Ernährung bei COPD und Asthma

Eiweißreich, wenig Fett, viel Gemüse - das alles sollte beim Speiseplan für COPD-Betroffene berücksichtigt werden. (marcelokrelling - Fotolia.com )

Menschen mit COPD und Asthma haben häufig einen höheren Energie- und Nährstoffverbrauch. Eine ausgewogene Ernährung steigert die Belastbarkeit der Patienten und hilft Atemnot zu reduzieren.

Auch andere, mit den Lungenerkrankungen einhergehende Beschwerden wie Sodbrennen, Appetitmangel, vermehrte Müdigkeit und depressive Verstimmungen können mittels einer begleitenden Ernährungstherapie gelindert werden. Wichtig sind eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung und die Zufuhr von Antioxidantien wie z.B. Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E.

Sie wirken der Bildung von freien Radikalen und damit der Entzündungen entgegen. Auch Omega-3 Fettsäuren helfen die Funktion der Lunge zu verbessern. Ein wesentlicher therapeutischer Aspekt ist das Anstreben des Normalgewichts. Sowohl Unter- als auch Übergewicht wirken sich nachteilig auf die Lungenfunktion und damit auf den Verlauf der Krankheitsbilder aus.

Ernährung und Atmung hängen zusammen

Zwischen Atmung und Ernährung besteht ein enger Zusammenhang. Durch die Atmung gelangt Sauerstoff in den Körper, der dafür sorgt, dass wichtige Nährstoffe verbrannt und in weiterer Folge verstoffwechselt werden. Bei einer durch Krankheit eingeschränkten Atmung fehlen dem Körper wichtige Bau- und Nährstoffe.

Hinzu kommt, dass der Ruheenergiebedarf bei COPD um 20 % oder sogar mehr beträgt als beim gesunden Menschen. Der Grund dafür sind die Einengung der Atemwege und somit gesteigerte Atemarbeit, chronische Entzündungsprozesse, häufige Infektionen und nicht selten die Einnahme der Medikamente, die den Energiebedarf beeinflussen. Erhöhter Energiebedarf und Nährstoffmangel sind auch zwei von vielen Ursachen, weshalb es bei vielen Betroffenen zu einem ungünstigen Muskelabbau kommt.

Erhöhter Energiebedarf

Einerseits wirken gezielte Ernährungsmaßnahmen dem Rückgang von Muskelmasse entgegen. Andererseits helfen sie den erhöhten Energiebedarf zu decken. Die Einhaltung von Ernährungsempfehlungen ist in vielerlei Hinsicht förderlich:

  • Eine bewusste Ernährung hilft, die Belastbarkeit des Patienten zu steigern und fördert das allgemeine Wohlbefinden.
  • Die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen und Infekte sinkt.
  • Eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung wirkt oxidativem Stress entgegen.
  • Muskelmasse wird erhalten, bzw. aufgebaut.
  • Atemnot kann verhindert oder zumindest reduziert werden.

Ernährungsempfehlungen bei COPD und Asthma

Für Patienten mit Lungenerkrankungen ist eine ausgewogene Ernährung ganz besonders wichtig. Ein Nährstoffmangel beeinträchtigt die Funktion der Lunge und erhöht die Anfälligkeit für Infekte. Bei einer Mangelernährung sind die Fresszellen in den Lungenbläschen, die eingedrungene Fremdkörper zerstören nämlich weniger aktiv. Eine gesunde Ernährung wirkt dem entgegen. Worauf sollten Sie generell achten?

