ELGA

ELGA: Arzt telefoniert beim Computer
ELGA: Befunde und Medikation können von Ärzten, Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Apotheken abgerufen werden (lightwavemedia - Fotolia)
Die Elektronische Gesundheits-Akte (ELGA) ist ein System, das einen raschen und einfachen Zugriff auf die Gesundheitsdaten der Teilnehmer ermöglicht.

Dazu zählen die e-Medikation (eine Auflistung der ärztlich verordneten Medikamente) und der e-Befund (Laborbefunde, Entlassungsbriefe oder Röntgenaufnahmen). Diese Daten können von den Teilnehmern selbst sowie von berechtigten Gesundheitsdienstanbietern - Ärzten, Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Apotheken - abgerufen werden. Das Ziel von ELGA ist es, durch einen besseren Informationsfluss die Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen zu erleichtern, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Patientensicherheit zu erhöhen. Jeder kann seit 1. Jänner 2014 entscheiden, ob er an ELGA teilnehmen möchte oder nicht.

Was ist ELGA?

Die ELektronische Gesundheits-Akte ELGA ist ein Projekt von Bund, Ländern und der Österreichischen Sozialversicherung und wird von diesen Institutionen - den Eigentümern - gemeinsam finanziert.

ELGA ist kein zentraler Datenspeicher sondern vernetzt die für ELGA bereitgestellten Dokumente. Gespeichert wird nur die Information von Ärzten und Institutionen wie z.B. Spitälern, die entsprechende Gesundheitsdaten zur Verfügung stellen - die Dokumente selbst verbleiben wie gehabt in den jeweiligen Gesundheitseinrichtungen.

Welche Daten werden in ELGA gespeichert?

ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter müssen die Befunde und Medikationsdaten für ELGA bereitstellen. Sie haben das Recht, diese Gesundheitsdaten unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften zu verwenden, dürfen die Daten ihrer Patienten allerdings ausschließlich für die medizinische und pflegerische Versorgung einsehen. Zu den abrufbaren Informationen/Dokumenten, deren Bereitstellung auch "ELGA-Funktionen" genannt wird, zählen:

  • e-Medikation: Eine Datenbank, in der alle rezeptpflichtigen Medikamente des Teilnehmers sowie nicht-rezeptpflichtige, die gesundheitlich bedeutsame Wechselwirkungen aufweisen, aufgelistet werden.In Zukunft können damit auch Patienten über das ELGA-Portal auf eine Übersichtsliste der eigenen Medikamente zugreifen.
  • e-Befunde: Zu den e-Befunden gehören Entlassungsbriefe aus Spitälern, Laborbefunde und radiologische Befunde. Diese Dokumente werden in einer vereinheitlichten Struktur österreichweit in ELGA zur Verfügung gestellt.

Wer kann Gesundheitsdaten abrufen?

Laut Gesetz dürfen dies ausschließlich Spitäler, niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, Ambulatorien sowie Pflegeheime und Apotheken. Außerdem hat jeder Teilnehmer Zugriff auf seine persönlichen Gesundheitsdaten.

Keinen Zugang zu den Daten haben Amtsärzte, der chefärztliche Dienst der Krankenkassen sowie Arbeitsmediziner. ELGA-Daten dürfen außerdem weder durch Versicherungen noch durch den Arbeitgeber verlangt oder abgefragt werden.

Wie lange erfolgt der Zugriff?

Ärzte, Spitäler und Pflegeeinrichtungen haben 28 Tage ab Nachweis des Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses (wenn beispielsweise die e-Card das erste Mal beim betreffenden Arzt aktiviert wird) Zugriff. Danach erlischt die Zugriffsberechtigung und wird erst bei erneutem Nachweis einer Behandlung/Betreuung wieder aktiv. Die Teilnehmer können die genannten Zugriffsfristen der Anbieter von Gesundheitsdiensten beliebig verkürzen oder mit deren Einverständnis auf bis zu ein Jahr verlängern. Apotheken haben ab dem Zeitpunkt, an welchem der Patient sein Medikament dort bezogen hat, 2 Stunden Zugriff auf die Medikationsdaten.

Wie können teilnehmende Bürger ihre Daten in ELGA abrufen?

Für die Teilnehmer erfolgt der Einstieg über das ELGA-Zugangsportal - die Identifizierung (log-in) mit Bürgerkarte und Handy-Signatur öffnet den Zugang zur persönlichen Gesundheitsakte. Dort kann man zum einen überprüfen, von wem welche Daten abgerufen wurden, zum anderen Dokumentenverweise aktiv ausblenden: Damit sind sie für die Zugriffsberechtigten nicht sichtbar.

