Der erste Besuch eines Mädchens beim Frauenarzt

Der erste Besuch eines Mädchens beim Frauenarzt: gynäkologischer Stuhl
Der Frauenarzt kann Dir alle Fragen zu verschiedenen Verhütungsmethoden beantworten oder Dir helfen, wenn du glaubst, schwanger zu sein. (Dmitry Vereshchagin - Fotolia.com)

Der erste Besuch beim Frauenarzt ist für die allermeisten Mädchen ein aufregendes Ereignis. Die Vorstellung, dass eine fremde Person sie an ihren intimsten Körperzonen berührt, beunruhigt. Indem sich Mädchen vor dem ersten Gynäkologentermin informieren, was da auf sie zukommt, können sie sich selbst beruhigen.

Deshalb erfährst du in diesem Artikel alles, was beim ersten Frauenarztbesuch passiert. Zudem sagen wir dir, wann Du wirklich zum Frauenarzt gehen musst und wie du den richtigen Arzt für dich findest. Vielleicht ist es dir lieber, wenn eine Frau dich untersucht. Es gibt viele Frauenärztinnen; du kannst frei wählen, zu wem du gehen magst. Dich kann auch jemand begleiten, z.B. deine Mutter, deine beste Freundin oder dein Freund. Sei dir sicher: Es ist gar nicht so schlimm. Schließlich geht jede Frau zum Frauenarzt - und du wirst jetzt halt langsam zur Frau. Schon bald wird dieser Termin auch für dich ein ganz normaler Arztbesuch sein.

Was geschieht beim ersten Frauenarzt-Besuch?

Wie bei den meisten anderen Ärzten auch, wird der Gynäkologe als erstes ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit dir führen. In dem Gespräch kannst du den Arzt kennenlernen und ihm zu allen körperlichen und seelischen "Mädchenproblemen" Fragen stellen. Du wirst dabei sicher Scham empfinden, aber eigentlich brauchst du das nicht. Denk daran: Der Job eines Gynäkologen ist auch, über intimes zu sprechen; er macht das jeden Tag. Nutze die Chance, mal mit einem Experten über Dinge zu sprechen, die dich speziell als Mädchen bewegen und interessieren. Der Frauenarzt kann dir z.B. alle Fragen zu verschiedenen Verhütungsmethoden beantworten oder Dir helfen, wenn Du glaubst schwanger zu sein.

Auch der Arzt wird einiges von dir wissen wollen: Er wird dir Fragen zu deiner körperlichen Entwicklung und deinen ggf. bestehenden Beschwerden stellen, ob und wann deine Periode schon eingesetzt hat und wann der erste Tag der letzten Blutung war. Darum solltest du dir deine Blutungen immer notieren. Auch wird er wissen wollen, ob du schon einmal mit einem Jungen geschlafen hast. All solche Fragen solltest du versuchen, ohne Scham zu beantworten. Ehrlichkeit ist wichtig, damit du die beste medizinische Betreuung erhältst. Es wird auch niemand erfahren, was ihr unter vier Augen besprochen habt - selbst deine Eltern nicht. Der Arzt steht unter Schweigepflicht! Nur du kannst ihn davon entbinden und ihn z.B. bitten, das Gespräch in Anwesenheit deiner Begleitperson zu führen, falls du lieber jemanden zum ersten Gynäkologentermin mitnimmst.

Nach dem Anfangsgespräch kann die gynäkologische Untersuchung beginnen. Es muss aber nicht sein! Wenn du Hemmungen hast oder dir der Arzt im Gespräch nicht sympathisch war, kannst du ihm sagen, dass du Bedenkzeit brauchst und dann ggf. einen neuen Termin zur Untersuchung ausmachst. Du kannst ihn auch bitten, dir seine Instrumente erstmal genau angucken zu dürfen.

Was passiert bei der gynäkologischen Untersuchung?

Entschließt du dich zur körperlichen Untersuchung, wird dich der Arzt bitten, dich unten herum frei zu machen. Dann wirst du auf dem gynäkologischen Stuhl Platz nehmen, der rechts und links zwei "Flügel" hat, um dort die Beine abzulegen. Auch wenn diese gespreizte Haltung sehr ungewohnt ist, solltest du versuchen, die Beine bequem abzulegen und dich zu entspannen. Falls du Angst hast, bitte den Arzt jeden Untersuchungsschritt anzukündigen und zu erklären. In der Regel wird er dies aber - gerade bei den ersten Besuchen beim Frauenarzt - ganz von selbst tun. Auch bei der körperlichen Untersuchung kann deine Begleitperson dabei sein oder währenddessen im Wartezimmer bleiben.