  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten: Eine Austrocknung des Körpers kann Asthmaanfälle begünstigen. Anders regt die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit die Produktion von dünnflüssigem Schleim an. Orientieren Sie sich deshalb an der allgemeinen Empfehlung und versuchen Sie 1,5  bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich zu nehmen. Achtung: Zu viel trinken ist ebenfalls kontraproduktiv. Dadurch erhöht sich der Druck in der Lunge.
  • Blähende Lebensmittel meiden: Durch eine übermäßige Gasbildung erhöht sich der Druck auf dem Zwerchfell und damit auch auf der Lunge. Blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Knoblauch, Zwiebel und Kohl sollten daher nur sparsam auf Ihrem Speisezettel stehen.
  • Langsam essen: Nehmen Sie sich Zeit zum Essen. Gründliches Kauen beugt Blähungen und Luftschlucken vor.
  • Salz sparsam verwenden: Salz bindet Wasser im Körper wodurch es zu einer vermehrten Wasseransammlung (Ödeme) kommen kann. Wasseransammlungen erschweren die Atmung zusätzlich. Verwenden Sie Salz daher nur sehr sparsam und meiden Sie salzreiche Fertiggerichte.
  • Eiweißreich essen: Für den Erhalt der Muskelmasse brauchen Patienten mit Lungenfunktionsstörungen mehr Eiweiß als Gesunde. Besonders zu empfehlen sind Kombinationen aus tierischem und pflanzlichem Eiweiß wie Getreide mit Eiern, Getreide mit Milchprodukten, Kartoffeln mit Milchprodukten und Kartoffeln mit Eiern.
  • Auf die Nährstoffzufuhr achten: Durch die Nahrung aufgenommene Antioxidantien wirken oxidativem Stress entgegen. Das heißt: Bestimmte Stoffe in Lebensmitteln hemmen die Reaktion mit Sauerstoff, wodurch sich das Risiko für Entzündungen und Krebs reduziert. Zu den Antioxidantien gehören unter anderem Vitamin A, C, E und Selen. Auch Omega-3-Fettsäuren haben einen positiven Einfluss auf die Lungenfunktion. Sie verringern die Entstehung von Zellen, die an asthmatischen Prozessen mitwirken und hemmen das Wachstum von Krebszellen.

Eine ausreichende Magnesiumzufuhr unterstützt wiederum den Muskelaufbau.

  • Nahrungsmittelzusatzstoffe meiden: Bestimmte Farbstoffe und Konservierungsmittel sowie der Geschmacksverstärker Glutamat können Asthmaanfälle begünstigen.
  • Öfters kleine Portionen essen: Je mehr Raum der Magen in Anspruch nimmt, desto weniger Platz bleibt der Lunge. Vermeiden Sie daher große Portionen und greifen Sie stattdessen zwischendurch zu kleinen, bereitgestellten Snacks.
  • Auf die Körperhaltung achten: Stützen Sie Ihre Arme während dem Essen auf und schneiden Sie Ihr Essen in mundgerechte Stücke. Beides erleichtert das Atmen.
  • Zähne kontrollieren lassen: Eine gute Mundhygiene beugt einer zusätzlichen Essenserschwernis vor. Sorgen Sie daher dafür, dass Zahnprobleme rasch behoben werden

Ergänzende Ernährungstipps

Neben den Atemproblemen verursachen COPD und Asthma häufig auch noch andere Beschwerden, die mithilfe spezieller Ernährungstipps zumindest gelindert werden können. Sie sind als Ergänzung zu den allgemeinen Empfehlungen gedacht.

Symptom

Damit verbundene Beschwerden

Ernährungsempfehlung

Appetitmangel

Kauschwierigkeiten, vermehrte Infekte, Nebenwirkungen von Medikamenten

Appetitanregende Tees trinken (Wermut, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut)

Ausgiebig frühstücken (morgens ist die Esstoleranz am größten)

Wein oder Bier vor dem Essen wirkt appetitanregend (mit dem Arzt besprechen!)

Ergänzende Trinknahrung (Astronautenkost) hilft den Ernährungszustand zu verbessern.

Atemnot

Atemnot erschwert nicht nur das Essen selbst, sondern auch den Einkauf und die Zubereitung der Speisen

Vor den Hauptmahlzeiten gut ausruhen

Vor dem Essen Luft verschaffen: Husten Sie vorhandenen Schleim gut ab und verwenden Sie Bronchodilatoren

Beim Essen eine leicht vorgebeugte Haltung einnehmen. Die Füße sollten schulterbreit auf dem Boden stehen

Bei Luftnot die Lippenbremse anwenden. Fragen Sie Ihren Arzt nach dieser Atemtechnik

Müdigkeit

Zu kraftlos, um zu essen

Versuchen Sie in den Phasen, in denen es Ihnen besser geht, größere Portionen zu essen

Auf Lebensmittel, die reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen sind achten

Heidelbeeren und Preiselbeeren haben eine belebende Wirkung

Koffein- und theinhaltige Getränke wirken Erschöpfungszuständen entgegen

Weiche Speisen, die nicht intensiv gekaut werden müssen bevorzugen

Depressive Verstimmungen

Angst, Traurigkeit und Schwermut   sind häufige Begleiterscheinung en von Lungenerkrankungen

Omega 3 Fettsäuren (in fetten Fischen, Raps- und Leinsamenöl, Avocado sowie Walnüssen) reduzieren das Risiko für Depressionen

Folsäure wirkt ebenfalls stimmungsaufhellend (in Hülsenfrüchten, grünem Gemüse, Vollkornprodukten enthalten)

