Dr. Wuff, der Diabetikerwarnhund

Dr. Wuff, der Diabetikerwarnhund: Vater mit Sohn und Schäferhund in Natur
Ein Diabetikerwarnhund ist eine zusätzlich Hilfe für Diabetiker die bei der Wahrnehmung von Unterzuckerungen Probleme haben. (V&P Photo Studio - Fotolia.com)
Speziell ausgebildete Diabetikerwarnhunde können die Unterzuckerung ihres kranken Besitzers riechen und rechtzeitig Alarm schlagen. Die feine Nase des Hundes unterstützt nicht nur Kriminalbeamte bei der Suche nach Drogen oder Sprengstoff, sondern auch Diabetiker.

"Prinzipiell ist ein Diabetikerwarnhund eine zusätzliche Hilfe für Menschen, die Probleme haben Unterzuckerungen (Hypoglykämie) wahrzunehmen. Solche Hunde sind aber sicher nicht für jeden Diabetiker sinnvoll, zusätzlich gibt es bisher kaum wissenschaftliche Daten, die dieses Thema näher untersucht haben. Die Frequenz der schweren Hypoglykämien ist unter anderem aufgrund von modernen Insulintherapien deutlich zurückgegangen", erklärt Dr. Birgit Rami-Merhar vom AKH Wien (Univ. Klink für Kinder- und Jugendheilkunde). Sinkt der Blutzuckerspiegel rapide ab, so haben vor allem Typ-1-Diabetiker oft Probleme diese Unterversorgung (Hypoglykämie) rechtzeitig zu bemerken und gegenzusteuern. Typ-2-Diabetiker sind seltener insulinpflichtig und haben eher Schwierigkeiten mit Überzuckerung.

Tierischer Helfer in kritischer Situation

Die regelmäßige Kontrolle des Zuckerspiegels im Blut durch eine Blutzuckermessung ist für vor allem für Typ-1-Diabetiker wichtig. Einerseits wissen sie so, wann sie Insulin spritzen müssen. Andererseits lässt sich dadurch eine Unterzuckerung, die Organe schädigen kann, vermeiden. Diese medizinische Verantwortung kann und soll der speziell ausgebildete Hund nicht übernehmen. "Ein Diabetikerwarnhund ist ein Partner, der Alarm schlägt, weil er die Unterzuckerung riecht, er soll mehr Sicherheit im Alltag geben und ein Freund sein", so die niederösterreichische Tierärztin Dr. Veronika Größl, die in Gießhübel seit 2010 selbst Diabetikerwarnhunde ausbildet.

Was riecht der Hund?

Ein Diabetikerwarnhund nimmt eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) am besten wahr, wenn er am Mund seines Besitzers schnuppert. "Was genau ein Diabetikerwarnhund riecht, wissen wir nicht. Es wird angenommen, dass es sich um einen Mixcocktail aus Stresshormonen handelt - trainiert wird mit Atem- und Speichelproben von Unterzuckerungen", meint Tierärztin Dr. Veronika Größl. In einer Studie aus Großbritannien wurde nachgewiesen, dass bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, die einen Diabetikerwarnhund besitzen, weniger Hypoglykämien auftreten, seit sie den Hund hatten. Außerdem gab es weniger Phasen, in denen die Testpersonen Probleme mit der Wahrnehmung von Unterzuckerungen hatten.

Ist jede Rasse als Diabetikerhund geeignet?

Theoretisch kann jeder Hund Diabetikerwarnhund werden. Besser geeignet sind aber Vierbeiner mit ausgeprägtem Riechsinn wie z.B. Schäferhund oder Labrador - je mehr der Hund riechen kann, desto mehr Spaß hat er bei der "Arbeit". In jedem Fall müssen die Hunde extrem menschenbezogen sein.

Kurznasige Rassen wie z.B. Mops oder Bulldogge sind für die Ausbildung zum Diabetikerwarnhund weniger qualifiziert. Sie haben weniger Riechzellen und leiden häufiger an Atemproblemen.

Ausbildung zum Diabetikerwarnhund

"Es ist einfacher einen Drogensuchhund auszubilden als einen Diabetikerwarnhund, denn anders als Diabetikerwarnhunde müssen diese nicht rund um die Uhr Nasenarbeit leisten. Sie erhalten ein Kommando und müssen dann für 10 bis 15 Minuten intensiv schnuppern. Gut trainierte Diabetikerwarnhunde andererseits tun dies ohne Kommando, sie wachen auch nachts auf, wenn ihr Herrchen unterzuckert ist und schlagen Alarm", erklärt Dr. Größl.

Eigenständigkeit ist bei einem Diabetikerwarnhund ein besonders wichtiges Kriterium, da er im Ernstfall selbsttätig aktiv werden muss. Sie wird genauso trainiert wie der Grundgehorsam und der Geruch wie es Dr. Veronika Größl auf den Punkt bringt: "Das Geruchstraining erfolgt mit Atem- und Speichelproben und dann auch als Live-Training. Trainiert wird zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort, an dem ein Diabetikerwarnhund aktiv sein soll."

Was Dr. Wuff sonst noch kann

Im medizinischen Bereich ist die Leistung von Hunden aber nicht auf Diabetiker beschränkt. Hunde können Krebs im Anfangs- und auch im fortgeschrittenen Stadium riechen. "Ein Krebssuchhund kann grundsätzlich jede Krebsart riechen. Ein Karzinom bzw. das Absterben einer Zelle erzeugt alkalische Stoffe, die Hunde wahrnehmen können", erklärt der Suchhundespezialist Wolfgang Gleichweit vom Verein für Gebrauchs-, Forschungs- und Suchhunde in Frohnleiten (Stmk). Anhand einer Urin-, einer Speichel- und einer Atemluftprobe erkennt der Hund ob Krebs vorliegt oder nicht.

Welche Krebsart vorliegt, wenn der Hund anschlägt kann man aber nicht sagen. "Spricht der Hund aber z.B. auf die Urinprobe an und auf die Atemluft- bzw. die Speichelprobe nicht, ist es naheliegend, dass es sich um einen Krebsform in den unteren Körperregionen z.B. Blasen-, Prostata-, Eierstock- oder Gebärmutterhalskrebs, handelt", fasst Wolfgang Gleichweit zusammen.

Auch epileptische Anfälle können von Hunden erkannt werden. "Es ist aber unbekannt worauf Hunde da anschlagen, deshalb gibt es noch keine fundierte Ausbildung", so Hundetrainerin Veronika Größl.

Eine neuere Entwicklung ist auch die Ausbildung von Hunden, die Allergene riechen können. Hilfreich ist das z.B. für Nussallergiker. Dr. Größl: "Das Training solcher Hunde ist allerdings sehr aufwändig. Der Hund muss Nüsse in jedem Zustand wie roh, gebacken oder gekocht und in Kombination mit allen möglichen Zutaten riechen können."

Kosten

Ein fixfertig ausgebildeter Diabetikerwarnhund kostet zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Von der Krankenkasse werden keine Kosten übernommen. Die Anschaffung eines solchen Hundes wird aber üblicherweise von Sponsoren gefördert.

Die Kosten für eine Selbstausbildung eines Diabetikerwarnhundes bei einem ausgebildeten Hundetrainer liegen durchschnittlich bei 3.000 bis 4.000 Euro.

Ausgebildete Diabetikerwarnhunde können nach gesundheitlicher Eignung künftig eine Prüfung beim Bundessozialamt ablegen und nach Bestehen in den Behindertenpass ihres Diabetikers eingetragen werden. Dadurch erhalten die Hunde spezielle Zutrittsrechte in der Öffentlichkeit.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

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