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Experte: Angelina Jolies Entscheidung sinnvoll und vernünftig

Frau mit OP-Narbe
Präsident der Österreichischen Krebshilfe begrüßt Angelina Jolies Entscheidung. (Cara-Foto - Fotolia.com)

Angelina Jolie ließ letzte Woche ihre Eierstöcke und Eileiter vorbeugend entfernen. Eine "sinnvolle und vernünftige" Entscheidung, findet Prim. Univ. Prof. Dr. Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe im Gespräch mit gesund.at.

Vor 2 Jahren hat sich die Schauspielerin, Regisseurin und UN-Botschafterin zu einer Entfernung beider Brüste entschieden. Nun hat sie die 2. Operation durchführen lassen. Der Grund: Nach einem Gentest hatte sie Angst, wie ihre Mutter an Eierstockkrebs zu sterben. Durch ihre öffentlichkeitswirksam Brust-OP wurde der sogenannte "Jolie-Effekt" ausgelöst: Viele Frauen haben sich seither für einen Gentest und, falls nötig, anschließende Operationen entschieden. Prof. Sevelda lobt Jolies Weg: Ihr offener Umgang mit dem Thema mache anderen betroffenen Frauen Mut, denselben Weg zu gehen. 

Eierstockkrebs häufig lange unerkannt

Bei Jolie wurde eines von 2 "Krebs-Genen" im Blut gefunden: Das sogenannte BRCA1. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, auf fast 90 %. Auch eine Eierstockkrebserkrankung ist möglich, hier liegt das Risiko bei etwa 25 - 40 %. Eine Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter ist laut Prof. Sevelda dennoch sinnvoll.

Im Gegensatz zu Brustkrebs besteht bei Eierstockkrebs keine zuverlässige Methode der Früherkennung. Eine Erkrankung würde häufig erst entdeckt werden, wenn sie bereits fortgeschritten ist. Durch eine vorbeugende Operation, ließe sich das Krebs-Risiko auf unter 1 % senken. Die Entfernung erfolgt durch einen vergleichsweise kleinen Eingriff über die Bauchdecke.

Wie bereits bei ihrer Brustentfernung vor 2 Jahren, veröffentlichte Jolie auch diesmal einen Artikel über ihre Entscheidung in der New York Times. Darin berichtet sie über ihre Erfahrung mit der Operation und erklärt, warum es ihr wichtig ist, sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern.

Frühzeitige Menopause durch Eierstock-OP

Durch das Herausnehmen der Eierstöcke setzt die Menopause frühzeitig ein. Jolie ist 39 Jahre alt, hat ihren Kinderwunsch aber bereits erfüllt. Prof. Sevelda empfiehlt die Operation zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist. Symptome der vorzeitigen Menopause könnten sich anschließend durch pflanzliche oder homöopathische Mittel gut behandeln lassen. Bei einer Hormonersatztherapie müssten Risiken abgewogen werden, aber für manche Frauen stellt auch sie eine gute Möglichkeit dar.

Operation nur für Risiko-Gruppe sinnvoll

Der "Jolie-Effekt" ermutigt Frauen mit dem BRCA1- oder BRCA2-Gen, vorbeugend für ihre Gesundheit zu sorgen. Prof. Sevelda betont aber, dass nur eine kleine Gruppe tatsächlich dieses Gen in sich trägt. Ein genetischer Test mit anschließender Operation sei nur sinnvoll, wenn bereits mehrere Brust- oder Eierstockkrebsfälle in der Familie bekannt seien. In Österreich gibt es über 50 Beratungsstellen, die auf die Begleitung Betroffener und deren Angehörige spezialisiert sind. Auch das Recht auf bewusstes "Nicht-wissen-wollen" müsse respektiert werden, so Prof. Sevelda. Das findet auch Jolie: "Es ist das Wichtigste, die Optionen zu kennen und eine Entscheidung zu treffen, die für dich persönlich richtig ist.", so die Schauspielerin in ihrem aktuellen Artikel der New York Times.

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Paul Sevelda

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhaus Hietzing, Wien

Gesundheitskompass

Quellen

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