Nüsse, Milch, Schokolade, Bananen, Erdbeeren und Himbeeren etc. liefern L-Tryptophan- eine Vorstufe von Serotonin, einem Glückshormons

Sodbrennen

Vor allem bei Patienten mit Übergewicht tritt Sodbrennen häufig auf - oft in Kombination mit saurem Aufstoßen, Zurückfließen von saurem Mageninhalt und Schmerzen in der Speiseröhre und im Magen

Auf Tabak und Alkohol bestmöglich verzichten

"Magensäurelocker" vermeiden (stark gewürzte, sowie sehr saure und sehr süße Speisen, Geräuchertes, Kaffee, Paprika, Schokolade)

Fein vermahlene Vollkornbrote helfen, die Magensäure zu neutralisieren

Nie im Liegen oder Halbliegen essen

Nach dem Essen mindestens eine halbe Stunde in aufrechter Position bleiben

Heilerde und hydrogencarbonatreiche Heilwässer helfen überschüssige Magensäure zu neutralisieren

Linksseitige Schlaflage bevorzugen

Blähungen

Blähungen und Völlegefühl erschweren die Atmung durch Druck auf das Zwerchfell zusätzlich

Anis, Fenchel und Kümmel beruhigen Magen und Darm

Kohlensäurehaltige Getränke meiden

Blähende Speisen meiden (Kohl, Lauchgewächse, Hülsenfrüchte etc.)

Gekochtes Obst und Gemüse ist besser bekömmlich (z.B. Karotten, Kürbis, Zucchini, Fenchel etc.)

Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Mannit, Isomalt und Xylit fördern Blähungen

Verstopfung

Häufige Nebenwirkung von Medikamenten, reduzierter Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr sowie Bewegungsmangel

Ballaststoffzufuhr erhöhen (ein guter Tipp sind feine Haferkleie, geschroteter Floh- oder Leinsamen in Fruchtmus eingerührt. Achtung: dazu immer zusätzlich mind.1/4 l Flüssigkeit trinken!)

Lösliche Ballaststoffe in Pulverform (Apotheke) können die Zufuhr unterstützen

Ausreichend trinken

Sauermilchprodukte fördern eine gesunde Darmflora

Stopfende Lebensmittel wie Weißbrot, Reis, Banane, Schokolade, Kartoffelpüree, Rotwein meiden

Probleme durch Über- und Untergewicht

Sowohl Über- als auch Untergewicht wirken sich auf die Lungenfunktion aus und beeinträchtigen die Belastbarkeit. Eine regelmäßige Kontrolle des Körpergewichts stellt daher eine sinnvolle und Therapie begleitende Maßnahme bei COPD und Asthma dar.

Übergewicht führt zu einem Zwerchfellhochstand, wodurch sich die Lungen nicht richtig entfalten können. Die Atmung ist dadurch zusätzlich erschwert. Aufgrund des hohen Energieverbrauchs und der häufig zu beobachtenden Appetitlosigkeit viele Patienten untergewichtig. Jeder COPD-Patient ist mangelernährt. Folgeerkrankungen können durch adäquate Ernährungsmaßnahmen verhindert werden.

Ernährung bei Untergewicht

    • Reichern Sie Ihre Speisen mit hochwertigen Pflanzenölen an. Vor allem Raps- Oliven- und Leinöl sind reich an wertvollen, ungesättigten Fettsäuren. Nüsse sind ebenso empfehlenswert.
    • Auch Obers, Sauerrahm, Butter und Honig helfen das Kalorienkonto aufzubessern.
    • Als Zwischenmahlzeit eignen sich Müsliriegel, Smoothies und unverdünnte Fruchtsäfte.
    • Setzen Sie auf Gewürze. Basilikum, Bohnenkraut, Rosmarin, Lorbeerblätter, Dille und Schafgarbe wirken appetitanregend.

Halten Sie kleine Snacks, die Ihnen gut bekommen bereit.

Ernährung bei Untergewicht

  • Versuchen Sie, Ihr Normalgewicht anzustreben. Oft ist eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent ausreichend, um das Allgemeinbefinden zu verbessern. Bei einem starken Übergewicht holen Sie sich professionelle Unterstützung, eine zu schnelle Gewichtsabnahme basiert meist auf dem Verlust der Muskelmasse.
  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr fördert das Sättigungsgefühl.
  • Verwenden Sie Zucker und Salz nur sparsam.
  • Schränken Sie den Genuss von tierischen Fetten (Butter, fettes Fleisch, fetter Käse etc.) ein.
  • Bevorzugen Sie fettarme, nährstoffschonende Zubereitungsformen.
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag. Agnes Budnowski

Diätologin

Website

Quellen

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