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Das wollen Menschen mit einer Essstörung nicht hören

Mädchen hält sich die Ohren zu
Die richtige Kommunikation kann Menschen mit Essstörungen helfen. (tunedin - Fotolia.com)

Menschen mit Essstörungen brauchen viel Unterstützung und Verständnis von ihrer Familie und ihren Freunden. Leider passieren in der Kommunikation aber auch häufig unbeabsichtigt Fehler. Was Sie lieber nicht zu Betroffenen sagen sollten.

Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) sind für Nahestehende oft sehr belastend. Im Gegensatz zu anderen psychischen Erkrankungen hinterlassen Essstörungen häufig sichtbare Zeichen am Körper der Betroffenen: Sie wirken dünn, haben Probleme mit der Haut, Haaren oder Zähnen. Wer selbst nie von einer Essstörung betroffen war, kann sich aber teilweise nur schwer hineinversetzten, wie es ist, kaum essen zu können oder sich nach einer Mahlzeit übergeben zu "müssen". Hier sind Kommentare gesammelt, die Erkrankte eher nicht hören wollen.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 1: "Du schaust so dünn aus!"

Beiläufige Kommentare zu Aussehen oder Gewicht sind bei Menschen mit Essstörungen nicht hilfreich. Wenn jemand in kurzer Zeit sehr viel abnimmt, reagiert das Umfeld häufig mit Bemerkungen wie "Du bist so dünn geworden!", die eigentlich besorgt oder gar kritisch gemeint sind. Von Betroffen werden sie aber manchmal als bewundernd aufgefasst, und sie in ihrem Abnehm-Versuch bestärkt. Da das Selbstbild nicht mit dem Fremdbild übereinstimmt, kommt es zu einer Verzerrung der Wahrnehmung, auch der vermeintlichen "Komplimente" anderer.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 2:  "Iss doch einfach mehr!"

Das klingt vielleicht banal, aber wenn Menschen mit Essstörungen ganz einfach normal essen könnten …. hätten sie keine Essstörung. Der Ratschlag, die Essensmengen zu erhöhen, zwischendurch einen Snack zu essen oder sich nach der Mahlzeit "einfach" nicht zu übergeben, ist vielleicht gutgemeint, aber für Betroffene häufig nicht ohne Therapie umsetzbar.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 3: "Schau, ich hab dir was Leckeres gekocht!"

Familie und Freunde von Menschen mit Essstörungen fühlen sich oft hilflos. Deshalb versuchen sie verzweifelt, aktiv Schritte zu setzen, um Angehörige von deren Krankheit zu "befreien". Da passiert es leicht, dass sie ihnen ihr Lieblingsessen anbieten oder Naschereien mitbringen. Das kann aber zu einer Überforderung mit der Situation führen, welche die Essstörung im schlimmsten Fall sogar noch verstärkt. Essen sollte nie aufgedrängt werden!

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 4: "Das ist doch normal"

Manchmal möchte sich das Umfeld nicht eingestehen, dass eine ernstzunehmende psychische Störung vorliegt. Es reagiert deshalb mit Behauptungen wie "so viele Mädchen sind heutzutage so dünn", oder "das gibt sich sicher mit zunehmendem Alter von alleine". Eine derartige Normalisierung der Erkrankung ist nicht hilfreich und ermöglicht Betroffenen, sich der Realität ihrer Erkrankung zu entziehen.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 5: "In einem Ratgeber habe ich gelesen, dass…"

Natürlich sollten sich nahe Angehörige von Erkrankten gut über die Essstörung informieren. Anschließend dem Betroffenen stolz zu erzählen, was man im Ratgeber erfahren hat, bringt aber nichts. Das sollte lieber einem geschulten Therapeuten oder Arzt überlassen werden.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 6:  "Wie kannst du das nur machen?"

Außenstehende können sich häufig nicht vorstellen, wie man freiwillig hungern oder sich mehrmals täglich übergeben kann und reagieren mit Unverständnis oder sogar Ekel. Jemand, der ohnehin schon mit dem Körperbild kämpft, kann es aber absolut nicht brauchen, wenn Freunde oder Familie den eigenen Körper und das Verhalten plötzlich ekelerregend finden. Auch, wenn Sie wirklich so empfinden: Sprechen Sie es nicht aus.

Essstörung-Fehler-Satz Nr. 7: "Zum Glück schaust du jetzt wieder gesünder aus"

Wenn sich Menschen mit einer Essstörung in Therapie begeben und sich ihr Essverhalten (wieder) zu normalisieren beginnt, verändert sich auch ihr Körper. Viele leiden in dieser Anpassungsphase still darunter, auch wenn sie wissen, dass eine Veränderung nötig war. Wenn das Umfeld dann kommentiert, wie "toll" oder "gesund" sie plötzlich aussehen, verstehen sie das oft falsch. Ein "gesundes" Gewicht klingt für Menschen mit einem verzerrten Selbstbild wie "fett" oder "übergewichtig". Besser ist es, Gewichtszunahme und Co. nicht zu kommentieren.

Quellen

  • Ratgeber Magersucht, Informationen für Betroffene und Angehörige, T. Paul, U. Paul, Hochgrefe Verlag, Göttingen, 2008
  • Bulimie und Magersucht, Ratgeber für Eltern, K. Borgstedt, Verlag Ferdinand Schöningh, 1. Auflage, Paderborn, 2013

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