Warum Diabetes das Herz gefährdet

Wenn Diabetes gemeinsam mit einer Herzerkrankung auftritt, ist das besonders gefährlich. (Chinnapong / Fotolia)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Diabetes & Herz

Typ-2-Diabetes geht in vielen Fällen auch mit Herzerkrankungen einher. Wie Diabetiker ihr Herz schützen und ihr Leben verlängern können, erklärt Prof. Dr. Heinz Drexel.

Wenn der Zuckerstoffwechsel nicht mehr richtig funktioniert, müssen Betroffene ihre Lebensgewohnheiten umstellen, etwa durch die Anpassung der Ernährung und regelmäßigere Bewegung. Auch Medikamente helfen dabei, Blutzucker, Blutdruck und Blutfette unter Kontrolle zu halten. Das ist von besonderer Bedeutung, weil so Herzerkrankungen hintangehalten werden können. Die Hintergründe erklärt Prof. Dr. Heinz Drexel im Gespräch mit gesund.at.

Frage 1: Was macht Diabetes so gefährlich für das Herz?

Prof. Dr. Heinz Drexel: „Diabetes ist durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel charakterisiert – aber man weiß noch nicht, ob es wirklich der Blutzucker alleine ist, der das Herz schädigt. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass auch die anderen Störungen, die den Diabetes charakterisieren – zu hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte, Gerinnungsstörungen – einen Einfluss haben. Diese treffen das Herz-Kreislauf-System und machen daher den Diabetes so gefährlich. Die Stoffwechselerkrankung alleine verringert die Lebenserwartung bereits um sechs Jahre. Treten zusätzlich aber auch Herzkrankheiten auf, erhöht sich dieser Verlust an Lebenszeit sogar auf zwölf Jahre.“

Frage 2: Welche Herzerkrankungen sind bei Diabetes-Patienten besonders häufig?

Prof. Dr. Heinz Drexel: „Die zwei häufigsten Arten von Herzerkrankungen bei Typ-2-Diabetikern sind Herzkranzgefäßerkrankungen und Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz). Zu Ersteren werden Herzinfarkt und Angina pectoris gezählt, sie treten zwei bis drei Mal häufiger bei Diabetikern auf als bei vergleichbaren Personen ohne Diabetes. Herzmuskelschwäche kommt bei Diabetikern sogar drei bis fünf Mal so häufig vor. Daher sollte die Diabetes-Therapie unbedingt Rücksicht auf diese Herzerkrankungen nehmen und versuchen, sie zu verhindern oder zu lindern.“

Frage 3: Durch welche Symptome machen sich diese Herzerkrankungen bemerkbar?

Prof. Dr. Heinz Drexel: „Herzkranzgefäßerkrankungen machen sich durch Schmerzen im Brustkorb bemerkbar. Gerade bei Diabetes-Patienten kann das aber heimtückisch sein, weil es auch ‚stumme’ Infarkte gibt, bei denen der Herzmuskel Schaden nimmt, ohne dass der Betroffene es spürt. Das liegt daran, dass die Nerven durch eine Zuckeranlagerung in ihrer Funktion beeinträchtigt sind.
Eine Herzschwäche äußert sich durch Atemnot, die schon bei geringer Anstrengung auftritt – dieses Symptom ist auch für Diabetiker uneingeschränkt spürbar. Auch ein stummer Herzinfarkt kann sich schlussendlich oft durch Atemnot bemerkbar machen, wenn der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann.“

Frage 4: Wie helfen Ärzte Typ-2-Diabetikern mit Herzproblemen?

Prof. Dr. Heinz Drexel: „Im Idealfall werden Diabetes-Patienten so behandelt, dass Herzprobleme erst gar nicht auftreten – das heißt, der behandelnde Arzt achtet genau auf Blutzucker, Blutdruck und Blutfette. In der Therapie des Diabetes haben sich cholesterinsenkende Medikamente wie Statine besonders bewährt und werden daher empfohlen. 2015 und 2016 konnte bei zwei ganz neuen Medikamentengruppen bewiesen werden, dass sie das Auftreten von Herzkranzgefäßerkrankungen und Herzschwäche verhindern.
Die erste Gruppe (SGLT-2-Hemmer) sind Tabletten, die den Körper von Zucker entlasten und diesen über die Nieren entfernen. Die zweite Gruppe (GLP-1-Rezeptor-Agonisten) muss man spritzen – dabei handelt es sich aber nicht um Insulin. Sie verlangsamen unter anderem die Magenentleerung, wodurch der Zucker langsamer in den Körper gelangt.“

Frage 5: Warum ist eine frühzeitige Erkennung und Therapie von Herzerkrankungen bei Diabetikern wichtig?

Prof. Dr. Heinz Drexel: „In Österreich wird gerade sehr viel zu diesem Thema geforscht, meine Forschungsgruppe ist intensiv daran beteiligt. Klar ist, dass ein Diabetes ohne Herzerkrankung oder eine Herzerkrankung ohne Diabetes viel ungefährlicher sind. Treten sie gemeinsam auf, handelt es sich aber um eine fatale Kombination.“

Medizinischer Experte

Univ.-Prof. Dr.

Heinz Drexel

Facharzt für Innere Medizin

Geschäftsführer des Forschungsinstituts VIVIT in Feldkirch, Obmann vom Verein Care 4 Your Heart

Quellen

  • Interview mit Prof. Dr. Heinz Drexel

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