Versuche dich bei der Untersuchung zu entspannen. Das geht mit leerer Blase leichter, also gehe während der Wartezeit am besten nochmal auf die Toilette. Je angespannter du bist, desto verkrampfter wird auch dein Intimbereich sein. Dann kann der Arzt dich schlechter untersuchen. Wenn Du unten rum locker lässt - z.B. indem Du den Popo tief auf den Stuhl sinken lässt, tief und langsam atmest und an etwas Schönes denkst -, ist die Untersuchung der Scheide und der besonderen Organe in Deinem Unterleib nicht schmerzhaft. Es kann sich nur etwas unangenehm anfühlen, wenn der Arzt bei der Standarduntersuchung über deine Scheide die inneren weiblichen Organe untersucht.

Folgende Untersuchungsschritte wird der Frauenarzt beim ersten Besuch wahrscheinlich bei Dir durchführen:

Spekulum-Untersuchung

Der Name dieser Untersuchung leitet sich von den Instrumenten ab, die der Arzt dafür verwendet: Er schiebt vorsichtig eine Art metallenen Löffel (Spekulum) in die Scheide ein. Ein zweites Spekulum schiebt er dann vorsichtig gegenüber des ersten und öffnet dann mit den beiden Spekula leicht die Scheide. Dadurch hat er freie Sicht auf den Muttermund, das unterste Ende der Gebärmutter. Eventuell nimmt er mit einem Wattestäbchen oder Spatel eine Zellprobe (Abstrich). Davon merkst du fast nichts.

Das Sekret aus der Scheide kann der Arzt unter dem Mikroskop sofort auf Bakterien untersuchen, den Zellabstrich (auch PAP-Abstrich genannt, über den Zellveränderungen oder Krebsvorstufen frühzeitig erkannt werden können) muss er an ein Speziallabor weiterschicken. Der Befund sollte innerhalb einer Woche beim Frauenarzt vorliegen.

Falls du noch Jungfrau bist, brauchst du übrigens keine Angst zu haben, dass während dieser Untersuchung womöglich dein Jungfernhäutchen verletzt wird! Dem Arzt stehen auch sehr kleine Instrumente zur Verfügung, mit denen er dich dann untersuchen wird.

Abtastuntersuchung

Ist die Spekulum-Untersuchung geschafft, wird der Arzt noch eine Tastuntersuchung durchführen: Er führt einen oder zwei Finger vorsichtig in die Scheide ein und drückt von außen auf die Bauchdecke. So kann er die Lage und ggf. Veränderungen der Gebärmutter und der Eierstöcke überprüfen und u.a. erkennen, ob bestimmte Krankheiten oder eine Schwangerschaft vorliegen.

Ultraschalluntersuchung

Zur weiteren Abklärung des Tastbefundes, kann der Arzt auf den Ultraschall zurückgreifen. Durch den Ultraschall kann er die Struktur der Gebärmutter, die Schleimhaut, die Zyklusphase, die Eierstöcke und Blase sowie den Bauchraum als auch eine Schwangerschaft auf einem Monitor sichtbar machen. Darauf kannst auch du selbst, deine inneren Organe einmal sehen. Das ist doch echt interessant, oder? Die Ultraschalluntersuchung erfolgt durch die Scheide oder von außen durch die Bauchdecke. Sie ist schmerzfrei und risikolos.

Brustuntersuchung

Ist der Untersuchungspart auf dem gynäkologischen Stuhl abgeschlossen, kannst du dich unten herum wieder anziehen und dich dann oben herum entkleiden. Du wirst also nie ganz nackt vor dem Arzt stehen! Bei der Brustuntersuchung tastet der Frauenarzt dann deine Brust und die Achselhöhlen nach Veränderungen ab. In Ausnahmefällen wird er auch die Brust mit dem Ultraschall beurteilen wollen (Mammasonographie). Auch diese Ultraschalluntersuchung ist schmerzfrei und risikolos.

