Geburtsvorbereitungskurs: Ab wann macht er Sinn?

Geburtsvorbereitungskurs: Ab wann macht er Sinn?: Partner bei Geburtsvorbereitungskurs
Geburtsvorbereitungskurse bieten wertvolle Informationen und hilfreiche Techniken für die Geburt. (Johannes Hloch)
Die Vorfreude auf das Baby ist groß, der Geburtstermin rückt näher, und manchen Schwangeren wird bei dem Gedanken an die Entbindung auch ein wenig mulmig. Wird alles gut gehen? Werde ich das schaffen? Werde ich große Schmerzen haben und wie lassen sich die Schmerzen lindern?

Vor einem großen Ereignis wie der Geburt ist es ganz normal, dass werdenden Müttern solche Fragen im Kopf herumschwirren. Und auch die Väter sind davor nicht gefeit. Bei ihnen tauchen noch zusätzliche Fragen auf: Wie kann ich meine Frau bei der Geburt unseres Kindes unterstützen? Wie soll ich mich verhalten, wenn es zu heiklen Situationen kommt? Sowohl werdende Mütter als auch werdende Väter können in einem Geburtsvorbereitungskurs mehr Sicherheit für die Entbindung gewinnen.

Was passiert in einem Geburtsvorbereitungskurs?

Zentraler Bestandteil der Kurse sind Atemwahrnehmungsübungen: Der Atem spielt unter der Geburt eine zentrale Rolle. Wenn die Frau lernt, ihren Atem richtig zu nützen, dann hilft ihr das, gut durch die unterschiedlichen Phasen der Geburt zu kommen. Dabei geht es darum, den eigenen Atem wahrzunehmen und zu vertiefen - verbunden mit Körperwahrnehmungsübungen.

Geburtsvorbereitungskurse werden in aller Regel von Hebammen angeboten. Sie sind Expertinnen für das große Ereignis "Mutter werden - Eltern werden". Auch wenn in manchen Hebammenordinationen mittlerweile Einzel-Geburtsvorbereitungskurse stattfinden, vermittelt die Hebamme ihr Wissen meist in geschlossenen Frauen- oder Paargruppen. Sie bereitet körperlich und mental auf die Geburt und das Eltern-Sein vor. Dafür gliedert sich solch ein Kurs meist in mehrere Teile, die aber je nach Hebamme - und je danach, welche Geburtsvorbereitungs-Methoden sie favorisiert - variieren können:

  • Schwangerschaftsgymnastik: Spezielle Körperübungen kräftigen und entlasten die in der Schwangerschaft besonders beanspruchten Körperpartien wie Rücken und Beckenboden. Zudem können bestimmte Körperhaltungen auch während der Geburt positiv wirken.
  • Aufklärung: Die Hebamme erklärt den Ablauf einer natürlichen Geburt genau und kann auch auf Komplikationsrisiken und mögliche Alternativen wie etwa den Kaiserschnitt eingehen. Gut informiert fühlen sich die werdenden Eltern sicherer und haben weniger Angst. Frauen können Beschwerden und komplizierte Situationen in der Schwangerschaft ansprechen und erhalten von der Hebamme dazu Rat und Tipps.
  • Atemübungen: Indem Frauen bei der Geburt ihren Atem richtig nützen, erleichtern sie sich selbst die Geburt und die Schmerzverarbeitung. Das hilft auch dem Baby. Je nach Phase der Geburt kommen verschiedene Atemtechniken zum Einsatz, die Frauen auch daheim üben können.
  • Entspannungsmethoden: Sie helfen, die Muskeln während der Wehen in der Austreibungsphase lockerer zu lassen und zwischen den Wehen neue Energie zu schöpfen. Auch die Entspannungsmethoden sollten Frauen - vielleicht gemeinsam mit dem Partner - daheim üben, um gut auf die Entbindung vorbereitet zu sein.
  • Massagetechniken: Massieren an den richtigen Stellen, mit liebevoller Zuwendung durch den Partner oder Geburtsgefährten kann zum einen die Wehenverarbeitung bei der Geburt unterstützen. Zum anderen können Schwangere die Dehnfähigkeit ihrer Gewebe durch Selbstmassagen fördern. Die Hebamme kennt auch hier viele Tipps, etwa die Dammmassage mit speziellen Ölen, um das Risiko für einen Dammriss oder Dammschnitt zu reduzieren.
  • Vorbereitung: Die Hebamme wird auch auf die erste Zeit nach der Geburt eingehen und auf das Eltern-Sein vorbereiten. Da sie auch Expertin für Neugeborene ist, kann sie Tipps bei Problemen mit dem Kind, bei Veränderungen in Alltag und Partnerschaft sowie in der Säuglingspflege geben. Die Säuglingspflege ist auch in der Nachbetreuungsphase im Wochenbett ein wichtiges Thema.

