Geburtsvorgang: Die Phasen der Geburt

Geburtsvorgang: Die Phasen der Geburt: Ehepaar vor der Geburt
Die Phasen der Geburt: Von Eröffnungsphase über Austreibungsphase bis hin zur Nachgeburtsphase (Johannes Hloch)
Die Geburt kann lange dauern: durchschnittlich 13 Stunden beim ersten Kind und 8 Stunden bei weiteren. Der Geburtsvorgang gliedert sich in mehrere Phasen.

In jedem Fall ist die Geburt eines Kindes für seine Eltern ein Höhepunkt ihres Lebens. Zwar ist die Entbindung für Mutter und Kind ein echter Kraftakt - doch schließlich können Sie Ihr Kleines endlich in die Arme nehmen. Dann sind aller Schmerz und alle Anstrengung im Nu vergessen!

Die Eröffnungsphase

Wenn das Baby ausgereift ist und Mamas Bauch deshalb zu eng wird, will es raus. Der Geburtsvorgang beginnt mit der sogenannten Eröffnungsphase. Zuerst verkürzt und lockert sich der Gebärmutterhals und anschließend öffnet sich der Muttermund Schritt für Schritt. Diese körperlichen Vorgänge bei der Mutter werden durch regelmäßige Wehen begleitet: Die rhythmischen Muskelkontraktionen der Gebärmutter dauern zwischen 30 und 90 Sekunden an und treten zu Beginn der Eröffnungsphase meist 1- bis 3-mal in 30 Minuten auf.

An dieser Regelmäßigkeit erkennt man, dass es sich um "echte" Wehen handelt und sich das Baby auf seinen Weg ins Leben macht. Diese "echten" Wehen sind von ihrer Intensität und Regelmäßigkeit her nicht mit den Vor- oder Senkwehen vergleichbar, die sich schon einige Wochen vor der Geburt zeigen. Vor- und Senkwehen sind ungleichmäßig und werden als weniger schmerzhaft empfunden; sie sind eher als ein Ziehen und ein Druck im Unterbauch spürbar. Sie dienen dazu, dass das Baby langsam die optimale Stellung für die Geburt im Becken einnimmt.

Bei jeder 10. Frau platzt jedoch die Fruchtblase, bevor sich Wehen zeigen. Auch dann sollte sich die Schwangere unverzüglich auf den Weg ins Krankenhaus machen beziehungsweise ihrer Hebamme Bescheid geben! Im Prinzip ist ein Blasensprung zwar völlig undramatisch und meist setzen nach wenigen Stunden spontan die Wehen ein oder die noch nicht ausreichenden Wehen werden innerhalb der folgenden 18 Stunden mit einem Wehenmittel unterstützt. Doch wenn der Kopf des Babys zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher im Becken sitzt, kann die Nabelschnur durch die Schwerkraft nach unten, vor den Kopf des Babys rutschen und durch den Druck abgedrückt werden (Nabelschnurvorfall). Um diese Komplikation zu vermeiden, gehen werdende Mütter auf Nummer sicher, wenn sie sich nach einem schwallartigen Blasensprung hinlegen und auch die Fahrt ins Krankenhaus liegend antreten. Ist das Köpfchen bereits optimal im Becken eingestellt, ist die herausfließende Menge an Fruchtwasser überschaubar.

Die Häufigkeit der Wehen nimmt im Verlauf der Eröffnungsphase langsam zu, durchschnittlich dauert sie bei Erstgebärenden zwischen 8 und 14 Stunden - es kann aber auch viel schneller gehen, denn bei Mehrgebärenden dauert diese erste Phase der Entbindung durchschnittlich nur 2 bis 6 Stunden. In dieser Zeit schiebt sich das Baby durch die Eröffnungswehen immer tiefer Richtung Beckenausgang. Durch den Druck weitet sich der Muttermund und die Mutter wird mehr und mehr den Drang verspüren, das Baby herauszuschieben. Doch bis der Muttermund annähernd (8 cm) oder mit 10 Zentimetern vollständig eröffnet ist, muss die Gebärende diesen Drang noch unterdrücken. Dabei helfen können ihr eine liebevolle Begleitperson, die in der Geburtsvorbereitung erlernten Atemübungen und natürlich die Hebamme. Zudem gibt es heute viele schmerzlindernde Methoden.

