Sport bei Rheuma

Bei Rheuma ist eine Sportart wie radfahren gut geeignet, da sie gelenkschonend ist. 2 Pensionisten fahren im Frühsommer mit ihren Rädern im Wald.
Radfahren ist eine gelenkschonende Sportart und daher bei allen Arten von Rheuma gut geeignet. (Kzenon - Fotolia.com)

In Bewegung bleiben ist für alle Menschen unerlässlich, um fit und vital zu bleiben. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie entzündlichem Rheuma, ist Bewegung eine wesentliche Säule der Therapie. Fit trotz Rheuma: Heilgymnastik, Ergotherapie, Physiotherapie und Sport sind ein wichtiger Teil des Behandlungsplanes.

Regelmäßige Bewegung mit gelenkschonenden Sportarten, wie Schwimmen oder Nordic Walking, fördert die Beweglichkeit der Gelenke, stärkt die Muskulatur und hilft Schmerzen zu vermindern. Da die Krankheit mit besseren und schlechteren Phasen verläuft, ist es wichtig zu betonen, dass in angepasster Weise ständig, also nicht nur in der schmerzfreien Zeit, trainiert wird, z.B. mit Übungen der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Viele Betroffene einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung (wie z.B. Arthritis) haben Schmerzen und sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Schon- und Fehlhaltungen entstehen, was wiederum dazu führt, dass man sich weniger bewegt. Die Folgen sind eine Verringerung der Muskelmasse, die Sehnen verkürzen sich, das Herz-Kreislauf-System arbeitet nur eingeschränkt und man gerät schneller außer Atem und schließlich wird die Lebenserwartung reduziert. Sport leistet dem Körper bei rheumatischen Erkrankungen - auch bei Gelenksabnützungen wie der Arthrose wichtige Dienste - nicht nur bei der Beweglichkeit der Gelenke:

  • Gelenke: Da der Gelenkknorpel selbst nicht durchblutet wird, sorgt regelmäßige Bewegung für einen besseren Stoffwechsel, der Knorpel wird besser mit Nährstoffen versorgt (Sport bei Arthrose)
  • Muskulatur: Instabile, schmerzhafte Gelenke profitieren von einer gestärkten Muskulatur, da sie Belastung und Druck auf die Gelenke reduziert und so den erkrankten Bereich schützt.
  • Immunsystem: Regelmäßige, moderate körperliche Aktivität stärkt das Immunsystem und wirkt entzündungshemmend.
  • Herz-Kreislauf-System: Regelmäßige Bewegung verbessert die Sauerstoffaufnahme, was zu einer Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems führt. Fitness ist ein wesentlicher Faktor, Herz-Kreislauferkrankungen, die zu den wesentlichen Risiken bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen gehören, vorzubeugen.
  • Körpergewicht: Sportliche Aktivitäten helfen beim Abbau von Übergewicht und entlasten damit die Gelenke.

Der Trainingseinstieg

Liegt das letzte Training längere Zeit zurück oder wird selten Sport betrieben, sind ärztliche Beratung und ein langsamer Einstieg wichtig. Ausgedehnte Spaziergänge, Schwimmen, Radfahren oder Gymnastik eignen sich daher zu Beginn - und das ganze Jahr über. Die ärztliche Untersuchung ermöglicht es, die eigene Leistungsfähigkeit und mögliche Ausschlussgründe zu erheben und therapeutische Ziele zu setzen.

Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel zumutet und die Latte zu hoch legt, sondern realistische Ziele setzt. Wärme- oder Kältekompressen, Salben, Fango-Kuren oder Massagen und Physiotherapie helfen in der Akutsituation, Schmerzen zu lindern, solange man die Gelenke noch nicht vollständig belasten kann.  

Eine Überlegung wert ist es auch, Bewegungsabläufe zuerst unter Anleitung eines fachkundigen Trainers, Ergo- oder Physiotherapeuten zu erlernen. So können Fehlhaltungen vermieden und Bewegungen richtig erlernt werden.

Richtig trainieren

Je nachdem, welches Ziel erreicht werden soll - Ausdauer steigern, Abnehmen, Muskelaufbau, Kraftaufbau - ein Trainingsplan dient als Leitfaden für jede sportliche Aktivität und sollte individuell an die eigenen Bedürfnisse und die Leistungsfähigkeit angepasst werden.

Folgende Sportarten sind bei rheumatischen Erkrankungen geeignet, da sie die Gelenke schonen, Muskulatur aufbauen und das Herz-Kreislauf-System trainieren oder Gewicht abbauen:

  • Schwimmen
  • Wassergymnastik
  • Nordic Walking
  • Radfahren
  • Ergometertraining
  • Langlaufen
  • Wandern
  • Gymnastik
  • Spazieren Gehen
  • Yoga
  • Krankengymnastik
  • Krafttraining
  • Rudern
  • Reiten
  • Laufen

Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko und abrupten Bewegungsmanövern sind bei rheumatischen Erkrankungen nicht unbedingt empfehlenswert (Ausnahme: der Sport wurde vor Beginn der Erkrankung in ausreichendem Maße beherrscht):

  • Tennis, Squash
  • Ballspiele wie Fußball, Volleyball etc.
  • Skifahren
  • Kampfsportarten

Die Basis eines jeden Trainings ist das Aufwärmen: Dabei passt sich das Herz-Kreislauf-System an die kommende Belastung an, der Stoffwechsel im gesamten Körper wird angeregt und die Muskulatur wird besser durchblutet. Um die positiven Effekte einer sportlichen Tätigkeit auszuschöpfen, sollte ein regelmäßiges Ausdauertraining mindestens 3-mal pro Woche und 30 bis 45 Minuten andauern, Krafttraining mindestens einmal, besser 2-mal/Woche stattfinden. Training wirkt wie ein Medikament, daher kommt es auch dabei auf die Dosis an. Nach dem Training ist "Cool down" angesagt: dabei soll der Körper nach der Bewegung durch langsames Auslaufen, Dehnen oder Entspannungsübungen (Muskelentspannung) langsam abkühlen.

Wichtig ist zu wissen, dass die Trainingseffekte nach etwa 6 Wochen Pause wieder verschwinden, das heißt lebenslanges Trainieren ist angesagt.

Ausrüstung für das Training

Die richtige Ausrüstung ist das A und O einer jeden Sportart. Geeignetes Schuhwerk, funktions- und witterungsgerechte Trainingsbekleidung oder das passende Getränk sind neben dem Trainingsplan ausschlaggebend für Erfolg und Spaß beim Training, vermindern aber auch das Verletzungsrisiko.

Gefahren für die Gesundheit

Bei jeder Sportart können Schmerzen, Überwärmung oder Rötungen nach Überlastung auftreten. Sie sollten aber keinesfalls übergangen oder mit Schmerzmitteln unterdrückt werden, da sonst Gelenkschädigungen auftreten können. Kommt es während der sportlichen Tätigkeit zu einer Überwärmung des Gelenks oder zu Schmerzen, sollte das betroffene Gelenk vorerst ruhig gestellt und gekühlt werden. Danach sollten die Beschwerden abgeklärt werden. Meistens kann dann mit geringerer Belastung weitertrainiert werden.

Medizinischer Experte

Prim. Doz.

Dr. Burkhard Leeb

Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung, NÖ Kompetenzzentrum für Rheumatologie, Landesklinikum Weinviertel Stockerau

Gesundheitskompass Website

Quellen

Mehr zum Thema