Wann sollten Schwangere den Kurs besuchen?

Die meisten schwangeren Frauen suchen den Kontakt zu einer Hebamme zwischen der 18. und 20. Schwangerschaftswoche. Es ist der ideale Zeitpunkt, um einen passenden Termin zu bekommen. Beginnen sollten Frauen mit dem Kurs in der 24. bis spätestens 28. Schwangerschaftswoche. Die Kurse finden meist an 8 bis 10 Abendterminen einmal wöchentlich statt. Es gibt aber auch geblockte Kurse, etwa an einem Wochenende.

Sollte jede Schwangere einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen?

Ja unbedingt, besonders Erstgebärende, da siewertvolle Experten-Tipps für den neuen Lebensabschnitt erhalten. Zudem ist es beim ersten Kind sehr hilfreich, sich im Kurs mit anderen Schwangeren und Paaren auszutauschen. Nicht selten entstehen auch Freundschaften unter den werdenden Eltern und später auch den Babys. Viele Frauen nutzen auch beim 2. oder 3. Kind die Möglichkeit, einen Geburtsvorbereitungskurs zu machen. Obwohl sie schon vieles kennen, was bald auf sie zukommt, schadet es nicht, das Wissen nochmal aufzufrischen und Erstgebärenden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Sollte der Vater mit zum Kurs kommen?

Manche Männer fürchten, dass es im Geburtsvorbereitungskurs zu peinlichen Situationen kommen könnte. Doch dem ist nicht so. Alle Teilnehmer sitzen quasi im selben Boot. Hebammen berichten immer wieder, dass selbst erst zögerliche Männer am Ende des Kurses sehr dankbar über nützliche Informationen zum Geburtsverlauf sind. Ist nicht der Vater sondern jemand anderes als Geburtsgefährte geplant, ist auch diese Person in einem Geburtsvorbereitungskurs willkommen.

Wie findet man einen Kurs?

Geburtsvorbereitungskurse werden in Hebammenordinationen, Praxen, Beratungsstellen und Kliniken angeboten. Wenn der Kurs in einer Klinik stattfindet, ist dabei meist eine Besichtigung des Kreißsaals bzw. der Entbindungsabteilung möglich. Das Österreichische Hebammengremium hat in jedem Bundesland eine regionale Landesgeschäftsstelle, bei der Schwangere oder ihre Angehörigen Informationen zu Kursangeboten und der Hebammenarbeit einholen können.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Beate Lenzhofer

Hebamme

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer A. Nolden, Gräfe und Unzer, 7. Auflage, München, 2013
  • Schwangerschaft und Geburt, B. Gebauer-Sesterhenn, T. Villinger, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2012
  • Die Hebammen-Sprechstunde, I. Stadelmann, Stadelmann Verlag, 8. korr. Auflage, Wiggensbach, 2005
  • Die selbstbestimmte Geburt, I. Gaskin, Kösel-Verlag, 8. Auflage, München, 2004
  • http://www.hebammen.at/geburtsvorbereitung (27.01.2014)

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