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Was Stress mit unserem Gehirn macht

Was Stress mit unserem Gehirn macht
Je mehr "Risiko-Gene" wir in uns tragen, desto negativer wirkt sich eine belastende, stressige Situation auf unser Gehirn aus. (vege - Fotolia.com)

Wiener Wissenschafter fanden heraus, dass unsere Gene maßgeblich an der Verarbeitung von Stresssituationen beteiligt sind. So können etwa Jobverlust, Erkrankungen oder Todesfälle die psychische Verfassung Betroffener schwächen, oder aber auch stärken.

Unsere Gene bestimmen wie das Gehirn mit Stress umgeht. Die Studie liefert eine Erklärung dafür, warum belastende Lebenssituationen manche stärkt, bei anderen aber zu Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout führen kann. Laut den Wissenschaftern entscheidet ein Mix aus Umweltfaktoren und Genen über die Art und Weise der Stressverarbeitung. Belastende Situationen wirken dabei nicht nur auf die Psyche, sondern beeinflussen auch das Volumen des Hippocampus, der zentralen Schnittstelle zur Emotionsverarbeitung.

"Risiko-Gene" fördern psychische Erkrankungen

Negativ empfundener Stress, Distress genannt, führt zu einer Verkleinerung des Hippocampus, ähnlich wie bei Depressionen. Eustress, positiv erlebter Stress, bewirkt laut bisheriger Annahmen automatisch Gegenteiliges: Der Hippocampus wächst. Die Forscher fanden nun aber heraus, dass nicht nur die Art des Stresses über die Auswirkungen auf das Gehirn entscheidet, sondern in starkem Maße auch die individuelle genetische Veranlagung. Die Wissenschafter sprechen dabei von "Risiko-Genen". Je mehr wir von ihnen in uns tragen, desto negativer wirkt sich eine belastende Situation auf unser Gehirn und folglich auf unsere psychische Verfassung aus.

Zusammenhang zwischen Hippocampus, Lebensereignissen und Genetik

Das Team rund um Univ. Prof. Dr.h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ging folgendermaßen vor: Zuerst wurde die Anzahl belastender Ereignisse bei gesunden Probanden erhoben. Im Anschluss darauf führten die Wissenschafter eine anatomischen Magnetresonanztomographie durch, um die Größe des Hippocampus zu eruieren, bevor abschließend die individuelle Genetik erfasst wurde.

Diese 3 Parameter (Lebensereignisse, Größe des Hippocampus und vorliegende Gene) wurden miteinander in Bezug gesetzt. Das Ergebnis: Je mehr "Risiko-Gene" ein Mensch hat, desto eher führten belastende Lebenssituationen zu einer Verkleinerung des Hippocampus, was wiederum die Entstehung einer Depression begünstigt. Andere Probanden hingegen, die kaum oder gar keine Risiko-Gene in sich trugen, zeigten trotz ähnlichen Lebensereignissen einen vergrößerten Hippocampus, gingen also gestärkt aus den jeweiligen Situationen hervor.

Pezawas ergänzt, dass diese Ergebnisse hinsichtlich stressbedingter Erkrankungen insofern von großer Bedeutung sind, weil die Wissenschafter damit in Erfahrung bringen konnten, dass unsere Gene bei der Verarbeitung von Stress maßgebende Einflussfaktoren sind. Publiziert wurde die Studie im "Journal of Neuroscience".

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
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Quellen

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