Wo sind Gefühle im Körper?

Wo sind Gefühle im Körper?: Verschiedene Bilder zeigen den Körperumriss eines Menschen.
Der "Gefühlsatlas" zeigt, wo im Körper Menschen ihre Gefühle wahrnehmen (pnas.org)
Sprache hat viele Ausdrücke um zu beschreiben, wo wir im Körper Gefühle spüren: Schmetterlinge im Bauch, Herzrasen, oder etwas steht einem bis zum Hals. Doch Forscher der Universität Aalto in Finnland haben nun eine Möglichkeit gefunden, diese "Körpergefühle" messbar zu machen.

Das Überraschende dabei ist, dass die Werte, die bei Studienteilnehmern erhoben wurden, starke Übereinstimmungen aufweisen. Das heißt, dass wir alle ungefähr in denselben Körperbereichen auf Gefühle reagieren bzw. diese körperlich wahrnehmen. Dies bewahrheitet sich auch, wenn man die Ergebnisse kulturübergreifend betrachtet. Scheinbar fühlen Menschen in West-Europäischen Regionen ebenso wie in Ost-Asiatischen.

Gefühle überbrücken Sprachen und Kulturen

Über 700 Menschen nahmen an der Untersuchung teil. Angehörige dreier Länder waren für die Studie zugelassen: So war neben Finnland auch Schweden vertreten. Die Forscher begründeten die Wahl dieser drei Länder damit, dass sie einerseits Repräsentanten aus zwei sehr verschiedenen Kulturkreisen miteinander vergleichen wollten.

Des Weiteren sind die Sprachen, die in den drei Ländern gesprochen werden, einander sehr unähnlich. Schwedisch etwa hat einen germanischen Ursprung, während Finnisch als uralische Sprache gilt. Taiwanisch wird oft als Dialekt der chinesischen Sprache bzw. als eigenständige Sprache betrachtet. Um die untersuchten Gefühle korrekt in die jeweiligen Sprachen zu übertragen, standen den Forschern Übersetzer zur Verfügung. Weder die Sprache, noch das Herkunftsland, hatte große Auswirkungen auf die Ergebnisse der Studie.

"Gefühlsatlas" veranschaulicht, wo Gefühle sitzen

Den Versuchsteilnehmern wurden Gefühle als Begriff gesagt, oder aber es wurden ihnen emotionslastige Filme, Gesichtsausdrücke und Geschichten als Anschauungsmaterial gegeben. Daraufhin wurden sie gebeten, ihre Gefühle dort auf einem menschlichen Umriss zu zeichnen, wo sie sie am stärksten empfanden. In einem zweiten Schritt zeichneten sie jene Körperregionen ein, wo sie das Gefühl zwar noch wahrnahmen, aber weniger stark als im Gefühlszentrum. Die so entstandenen Bilder wurden von den Forschern zu einer Graphik zusammengefügt und als "Gefühlsatlas" bezeichnet. Dieser konnte dann mit den Bildern anderer Studienteilnehmer verglichen werden.

Diagnosemöglichkeit für psychisch Erkrankte

Neben dem spannenden Ergebnis der Studie erhoffen sie die Wissenschafter aus Aalto auch eine praktische Anwendung für die Forschung. Sie denken, dass der Gefühlsatlas in Zukunft als ergänzendes Diagnosemittel für Wissenschafter und Therapeuten, z.B. Psychotherapie, genützt werden könnte. Diese könnten Patienten bitten, zu beschreiben, wo sie ihren momentanen Gefühlszustand empfinden. Daraus könnte geschlossen werden, welche Diagnose auf den Patienten am besten zutrifft.

Quellen

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