Deine Brust solltest Du übrigens auch immer selbst abtasten; am besten nach der Periode, dann ist sie auch schmerzunempfindlich. Sollten dir dabei irgendwelche Veränderungen auffallen, berichte das einem Frauenarzt!

Befund-Besprechung

Nach den Untersuchungen - manchmal auch währenddessen - wird der Arzt seine Befunde mit dir besprechen. Je nachdem, ob der Arzt irgend etwas Auffälliges entdeckt hat, wird er zudem notwendige Therapie für dich erörtern. Auch du kannst noch mal ansprechen, was du wissen möchtest oder falls du etwas nicht verstanden hast. Und dann ist der erste Besuch beim Frauenarzt auch schon wieder vorbei und du wirst dich vielleicht fragen, warum du dich vorab eventuell davor gefürchtet hast.

Wann sollten Mädchen das erste Mal zum Frauenarzt?

Für den ersten Besuch beim Gynäkologen gibt eigentlich kein vorgeschriebenes oder ideales Alter. Viele Frauenärzte raten jedoch, dass sich jedes Mädchen spätestens ab seinem 16. Geburtstag das erste Mal bei einem Gynäkologen vorstellt, um ihre Gesundheit zu überprüfen und über eventuelle Fragen zur Verhütung zu sprechen. Andere Ärzte raten zum Besuch, wenn die ersten Periodenblutung stattgefunden hat.

Übrigens sollte man einen Termin immer in der blutungsfreien Zeit ausmachen. Sonst kann die Blutung das Ergebnis des Abstrichs verfälschen. Außerdem wirst auch du dich während der Untersuchung besser fühlen, wenn du dabei nicht blutest, sondern frisch gewaschen bist.

Wann muss ein Mädchen zum Frauenarzt gehen?

Auf jeden Fall einen Frauenarzt aufsuchen, sollten Mädchen, wenn:

  • Infektionen oder Probleme im Bereich der äußeren Geschlechtsteile auftreten. Dann sollten schon kleine Mädchen einen Frauenarzt aufsuchen.
  • ein Juckreiz im Scheidenbereich oder ein ungewöhnlicher Ausfluß auftritt, der z.B. komisch riecht. Dann sollte jeder Teenager und jede Frau einen Termin beim Gynäkologen vereinbaren! Dasselbe gilt bei Schmerzen im Unterbauch.
  • Probleme mit der Periode auftreten, etwa starke Regelschmerzen, unregelmäßige Blutungen oder die Regel bis zum 16. Geburtstag noch nicht eingesetzt hat
  • sie Veränderungen, z.B. einen kleinen Knoten, beim monatlichen Selbst-Abtasten der Brust entdeckt
  • ein Mädchen sich über Verhütungsmittel informieren will oder ein Verhütungsmittel braucht
  • ein Mädchen befürchtet schwanger zu sein oder "die Pille danach" braucht

Wie finde ich den richtigen Arzt?

Grundsätzlich solltest du dir erstmal überlegen, ob du lieber zu einer Ärztin oder zu einem Arzt gehen magst. Die meisten Mädchen fragen ihre Mutter oder in ihrem Freundeskreis, welcher Frauenarzt empfehlenswert ist. Viele Frauenärzte bieten für junge Mädchen auch spezielle Sprechstunden für den ersten Termin an, in denen sie sich extra viel Zeit für die neue Patientin nehmen können und auf ihre Unsicherheit und eventuelle Ängste speziell eingehen können. Manche nennen diese Spezial-Termine "Mädchensprechstunden", andere "Teenagersprechstunden" oder "First Love Beratung". Wie eingangs schon gesagt, kannst du auch mehrere Frauenärzte "ausprobieren" oder die gynäkologische Untersuchung verweigern, wenn dir ein Arzt im Gespräch nicht zusagt. Höre auf deinen Bauch: das wichtigste ist, dass du dich in guten Händen fühlst und ein Vertrauensverhältnis zum Gynäkologen aufbaust. Denn der Frauenarzt wird dich von jetzt an Dein ganzes Leben als Frau begleiten.

Weiterführende Informationen

  • Autor
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Medizinischer Experte

Dr. Ilona Rost

Frauenheilkunde und Geburtshilfe / Allgemeinmedizin, Mödling

Gesundheitskompass Website

Quellen

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