Fettleber: Folgen der Wohlstandserkrankung

Fettleber: Folgen der Wohlstandserkrankung: Frau verschlingt Torte
Bei der Fettleber wird Fett in Leberzellen eingelagert, die Hauptursache dafür liegt vor allem am Überschuss von Zucker und Kalorien. (vgstudio - Fotolia.com)

Übergewicht macht auch der Leber zu schaffen, 4 von 10 Erwachsenen entwickeln eine nicht-alkoholische Fettleber. Leberzirrhose ist längst nicht mehr nur eine Gefahr für Menschen, die alkoholsüchtig sind.

Sondern auch für jene, die aufgrund von Übergewicht (Adipositas) bzw. Diabetes Typ 2 eine Fettlebererkrankung entwickeln. "Bereits mehr als 40 % der Bevölkerung sind an einer nicht-alkoholischen Fettleber erkrankt, damit steigt auch das Risiko für Leberentzündung, Leberzirrhose oder Leberkrebs", bezifferte Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Medizinischen Universität Wien, das Ausmaß des Problems kürzlich auf dem Ernährungskongress des Verbandes der Diaetologen Österreichs in Wien. Auch die Wahrscheinlichkeit, vorzeitig an Darmkrebs, Herz-Kreislauferkrankungen oder einer Leberzirrhose zu sterben, ist bei einer Fettleber drastisch erhöht.

Risiko: Übergewicht und Diabetes

Die Leber spielt eine zentrale Rolle als "Stoffwechselfabrik". Sie baut Nahrungsbestandteile ab und körpereigene Stoffe auf, bereitet schädliche Substanzen für die Ausscheidung auf, speichert Glucose, Vitamine und Spurenelemente. "Die nicht-alkoholische Fettleber ist in erster Linie mit Übergewicht, dem metabolischen Syndrom und Diabetes assoziiert", erläuterte der Gastroenterologe Dr. Trauner. Als metabolisches Syndrom wird das Vorliegen von

  • bauchbetonter Fettleibigkeit,
  • Störungen des Glucosestoffwechsels bis hin zu Diabetes Typ 2,
  • Störungen des Fettstoffwechsels mit u.a. erhöhtem LDL- und zu niedrigem HDL-Cholesterin sowie
  • Bluthochdruck

bezeichnet.

Bei der Fettleber wird Fett in Leberzellen eingelagert, die Hauptursache dafür liegt nicht nur im Verzehr von fetten Speisen, sondern vor allem am Überschuss von Zucker und Kalorien. Professor Michael Trauner: "Zucker wird in der Leber in Fett umgewandelt, wobei hier vor allem industriell gefertigter Fruchtzucker heimtückisch ist und sowohl die Fettbildung in der Leber als auch die Durchlässigkeit des Darms für bakterielle Toxine fördert." Auch genetische Faktoren und Veränderungen in der Darmflora spielen eine gewisse Rolle.

Diät und Medikamente

"Ein Patient mit nicht alkoholischer Fettleber muss seine Ernährungsgewohnheiten massiv ändern und dies gelingt nicht von heute auf morgen. Es muss eine sorgfältige, gut geplante, schrittweise Umstellung der Ernährung am besten mit diätologischer Begleitung erfolgen, damit sie auch langfristig beibehalten werden kann", betonte die Präsidentin des Verbandes der Diaetologen Österreichs, Prof. Andrea Hofbauer auf dem Kongress.

Die heute zur Verfügung stehenden Medikamente weisen ein gewisses Defizit auf, da sie nicht im Zentrum des Geschehens angreifen. Die Arbeitsgruppe um Prof. Trauner forscht daher an einem völlig neuen Ansatz, nämlich der Nutzung von Gallensäuren als Medikament. Dr. Trauner: "Gallensäuren dienen nicht nur der Fettverdauung, sondern haben auch hormonähnliche Wirkungen, die an der Regulation des Fett- und Glukosestoffwechsels in der Leber beteiligt sind." Damit beeinflussen Gallensäuren auch die Entwicklung und den Verlauf von so verbreiteten Erkrankungen wie eben der Fettleber, aber auch Arteriosklerose und Diabetes. Um Gallensäuren gezielt und wirksam als Medikament einsetzbar zu machen, werden sie von den Wiener Forschern verändert und in Rahmen von klinischen Studien bereits getestet.

Diagnose und Therapiekontrolle der Fettleber sind besonders aufwändig, da dazu Leberbiopsien notwendig sind. An der Medizinischen Universität Wien wurde nun ein neues Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe die Gewebsentnahmen aus der Leber entfallen könnten. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Radiologie haben Professor Trauner und seine Kollegen zeigen können, dass eine Fettleber mit einem neuen Kontrastmittel und einer sogenannten funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) exakt und ohne invasiven Eingriff (Leberbiopsie) diagnostiziert werden kann.

Quellen

  • Pressekonferenz: 31. Ernährungskongress „Gastro-Entero-Hepatologische Ernährungsturbulenzen“. Diätologie auf neuen Wegen in Wien am 27.03.2014

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