. Wunde Brustwarzen sind gerade zu Beginn nicht ungewöhnlich. Die Brüste müssen sich erst an die Beanspruchung gewöhnen.

Erste Hilfe bei Schmerzen wegen Dammrissen und -schnitten

Fangen die genähten Stellen an Damm und Scheide an weh zu tun, helfen:

  • Kühlpacks mit Gel
  • Globuli mit Arnika
  • Bei Schmerzen beim Sitzen hilft ein selbst gemachtes Sitzpolster: Dazu ein Kissen zu einem Ring formen. Ein Schwimmreifen kann ebenfalls untergelegt werden.

Erste Hilfe bei Nachwehen

Die Gebärmutter zieht sich in den Tagen nach der Geburt auf ihre ursprüngliche Größe zusammen. Das kann einige Tage lang mit Schmerzen verbunden sein. Da beim Stillen des Kuschelhormon Oxytocin gebildet wird und dieses die Rückbildung fördert, treten die Schmerzen häufig in den Stillphasen auf. Sie können, wie die Wehen während der Geburt veratmet werden. Wer will, kann sich aber auch von den Schwestern ein leichtes Schmerzmittel geben lassen.

Erste Hilfe bei Narbenschmerzen nach einem Kaiserschnitt

Die Narben bei Kaiserschnitten schmerzen in den ersten Tagen, das vergeht jedoch bald. Wer die Schmerzen nicht aushält, kann leichte Schmerzmittel nehmen.

Visiten und Untersuchungen

Krankenschwestern und Ärzte werden in den ersten Tagen überprüfen, ob mit Mutter und Kind alles in Ordnung ist.. Täglich fragen Kinderarzt und Gynäkologe bei der Visite, ob es Auffälligkeiten gibt. Dabei werden folgende Punkte kontrolliert:

Kind:

  • Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand?
  • Nimmt das Kind zu?
  • Klappt das Stillen?
  • Wie ist Stuhl und Urin beschaffen?
  • Entwickelt das Baby Neugeborenen-Gelbsucht?

Mutter:

  • Schießt die Milch ein?
  • Verheilen eventuelle Wunden gut?
  • Bildet sich die Gebärmutter zurück?
  • Klappt das Urinieren und Stuhlen?

Am 4. Tag nach der Geburt steht eine Mutter-Kind-Pass-Untersuchung am Programm. Dabei wird der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes beurteilt. Außerdem wird ein Ultraschall der Hüftknochen durchgeführt und ein Hörtest, die Babys bekommen Vitamin D und K zur Stärkung der Knochen.

Entlassung aus dem Krankenhaus

Nach einer normalen Geburt werden Mütter je nach Gesundheitszustand von Mutter und Baby meist am 3. oder 4. Tag nach der Geburt entlassen. Nach einem Kaiserschnitt kann es etwas länger dauern. Bei Stillproblemen oder starker Gelbsucht werden beide noch einige Tage im Krankenhaus behalten.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Bauchgefühl, L. Kaller, List-Verlag, 1. Auflage, Berlin, 2011
  • Das große Buch zur Schwangerschaft. F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer-Verlag, 1. Auflage, München, 2009

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