Warum unser Gehirn Kalorien-Bomben liebt

Warum unser Gehirn Kalorien-Bomben liebt: Frau mit Eis am Stiel.
Das Gehirn zeigt bei hoch-kalorienhaltigen Speisen starke Reaktionen. (Casther - Fotolia.com)
Was ungesund oder gesund ist, weiß man oft selbst - Und dann passiert es doch: Wir essen Kalorien-Bomben zwischendurch obwohl wir es nicht wollen. Aber woher kommt das Gieren nach Süßem? Forscher haben einen Verdacht warum Abnehmen schwerer fallen könnte, als es uns eigentlich lieb ist.

Eigentlich hat unser Gehirn einen inneren Kalorienzähler, der besser funktioniert als unser erlerntes Wissen um Lebensmittel. Das zeigte das Experiment kanadischer Forscher, in dem Versuchsteilnehmer gebeten wurden, den Kaloriengehalt von 50 Speisen zu schätzen. Obwohl die Teilnehmer oft mit ihren Schätzungen daneben lagen, zeigten Gehirnscans eine besonders starke Reaktion auf Speisen mit sehr vielen Kalorien. Wichtig für dieses Reaktion waren nicht die Vitamine oder Mineralstoffe im Essen, sondern nur die Kalorien. Wir verbinden hoch-kalorienhaltige Lebensmittel automatisch mit Genuss.

Gehirn schätzt Kalorien "richtig"

Für die Untersuchung wurden 29 gesunde Teilnehmer gebeten, bereits bekannte Speisen auf ihren Kaloriengehalt und auf ihre Beliebtheit hin zu bewerten. Heutzutage sind Nährwertangaben auf allen Lebensmitteln zu finden und auch in Medien gibt es einen Überfluss an Informationen zu gesundem Essen. Dennoch lagen die Versuchsteilnehmer bei der Kalorien-Schätzung der Speisen stark daneben.

Die Forscher des Neurologischen Instituts in Montreal betrachteten auch einen Gehirn-Scan, während die Versuchsteilnehmer die Bilder der Speisen sahen. Das Gehirn zeigte bei hoch-kalorienhaltigen Speisen die stärkste Reaktion, selbst wenn die Teilnehmer den Kaloriengehalt viel niedriger einschätzten. Dabei war jene Gehirnregion aktiv, die den Wert von Reizen einschätzt. Das bedeutet, dass das Gehirn reichhaltige Speisen als wertvoll einstuft.

Kalorien-Schätzung ungleich Essenswunsch

Im nächsten Schritt durften die Versuchsteilnehmer, wie bei einer Auktion, auf die verschiedenen Speisen bieten. Nun zeigte sich, dass im Biet-Verfahren hoch-kalorienhaltige Speisen als besonders begehrenswert und daher wertvoll eingestuft wurden. Es bestand ein direkter Zusammenhang zwischen der richtigen Einschätzung des Gehirns, welche Lebensmitteln viele Kalorien haben, und dem Biet-Verhalten der Versuchsteilnehmer.

Obwohl die Teilnehmer zuvor angegeben hatten, wie gerne sie eine Speise mochten, spiegelte sich diese Angabe nicht notwendigerweise im Biet-Verhalten wider. Die Forscher nehmen an, dass das Gehirn beim Bieten eher auf die innere Kalorien-Bewertung hört, als auf die logische Einstufung der Teilnehmer. Das könnte erklären, warum wir zu Schokolade und Chips im Supermarktregal greifen, obwohl wir wissen, dass Gemüse und Obst eine bessere Wahl wären. Denn in dem Moment, in dem eine Entscheidung getroffen wird, meldet sich die Gehirnregion zu Wort, die viele Kalorien als "wertvoll" empfindet.

Quellen

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