Frühgeburt

Manche Babys haben es besonders eilig und wollen nicht für 9 Monate in Mamas Bauch bleiben. (underdogstudios / Fotolia)

Jedes 12. Baby ist ein "Frühstarter" und wird - statt ab der 38. Schwangerschaftswoche - bereits zwischen der 22. und 37. Schwangerschaftswoche geboren.

Ruhig schlafend, die Augen mit den winzigen Händchen bedeckt, liegt Nico in seinem Wärmebettchen. Vor 10 Tagen wurde er geboren - 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Mit weniger als 2 Kilo verbringt er die ersten Wochen seines Lebens in einer Abteilung für Neonatologie und spürt die Wärme seiner Eltern, die fast ständig neben ihm sind und seinen Wachstumsprozess außerhalb von Mamas Bauch gespannt mitverfolgen.

Übersicht

Diese Kinder haben es eilig

Nico ist eines von etwa 6.600 Frühgeborenen, die in Österreich jedes Jahr zur Welt kommen. Statistisch gesehen ist etwa jedes 12. Baby in Österreich ein "Frühstarter". Von einer Frühgeburt sprechen Mediziner, wenn das Baby zwischen 22. und 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Üblicherweise dauert eine Schwangerschaft 38 bis 42 Wochen. Der Großteil der zu früh geborenen Kinder, etwa 70%, erblickt zwischen der 34. und 36. Woche das Licht der Welt. Wie Nico, nämlich zwischen der 28. und 31. Schwangerschaftswoche, kommen etwa 13% der Babys und etwa 5% noch vor der 28. Woche zur Welt.

Frühchen müssen noch "nachreifen"

Dank modernster medizinischer Interventionen ist es heute möglich, zu früh geborenen Kindern dennoch einen guten Start ins Leben zu geben. Dabei spielt weniger das Geburtsgewicht, als die Schwangerschaftswoche zum Zeitpunkt der Geburt eine Rolle. Je später ein "Frühchen" zur Welt kommt, desto besser sind seine Organe ausgereift. Vor allem die Lunge macht bei sehr früh geborenen Babys Probleme, aber auch das Immunsystem kann seinen Aufgaben noch nicht gerecht werden, was ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringt. Als langfristige Risikofaktoren bei sehr früh Geborenen sehen Mediziner u.a. Entwicklungsstörungen oder Beeinträchtigungen beim Sehen oder Hören.

Auch Nicos Zimmerkollegin Nora ist ein Frühchen. Sie wog nicht einmal 1.000 Gramm bei ihrer Geburt und braucht die Wärme des Inkubators. Hier liegt sie nun, "verkabelt" mit dem Überwachungsmonitor, von Licht geschützt, sodass sie das Gefühl hat, noch in Mutters Bauch die Wärme zu fühlen. Ihre Lungen waren bei der Geburt noch nicht völlig ausgereift, daher braucht sie die Unterstützung des Beatmungsgeräts, so lange bis sie gelernt hat, selbstständig zu atmen. Gleich nach der Geburt erhielt sie eine Nahrungssonde, auch das Trinken muss sie erst lernen.

Baby bekommt alles, was es braucht

Kinder wie Nico und Nora haben heute alle Chancen, sich gut zu entwickeln und sich bereits nach einigen Wochen der Kräftigung an die mütterliche Brust oder die väterliche Haut schmiegen zu können. Eine Frühgeburt kann auf normalem Wege erfolgen, wird jedoch häufig per Kaiserschnitt durchgeführt, um das unreife Kind nicht zu gefährden. Das Baby wird erstversorgt und der Kinderarzt entscheidet, ob unterstützende medizinische Maßnahmen erforderlich sind. Kleine Frühgeborene müssen oft über eine Magensonde ernährt werden, um möglichst rasch zu Kräften zu kommen. Ist das Baby nach einigen Wochen gestärkt, ist es für die Eltern ein unvergessliches Erlebnis, wenn es eigenständig trinkt, an Gewicht zugelegt hat und vielleicht auch bald nach Hause entlassen wird.

Ursachen und Anzeichen einer Frühgeburt

Eine Frühgeburt kann verschiedene Gründe haben: eine mütterliche Infektion, Schwangerschaftsprobleme (z.B. Präeklampsie), Fehlbildungen oder Operationen an der Gebärmutter, aber auch Rauchen oder Stress sind mögliche Ursachen. In der Hälfte aller Fälle gibt es aber keine nachweisbare Ursache für die verkürzte Schwangerschaft.

Eine Frühgeburt kann sich durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen. So etwa sind Blutungen, wehenähnliche Krämpfe, Ausfluss oder Blasensprung Alarmzeichen, um schnellstens das nächste Krankenhaus aufzusuchen. Basierend auf diesen Symptomen wird der Arzt eine Behandlung einleiten - mithilfe des Herz-Wehenschreibers (CTG) kann er den Gesundheitszustand des Kindes beurteilen. Ultraschall, um die Lage und den Zustand des Kindes festzustellen, sowie eine gynäkologische Untersuchung, um die Öffnung des Muttermundes zu beurteilen bzw. um Infektionen auszuschließen, sind weitere erforderliche Untersuchungen.

Arzt entscheidet, ob Geburt verzögert werden kann

In weiterer Folge entscheidet der Arzt, ob mithilfe eines Wehenhemmers die Geburt verzögert werden kann. Vor der 35. Woche werden der Mutter Glucocorticoide verabreicht, sie tragen zur Reifung der kindlichen Lungen bei. Für Nicos Mutter war die Geburt zwar überraschend, verlief jedoch trotz des "Frühstarts" ihres Sohnes ohne Komplikationen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof. Dr., MSc

René Wenzl

Facharzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde

Leiter des zertifizierten Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Wien, Universitätsklinik für Frauenheilkunde

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Quellen

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