Die Austreibungsphase

Hat sich der Muttermund annähernd oder vollständig geöffnet, beginnt die Austreibungsphase. Schon bald wird das Baby da sein, denn sobald das Köpfchen sich optimal am Beckenausgang eingestellt hat, darf die Mutter ihr Kind unter den Wehen aktiv herausschieben. Deren Häufigkeit steigt in der frühen Austreibungsphase auf etwa 6 bis 7 innerhalb von 15 Minuten an. Falls die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist, geschieht der sogenannte Blasensprung meistens jetzt. Die meisten Frauen erleben diese Phase der Geburt als die anstrengendste, sie können die Austreibungsphase aber aktiv unterstützen. Und auch für das Kind bedeutet sie Schwerstarbeit. Deshalb werden spätestens jetzt die Herztöne des Babys per CTG kontinuierlich überwacht, um eine eventuelle Beeinträchtigung der Versorgung des Babys sofort erkennen zu können.

Während der Austreibungsphase rutscht das Kind immer tiefer in den Geburtskanal. Ist sein Köpfchen am Beckenboden angelangt, sieht man es bereits von außen. "Das Baby kommt!" wird die Hebamme dann wahrscheinlich rufen und der Mutter damit neue Kraft verleihen, die sie zu Spitzenleistungen beflügelt. Dennoch muss das Pressen für den endgültigen Durchtritt des Köpfchens behutsam erfolgen, damit sich das Dammgewebe langsam dehnen kann und nicht unnötig reißt. Dammschnitte werden heute nur noch selten durchgeführt - meist nur, wenn es zu Komplikationen kommt, die eine Beschleunigung der Austreibungsphase verlangen. Sie kann beim ersten Kind bis zu 2 Stunden dauern. Bei weiteren Geburten verkürzt sie sich teilweise bis auf nur 20 Minuten.

Ist der Kopf des Babys ganz geboren, ist das meiste geschafft. Noch 1 bis 2 Presswehen und der neue Erdenbürger kann von seinen Eltern in die Arme genommen werden. Denn sind Kopf und Schultern draußen, gleiten Rumpf und Beine leicht und zügig nach. Das Baby ist geboren!

Die Nachgeburtsphase

Auch wenn das Baby jetzt bereits auf der Welt ist, gilt die Geburt erst als beendet, wenn die Plazenta (Mutterkuchen) geboren ist. Sobald das Kind abgenabelt ist, zieht sich die Gebärmutter neuerlich zusammen, um die Plazenta auszustoßen. Weder das Abnabeln tut dem Kind weh, noch die Geburt der Plazenta der Mutter. Je nach Stärke und Dauer der Nachwehen dauert es im Schnitt 10 bis 30 Minuten, bis auch die Plazenta gelöst und geboren ist. In dieser Zeit liegt das Baby meist auf der Brust der Mutter, damit beide ersten Kontakt zueinander aufnehmen können (Bonding). Vielleicht saugt das Kind nun auch zum ersten Mal an der Brust seiner Mutter - dadurch wird die Geburt der Plazenta zusätzlich angeregt, da so neuerlich ein Schwall des "Liebes-Hormons" Oxytocin ausgeschüttet wird. Eine seiner Aufgaben im weiblichen Körper besteht auch darin, die Kontraktionen der Gebärmutter zu fördern.

Hebamme oder Arzt werden die Plazenta und die Häute der Fruchtblase schließlich auf Vollständigkeit untersuchen, denn es dürfen keine Reste in der Gebärmutter bleiben. Sollte dies jedoch der Fall sein, kann der Arzt sie aufspüren und entfernen. Dieser Eingriff erfolgt normalerweise problemlos mit einer Kurznarkose. Kam es bei der Entbindung zu einem Dammschnitt, -riss oder anderen Geburtsverletzungen, werden diese nach der Geburt der Plazenta versorgt. Das Baby kann in dieser Zeit in den Armen der Mutter bleiben oder der Vater und die Hebamme nehmen es ihr ab, um das Baby zu versorgen.

Ist in den nächsten 2 bis 4 Stunden alles mit Mutter und Kind in Ordnung, werden beide auf die Wochenstation verlegt oder können - bei einer ambulanten Entbindung - nach Hause gehen. Für die Frau beginnt jetzt die Zeit des Wochenbetts.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 7. Auflage, München, 2013
  • Schwangerschaft und Geburt, B. Gebauer-Sesterhenn, T. Villinger, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2012
  • Die Hebammen-Sprechstunde, I. Stadelmann, Stadelmann Verlag, 8. korr. Auflage, Wiggensbach, 2005

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