Frauen haben beim Riechen die Nase vorn

Frauen haben beim Riechen die Nase vorn: Frau im Profil fächelt sich Geruch zur Nase
Frauen haben 43 % mehr Geruchszellen im Gehirn. ( Yeko Photo Studio - Fotolia.com)
Frauen nehmen Gerüche besser wahr, und reagieren sensibler darauf als Männer. Das liegt nicht an den Geruchszellen in der Nase, sondern an einem Unterschied im Gehirn.

Bisher war wissenschaftlich unklar, warum Frauen besser riechen können. Auf den ersten Blick haben Männer einen biologischen Vorteil: Gehirnscans (CT) zeigten, dass der Riechkolben im Gehirn beim Mann größer ausgeprägt ist als bei der Frau. Theoretisch müssten Männer besser riechen können. Forscher gingen diesem Rätsel auf die Spur, indem sie insgesamt 18 Gehirne sezierten. Obwohl sich die angenommene Größe des Riechkolbens bestätigte, hatten Frauchen doppelt so viele Gehirnzellen im Riechkolben als Männer. Der Geruchssinn trifft wichtige Aussagen über unsere Gesundheit: ist er im Alter vermindert, könnte laut einer neuen Studie sogar ein erhöhtes Sterberisiko vorliegen.

Gleiche Nase, ungleiches Gehirn

An der Nase selbst liegt der Unterschied in der Geruchswahrnehmung nicht: Die Riechrezeptoren in der Nase sind bei Mann und Frau sehr ähnlich. Diese Zellen nehmen die Geruchsinformationen auf und leiten sie weiter an den "Geruchskolben". Er bezeichnet eine Hirnregion, die Geruch-Informationen ausarbeitet. Wissenschafter der Universität von Rio de Janeiro entfernten den Geruchskolben aus 18 männlichen und weiblichen Gehirnen (von Toten), wogen ihn ab und lösten das Gewebe in seine einzelnen Zellbestandteile auf. Die Zellen konnten so in der Lösung gezählt werden.

Erstaunlich dabei war, dass männliche Gehirne mehr wogen, aber weniger Zellen enthielten:

  • Bei Frauen: Riechkolben kleiner und leichter, aber 16,2 Millionen Zellen
  • Bei Männern: Nur 9,2 Millionen Zellen im Riechkolben trotz höherer Größe und Gewicht

Das bedeutet, dass Frauen 43,2 % mehr Geruchszellen im Gehirn haben. Auch die Anzahl der Neuronen, also der Gehirnzellenverbindungen, war bei Frauen deutlich höher.

Gehirnscans nicht immer aussagekräftig

Abbildende Techniken des Gehirns, wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT), haben die Medizin revolutioniert. Sie sind maßgeblich an der Diagnose von Erkrankungen wie Gehirntumoren oder Multiple Sklerose beteiligt und sind auch richtungsweisend für deren gezielte Therapie. Dennoch sind diese Scans bei Weitem nicht so exakt, wie das Sezieren des Gehirns. Deshalb entschieden sich Ana Oliveira-Pinto und ihr Team für diese Forschungsmethode. Gehirnscans können nur das Volumen abbilden, nicht aber genaue Aussagen über das Gewicht oder die Zellen einzelner Gehirnregionen treffen. Genau die Zellanzahl und vorhandene Neuronen Verknüpfungen sind aber die aussagekräftigsten Faktoren für die Leistungsfähigkeit eines Gehirnbereichs. Im Falle des Geruchssinns haben hier Frauen ganz klar die Nase vorn.

Quellen

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