10 Mythen: So funktioniert das Gehirn

Gehirn Mythe 1 - gesamtes Gehirn nutzen

Anders als häufig angenommen, nutzen wir tagtäglich unser gesamtes Gehirn, nicht etwa nur 10 %. Selbst für einfache Vorgänge wie Gehen oder Sprechen kommen mehrere Gehirnregionen zum Einsatz. (freshidea - Fotolia.com)

Unser Gehirn leistet täglich Unglaubliches: Über 100 Billionen Zellen hat unser "Denkapparat", der unsere Bewegungen steuert, unsere Erinnerungen speichert und uns Sprechen, Aufgaben lösen sowie Ideen entwickeln lässt.

Um unser Gehirn ein Leben lang fit und gesund zu halten, müssen wir es nützen und fördern. Doch wie geht das am besten? Durch das Lösen von Rätseln oder doch durch das Erlernen einer zweiten Sprache? Kann der IQ (Intelligenzquotient) von Babys wirklich durch das Hören von klassischer Musik gefördert werden, und bleibt der einmal erreichte IQ ein Leben lang konstant hoch? Kann man das Gehirn vielleicht sogar mit Hilfe von leistungssteigernden Medikamenten "dopen"? Diese 10 Gehirn-Mythen verschaffen Klarheit!

Gehirn-Mythos 1: Wir verwenden nur 10 % unseres Gehirns

Lange Zeit wurde angenommen, dass wir täglich nur etwa 10 % unseres Gehirns nützen und daher ein unglaubliches Potential brachliegt, auf das hochintelligente Menschen automatisch zugreifen. MRT-Scans beweisen aber, dass schon einfache Bewegungsabläufe oder Sprechen weit mehr als 10 % unserer "grauen Zellen" in Anspruch nimmt.

Gehirn-Mythos 2: Der IQ ist ein Leben lang konstant

Der IQ gibt auf einer Skala an, wie Menschen im Vergleich zu anderen abschneiden - der Durchschnitt liegt ungefähr bei 100. Anders als häufig vermutet, stellt der IQ aber keine Konstante dar, sondern ist im Laufe des Lebens (leicht) nach oben oder unten veränderbar. Sogar tagesabhängige Schwankungen sind möglich. Kaffeekonsum vor dem IQ-Test hebt das Ergebnis z.B. leicht an.

Gehirn-Mythos 3: Rätsel trainieren das Gehirn

Bestimmte Apps und Online-Rätsel sollen angeblich das Gehirn trainieren. Laut einer britischen Studie schnitten Menschen, die sechs Wochen lang solche Rätsel lösten, in Gedächtnis- und Logiktests aber durchschnittlich nicht besser ab als die Vergleichsgruppe. Um Demenz vorzubeugen, sind Rätsel jedoch gut geeignet, da sie vor Gedächtnisabbau bewahren - die direkte Gehirnleistung heben sie aber scheinbar nicht.

Gehirn-Mythos 4: Gehirndoping funktioniert bei allen Menschen

Bestimmte Medikamente wirken bei Menschen mit Konzentrationsstörungen wie ADHS leistungsfördernd. Bei gesunden Menschen wirkt sich "Gehirndoping" jedoch eher negativ aus: Die Reaktionszeit beim Lösen von Aufgaben verzögert sich dadurch.

Gehirn-Mythos 5: Im Alter lässt das Gehirn nach

Im Alter funktioniert das Gehirn nicht automatisch schlechter, sondern einfach anders. Obwohl manchmal die Erinnerungsfähigkeit nachlässt, nimmt die Gehirnleistung in anderen Bereichen sogar mit der Zeit zu. So sind das Sprachverständnis, die Konfliktlösung und die emotionale Intelligenz bei älteren Menschen sogar besser als bei jüngeren.

Gehirn-Mythos 6: Schaden im Gehirn hält dauerhaft an

Gehirnschäden, z.B. nach einem Unfall, können nicht rückgängig gemacht werden? Stimmt so nicht: Das Gehirn hat aber die Fähigkeit, neue Verbindungen aufzubauen, wenn alte geschädigt wurden. So können gewisse Abläufe mit der Zeit einfach über andere Gehirnkreisläufe abgewickelt werden als bisher. Diese Regeneration ist aber nicht bei allen Gehirnschäden möglich.

Gehirn-Mythos 7: Klassische Musik macht Babys schlauer

Durch den "Mozart Effekt" soll das Hören von klassischer Musik den IQ von Babys heben. In Studien konnte diese Auswirkung aber nicht belegt werden. Falls Musik überhaupt die Gehirnleistung bei Babys fördert, so wirkt zumindest klassische Musik nicht anders als Rock oder Pop.

Gehirn-Mythos 8: Fremdsprachen trainieren das Gehirn kaum

Vor allem mathematisch- oder logik-orientierte Rätsel sollen das Gehirn stärken. Es kommt aber nicht nur auf Zahlen an: Sind Menschen 2- oder mehrsprachig, schützt diese Fähigkeit das Gehirn vor frühzeitigem Verfall und kann sogar bei Alzheimer das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen.

Gehirn-Mythos 9: Erinnerung hält sich an die erlebten Tatsachen

Oft werden Erinnerungen als Fakten dessen verstanden, was Menschen gesehen und erlebt haben. Es handelt sich aber nicht um ein Abbild der Realität. Wenn wir uns erinnern, rufen wir häufig das letzte Mal ab, als wir an ein Ereignis gedacht haben, und nicht das Erlebte selbst. Erinnerungen können sich deshalb mit der Zeit verändern.

Gehirn-Mythos 10: Druck fördert die Gehirnleistung

Manche Menschen behaupten, nur unter (Zeit-)Druck besonders gut denken und arbeiten zu können. Langfristig macht negativer Stress jedoch krank und schwächt sogar die Gehirnleistung.

Quellen

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