Die 1. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung

Die 1. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung: Schwangere im Wartezimmer
5 Untersuchungen sollten werdende Mamas im Rahmen des Mutter-Kind-Passes absolvieren. (Halfpoint - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kleinkind
Im Mutter-Kind-Pass sind 5 Untersuchungen während der Schwangerschaft vorgesehen. Die 1. Untersuchung muss zwischen der 8. und der 16. Schwangerschaftswoche erfolgen. Was kommt bei dieser 1. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung auf die werdende Mama zu?

Seit der Einführung des Mutter-Kind-Passes 1974 in Österreich ist die Müttersterblichkeit deutlich gesunken. Denn der Mutter-Kind-Pass enthält wichtige Untersuchungen, um einen problemlosen Verlauf der Schwangerschaft sowie die gesunde Entwicklung des Kindes bis zum 62. Lebensmonat sicherzustellen. Der Mutter-Kind-Pass steht jeder werdenden Mutter mit Wohnsitz in Österreich zu - egal, ob sie krankenversichert ist oder nicht. Alle darin aufgeführten Untersuchungen sind kostenfrei. Für den Bezug des vollen Kinderbetreuungsgeldes ist Voraussetzung, dass die Schwangere alle 5 gynäkologischen Untersuchungen im Mutter-Kind-Pass sowie die ersten 5 Untersuchungen des Kindes wahrnimmt.

Wie die werdende Mama zum Mutter-Kind-Pass kommt

Meist bekommen werdende Mütter den Mutter-Kind-Pass von ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen ausgehändigt, wenn die Schwangerschaft dort bestätigt wird. Um fortan der persönliche Begleiter auf dem Weg zur Familie zu sein, werden natürlich erstmal allgemeine Daten eingetragen: Name der Mutter, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer und Kontaktperson der Schwangeren.

Anamnese

Der Arzt erhebt die medizinische Vorgeschichte (Anamnese) der Schwangeren und dokumentiert sie im Mutter-Kind-Pass. Diese Anamnese ist ein ausführliches Gespräch, bei dem der Arzt medizinisch-geburtshilfliche Informationen sammelt. Dazu gehören: Alter, Gewicht, Größe, letzte Regelblutung, vorhergehende Schwangerschaften und Entbindungen inklusive Komplikationen und Fehlgeburten, Operationen, schwere Erkrankungen, Allergien, eingenommene Medikamente sowie Alkohol-, Drogen- und Zigarettenkonsum. Auch die psychosoziale Belastung (z.B. wirtschaftliche Probleme, Beziehungsprobleme) der Schwangeren sowie die familiäre Krankengeschichte - ob innerhalb der Familie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Fehlbildungen, genetische Erkrankungen oder psychische Krankheiten vorliegen - wird erfragt und erfasst. Zudem wird der Blutdruck der werdenden Mutter gemessen. Aus all diesen Daten kann der Arzt folgern, ob ein mögliches Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind besteht (Risikoschwangerschaft). In dem Fall wird er die werdende Mutter natürlich aufklären, ob sie eventuell intensiverer Betreuung bedarf als im Mutter-Kind-Pass vorgesehen.

Gynäkologische Untersuchung (Vaginalbefund)

Bei der gynäkologischen Untersuchung stellt der Arzt fest, ob sich die befruchtete Eizelle richtig in der Gebärmutter eingenistet hat. Das und die Entwicklung des Fötus überprüft er per Ultraschall. Insgesamt 3 Ultraschalluntersuchungen sind während der gesamten Schwangerschaft im Mutter-Kind-Pass vorgesehen. 

Nicht vorgesehen sind im Mutter-Kind-Pass pränataldiagnostische Untersuchungen wie Nackenfaltenmessung, Combined-Test und Organscreening. Es besteht jedoch eine Aufklärungspflicht jedes Frauenarztes über die Sinnhaftigkeit und die Möglichkeit aller pränataldiagnostischen Untersuchungen. Jede Schwangere kann dann selbst entscheiden, ob sie solche Leistungen für Ihr ungeborenes Kind wahrnimmt.

