9 Mythen über Fieberblasen

Fieberblasen Mythen: Fieberblase auf Mund.
Fieberblasen sind nicht nur beim Küssen ansteckend. (Ekaterina - Fotolia.com)

Fieberblasen gelten als lästiges, aber harmloses Übel, das ab und zu willkürlich auftritt und dem man mit Hausmittelchen zu Leibe rücken kann. Doch das stimmt so nicht. Über Fieberblasen kursieren viele Mythen, die den Heilungsprozess verlangsamen können. 9 Mythen, sowie Tipps, besser mit Fieberblasen umzugehen, stellen wir hier vor.

Fieberblasen sind das äußerliche Zeichen einer Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus. Mit diesem Virus sind etwa 80 - 90 % aller Österreicher infiziert, doch bei vielen Menschen verläuft die Erkrankung symptomfrei. So kommt es nie zu einem Ausbruch durch die typischen Bläschen auf der Lippe - wobei das nicht der einzige Ort ist, an dem sich das Virus sichtbar machen kann. Falls es zu einem Ausbruch kommt, stehen einige hilfreiche Therapieformen zur Verfügung, während andere die Erkrankung sogar noch schlimmer machen können. Zudem gibt es Tricks, mit denen Sie einem erneuten Ausbruch vorbeugen können.

Mythos 1: Fieberblasen gibt es nur auf den Lippen

Fieberblasen liegt eine Erkrankung mit dem Herpes-Simplex-Virus (HSV) zugrunde, meist HSV-1 (Herpes simplex labialis). Besonders einfach bricht es aufgrund der Hautstruktur auf den Lippen aus, eine Übertragung auf andere Körperteile ist aber auch möglich. Gerade in den Augen kann das gefährlich werden, da das Virus die Hornhaut befallen kann. Im schlimmsten Fall könnte das zu Erblindung führen. Deshalb sollte man sich nach dem Berühren der Lippen bei einem akuten Ausbruch unbedingt die Hände waschen (etwa nach dem Auftragen einer Salbe).

Der HSV-2-Virus (Herpes simplex genitalis), der zur selben Familie der Herpes-Viren gehört, wird dahingegen meist durch Sexualkontakt übertragen und ist häufiger in und um Geschlechtsorgane zu finden. Da sich die Viren jedoch sehr ähnlich sind, kann auch eine HSV-1 Infektion auf Geschlechtsorganen auftreten, und umgekehrt. Während HSV-2 oft mit einem gesellschaftlichen Stigma behaftet ist, sind sich die Viren in Wahrheit sehr ähnlich, und das gilt auch für ihre Übertragungswege. HSV-1 kann z.B. durch Oralsex von den Lippen auf die Geschlechtsorgane übertragen werden.

Mythos 2: Nur Küssen ist ansteckend

Der Herpes-Simplex-Virus kann auch durch Schmierinfektionen weitergegen werden, z.B. durch Benützung des gleichen Geschirrs. Bei einem akuten Ausbruch ist man besonders ansteckend, aber auch sonst ist eine Infektion anderer möglich. Zudem können beide HSV-Viren durch jeglichen direkten Kontakt, also auch beim ungeschützten (!) Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Mythos 3: Fieberblasen sind nur störend, nicht gefährlich

Für die meisten Menschen trifft das zu. Doch es gibt Bevölkerungsgruppen, bei denen eine Ansteckung mit dem Herpes-Simplex-Virus schwerwiegende Folgen haben könnte. Das sind vor allem Babys und Kleinkinder, sowie Menschen mit einer verminderten Immunabwehr, etwa HIV-Infizierte. Eine akute Herpes-Infektion im Geschlechtsbereich während der Geburt kann zudem zu schweren Folgeschäden bei Neugeborenen führen. Um sein Umfeld zu schützen, sollte man also eine Übertragung so gut wie möglich vermeiden, und während der Schwangerschaft mit einem Arzt mögliche Risiken besprechen.

Mythos 4: Man muss warten, bis Fieberblasen von alleine abheilen

Bei gesunden Menschen schafft es der Körper nach etwa 10 Tagen, das Virus so weit zu bekämpfen, dass Fieberblasen abheilen können. Der Prozess kann jedoch beschleunigt werden, indem man eine Fieberblasensalbe aus der Apotheke verwendet, die antivirale Wirkstoffe enthält. Bei sehr heftigen Ausbrüchen ist auch ein Virusmittel in Tablettenform eine Möglichkeit.

Mythos 5: Hausmittel sind das Beste gegen Fieberblasen

Das Einreiben mit Zahnpasta, frisch geriebenem Pfeffer oder Alkohol hat sich in klinischen Studien nicht als wirksam erwiesen. Im Gegenteil: Ebenso wie durch das Aufstechen der Fieberblase kann eine Verbreitung auf andere Körperstellen oder eine Ansteckung anderer begünstigt werden. Daher bei einer Infektion lieber zu einer Salbe aus der Apotheke greifen oder mit einem Arzt über andere Therapieformen sprechen.

Mythos 6: Man kann einen Ausbruch nicht vorbeugen

Manchmal scheint es, als seien wiederholte Fieberblasen-Ausbrüche einfach ein unvermeidbares Übel. Dabei gibt es bestimmte Auslöser, die gezielt beobachtet und dann vermieden werden können. So kommt es häufig zu einem Ausbruch, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Wenn es gezielt gestärkt wird, z.B. durch Sport , geht die Häufigkeit der Ausbrüche zurück. Viele Menschen bekommen auch einen Ausbruch, wenn sie länger UV-Strahlen ausgesetzt waren. Dies kann durch angemessenen Umgang mit der Sonne vermieden werden. Auch negativer Stress kann das Immunsystem belasten und somit einen Ausbruch fördern. Stressreduktion und -management kann hier Abhilfe schaffen.

Mythos 7: Fieberblasen sind heilbar

Da Fieberblasen eine hartnäckige Viruserkrankung zugrunde liegt, sind sie nicht heilbar. Auch, wenn kein akuter Anfall auftritt, bleibt der Herpes-Simplex-Virus im Körper vorhanden. Jedoch kann man darauf hoffen, dass Ausbrüche mit höherem Alter seltener werden. Das ist häufig der Fall und trifft sowohl auf Herpes simplex labialis, als auch auf Herpes simplex genitalis zu.

Mythos 8: Manche Menschen sind immun

Eine absolute Immunität gegen den Herpes-Simplex-Virus gibt es nicht. Wer jedoch bereits mit dem HSV1-Virus erkrankt ist, hat ein leicht geringeres Risiko, sich mit HSV2 zu infizieren.

Mythos 9: Bestimmte Nahrungsmittel beugen Fieberblasen vor

Das Essen sich auf die Wiederentstehung von Fieberblasen auswirken kann, ist nur teilweise ein Mythos. Zwar gibt es nicht das eine Lebensmittel, das gegen Fieberblasen ankämpft oder sie gar vermeidet - wer also zu Fisch oder Nusscreme greifen wollte, kann sich das sparen. Da aber ein Herpes-Ausbruch durch ein schwaches Immunsystem begünstigt werden kann, helfen alle Lebensmittel, die das Immunsystem stärken. Dazu zählen z.B. vitaminreiche Nahrungsmittel wie Gemüse, Obst und eiweißhältige Nährstoffe.

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Ichiro Okamoto

Hautarzt

www.hautarztokamoto.at

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Quellen

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