Warum wir auf leeren Magen besser entscheiden

Warum wir auf leeren Magen besser entscheiden: Frau hält Messer und Gabel hoch
Haben wir Hunger, treffen wir langfristig die bessere Entscheidung. (Minerva Studio - Fotolia.com)
Wichtige Entscheidungen sollten besser hungrig als satt getroffen werden. Das fand nun ein Forscherteam aus Utrecht bei einer Studie heraus.

Man könnte meinen, dass der Kopf freier ist, wenn der Magen nicht knurrt und der Hunger besänftigt ist. Genau das Gegenteil ist aber der Fall, wie niederländische Forscher jetzt bestätigen. Der durch das unangenehme Hungergefühl erzeugte Stress, erhöht die Fähigkeit langfristige Entscheidungen zu treffen. Früher dachte man, dass sogenannte "hot states", die auch bei sexueller Erregung oder starken Emotionen beschrieben werden, lediglich zu kurzfristigen und unüberlegten Handlungen führen. Die neuen Erkenntnisse weisen in die entgegengesetzte Richtung.

Hunger macht entscheidungsfähig

Magenknurren gehört laut Definition der Wissenschafter der Utrecht University wie sexuelles Verlangen und aufgeregter Gemütszustand zu sogenannten "hot states". Bislang sprachen Forschern diesen Gefühlen vor allem impulsives und affektgesteuertes Handeln mit oft eher negativen Konsequenzen zu - so dass man z.B. bei großem Hunger im Supermarkt den Wagen mit ungesunden Lebensmitteln vollpackt und außerdem mehr kauft, als man eigentlich wollte.

Letzteres mag stimmen - geht es jedoch um komplizierte und um Entscheidungen mit großer Tragweite, kann ein leerer Bauch dabei helfen, die langfristig bessere Option zu wählen. Der Blick auf mögliche Folgen ist schärfer, zukünftige Konsequenzen können klarer abgeschätzt werden.

3 Hunger-Experimente

Die Forscher führten 3 separate Experimente mit Studenten durch, um zu testen, wie Hungergefühl die Entscheidungsfähigkeit beeinflusst. Die Teilnehmer wurden in jeder Versuchsrunde in 2 Gruppen aufgeteilt: Die einen fasteten 10 Stunden vor dem Test, die anderen waren satt. In den ersten beiden Experimenten spielten alle Versuchspersonen ein Kartenspiel namens "Iowa gambling task", das echte Lebensentscheidungen reflektiert, bei denen entweder lang- oder kurzfristige Entscheidungen mit unterschiedlichem Risikopotential getroffen werden müssen. Die hungrigen Teilnehmer schnitten besser ab, wenn es darum ging, die langfristig beste Option mit dem höchsten Gewinn zu wählen.

Im dritten Experiment mussten hungrige und gesättigte Studenten zwischen der Aushändigung eines (hypothetischen) kleinen Geldbetrages sofort oder einem größeren Geldbetrag in späterer Zukunft wählen. Die Hungrigen entschieden sich dabei eher für die vernünftigere Variante des großen Betrags zu späterer Zeit.

Weitere Studien notwendig

Hunger und Appetit mache Menschen zwar einerseits impulsiver, aber andererseits auch sensitiver für ihr eigenes Bauchgefühl, das für schwierige Entscheidungen mit unsicherem Ausgang der beste Ratgeber ist.

Die Studie ist eine der ersten, die sich mit den Auswirkungen von "hot states" auf die Entscheidungsfindung beschäftigt.  Um konkrete Schlussfolgerungen im Hinblick auf Emotionen und komplexe Entscheidungen ziehen zu können, wären laut den Wissenschaftern noch tiefergehende Untersuchungen nötig.

Quellen

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