Bürger, denen dies technisch nicht möglich ist, können in Zukunft die Daten auch mit Hilfe von ELGA-Ombudsstellen einsehen, die ab 1. Jänner 2015 zur Verfügung stehen werden. Sobald die gesetzliche Verordnung hinsichtlich der Errichtung der Ombudsstellen erlassen ist, werden diese auf der ELGA-Website sowie am ELGA-Zugangsportal und bei der ELGA-Serviceline aufgelistet.

Ist die Teilnahme an ELGA verpflichtend?

Im ELGA-System ist für alle sozialversicherten Bürger eine persönliche Gesundheitsakte vorbereitet. Seit 1. Jänner 2014 kann jeder über seine persönliche Teilnahme an ELGA entscheiden: Wer ELGA nutzen möchte, muss gar nichts tun. Wer an der elektronischen Befundverwaltung nur eingeschränkt oder nicht teilnehmen möchte, muss dies persönlich bekannt geben. Dafür gibt es 3 Möglichkeiten:

  1. Vollelektronisch: Abrufen der zur persönlichen Gesundheitsakte über das ELGA-Zugangsportal, Identifizierung mit Bürgerkarte und Handy-Signatur. Definieren der Teilnehmerrechte: vollständige Abmeldung oder Nutzung von Teilfunktionen, z.B. nur e-Medikation (Übersicht verwendeter Medikamente). Von Beginn an wird ein Zugangsprotokoll erstellt, das alle Aktivitäten dokumentiert. Auch ein befugter Vertreter kann bekannt gegeben ("bevollmächtigt") werden.
  2. Halbelektronisch: Am öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs steht als Download ein Formular zum Ausdruck zur Verfügung. Dieses muss ausgefüllt, unterschrieben und mit Ausweiskopie per Post an die Widerspruchsstelle geschickt werden. Dort erfolgen die Überprüfung der Identität und die elektronische Eintragung.
  3. Telefonisch: Formular bei der ELGA-Serviceline anfordern. Wird vorausgefüllt zugeschickt und muss dann wie bei Punkt 2 per Post an die Widerspruchsstelle geschickt werden.

Wie sieht der zeitliche Ablauf für die Umsetzung von ELGA aus?

Das Gesetz für die Einführung von ELGA wurde 2013 verabschiedet. Seit Beginn 2014 steht das ELGA-Zugangsportal www.gesundheit.gv.at zur Verfügung. Noch in diesem Jahr werden die Krankenanstaltenverbünde in Wien und Oberösterreich damit beginnen, erste Dokumente so zu konfigurieren und abzuspeichern, dass sie durch das ELGA-System auffindbar werden und den anderen Spitälern im Verbund zur Verfügung stehen. Ebenfalls 2014 soll noch die Einbindung der Unfallspitäler erfolgen. Der weitere Fahrplan:

  • 2015: Anbindung aller öffentlichen Spitäler. Verfügbarkeit der e-Medikation.
  • 2016: Einbindung aller Kassenärzte und Apotheken.
  • 2017: Anbindung aller Privatkrankenanstalten.
  • Ab 2018: Vollbetrieb ohne Zahnärzte und Zahnambulatorien, die 2022 dazu kommen.

Wem nützt ELGA?

Von ELGA sollen sowohl Gesundheitsdiensteanbieter als auch die Bürger profitieren.

Nutzen für Patienten:

  • Erhöhung der Patientensicherheit (e-Medikation)
  • Verbesserung der Behandlungsqualität (Befundbereitstellung)
  • Einfacher und sicherer Zugriff auf die eigenen Befunde
  • Steigerung der eigenen Gesundheitskompetenz
  • Vermeidung von belastenden Mehrfachuntersuchungen

Nutzen für Spitäler, Ärzte, Apotheken und Pflegeeinrichtungen:

  • zeitnahe Verfügbarkeit relevanter Informationen (Befunde, Medikamente)
  • Vermeidung von möglichen Behandlungsfehlern
  • Bessere Zusammenarbeit durch organisationsübergreifenden Informationsfluss
  • einheitliche, qualitätsgesicherte Standards der Patientendaten

Wie sicher sind die Daten bei ELGA?

Die Sicherheitsstandards für den Abruf von Daten aus ELGA sind hoch, bei einem Missbrauch drohen hohe Strafen. So werden sämtliche Zugriffe auf das System mitprotokolliert und von einer Betrugserkennungssoftware überwacht. Die weiteren Sicherheitsmaßnahmen:

  • Der Zugriff erfolgt nur über ein strenges Berechtigungssystem
  • Die Patientendaten (Befunde) sind dezentralgespeichert – in den jeweiligen Gesundheitseinrichtungen.
  • Der Nachweis des Behandlungsverhältnisses ist immer erforderlich (e-card)
  • Die Patienten können die Zugriffsrechte selbst bestimmen
  • Die Patienten sehen, wer auf ihre Daten zugegriffen hat

Weiterführende Informationen

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Quellen