Schon bei der ersten Mutter-Kind-Pass-Untersuchung kann auch eine Mehrlingsschwangerschaft festgestellt werden. Besonders wichtig für die weitere Betreuung einer Mehrlingsschwangerschaft ist die Feststellung der sogenannten "Chorionizität" (ob eine Mehrlingsschwangerschaft 1 oder 2 Fruchthöhlen bzw. Plazenten (Mutterkuchen) hat).

Die Ultraschalluntersuchungen sind übrigens keine Voraussetzung für das Kinderbetreuungsgeld. Über die Untersuchung sowie den ersten Tag der letzten normalen Regelblutung kann der Arzt jetzt schon den voraussichtlichen Geburtstermin des Babys berechnen. Zudem nimmt der Arzt einen Abstrich zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung (PAP-Test).

Harnuntersuchung

Die Schwangere gibt Urin ab, der auf seinen pH-Wert sowie das Vorhandensein von Leukozyten und Hämoglobin hin untersucht wird. Ihr Vorhandensein kann auf eine Entzündung hindeuten. Auch Eiweiß, Zucker, Nitrit und Blut im Urin werden erfasst. Diese Werte geben u.a. Hinweise auf eine Harnwegsinfektion in der Schwangerschaft.

Blutuntersuchungen

Der Schwangeren wird bei der 1. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung auch Blut aus der Vene entnommen. Im Labor wird es dann auf Folgendes hin untersucht:

  • Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors: Der Rhesusfaktor gibt an, ob sich das Blut der Mutter mit dem des Kindes verträgt. Ist dies nicht der Fall, liegt eine sogenannte Rhesusunverträglichkeit vor.
  •  Bestimmung von Blutgruppenantikörpern (sogenannter Antikörpersuchtest): Manche Frauen besitzen Antikörper gegen kindliche Blutgruppenbestandteile, was für den weiteren Verlauf und die Betreuung während der Schwangerschaft sehr wichtig ist. Bestimmte Blutgruppenantikörper können die Plazentaschranke passieren und dabei kindliche Erythrozyten (rote Blutkörperchen) schädigen.
  • Bestimmung des Hämoglobinwertes: eisenhaltiger Blutfarbstoff, der sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) befindet und Sauerstoff transportiert.
  • Bestimmung des Hämatokrits: Maß für die Zähflüssigkeit des Blutes.
  • Test auf Luesinfektion (Syphilis): In Österreich ist dies eine meldepflichtige Geschlechtskrankheit. Besteht eine Infektion während der Schwangerschaft, kann die Erkrankung von der Mutter auf das Kind übertragen werden.  
  • Test auf Toxoplasmose: je früher Toxoplasmose von der Schwangeren auf das Kind im Mutterleib übertragen wird, desto wahrscheinlicher ist eine Fehl- oder Totgeburt. Überlebt das Baby im Mutterleib, sind Schädigungen an den Augen oder anderen Organen des Kindes möglich.
  • Test auf Rötelnantikörper: Röteln-Viren können von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kindübertragen werden. Dabei kann der Embryo schwere Schädigungen an vielen Organen erleiden. Auch Früh- oder Totgeburten können durch die Viren ausgelöst werden.
  • Test auf HIV (Aids): während der Schwangerschaft kann eine bestehende HIV-Infektion auf das ungeborene Kind übertragen werden. Dieses Risiko kann durch medikamentöse Behandlung und eine geeignete Entbindung reduziert werden. Deshalb ist eine frühzeitige Untersuchung der werdenden Mutter wichtig.
  • Unbedingt sollte auch im Rahmen der ersten Blutuntersuchung ein Screening auf Schilddrüsenhormone durchgeführt werden: Hierbei wird das sogenannte TSH bestimmt. Dieser Wert gibt Auskunft über die mütterliche Schilddrüsenfunktion. Eine optimale Schilddrüsenfunktion ist essentiell für die Entwicklung vor allem des kindlichen Nervensystems.
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Johannes Seidel

Gynäkologe und Leiter von Woman & Health

Gesundheitskompass

Quellen

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