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Brave the Shave: Krebshilfekampagne sorgt für Diskussionen

Menschen lassen sich für den guten Zweck eine Glatze schneiden, manche aber finden das pietätslos. (@mysteryandtea - Twitter.com)

Die Kampagne einer britischen Krebshilfe ruft Leute dazu auf, sich in Solidarität mit Betroffenen eine Glatze zu scheren. Das sorgt für reichlich Spenden, aber auch für Unmut bei Krebserkrankten.

Insbesondere bei Frauen und jungen Männern deutet eine Glatze oftmals auf eine Krebserkrankung hin. Dabei ist Haarausfall weniger ein typisches Krebssymptom, sondern vielmehr eine Begleiterscheinung der Chemotherapie. Um sich mit Betroffenen zu solidarisieren, soll man sich nach Vorschlag der britischen Krebshilfe Macmillan selbst eine Glatze scheren.

Bekanntes Konzept

Die "Brave the Shave" genannte Kampagne funktioniert nach einem Prinzip, das anderen Geldsammelaktionen der Neuzeit ähnelt. Menschen von der ganzen Welt können auf der Homepage ein Profil erstellen und einen gewünschten Betrag angeben. Andere Nutzer können eine beliebige Summe spenden, um die zum Ziel gesetzte Zahl zu erreichen. Wird für das entsprechende Profil der angegebene Betrag erzielt, muss die Person ihr Versprechen einlösen und sich eine Glatze scheren.

50 Dollar für meine Glatze

Während manche das Ablegen ihrer Haarpracht bereits um 50 Dollar anbieten, wollen andere eine vierstellige Summe. Sämtliche gespendeten Erträge gehen direkt an die Krebshilfeorganisation. Dagegen scheint eigentlich wenig einzuwenden zu sein, doch viele Betroffene einer Krebserkrankung sehen die Aktion sehr negativ. Ihnen zufolge sei es keineswegs mutig, sich eine Glatze schneiden zu lassen.

Chemotherapie keine Wahl

Von den schwerer wiegenden Begleiterscheinungen der Chemotherapie - unter anderem können Funktionen von Leber, Niere und Lunge beeinträchtigt sein - sind die Spendenden schließlich nicht betroffen. Künstlerin Rebecca Masterman, ihres Zeichens Krebsüberlebende, meinte sogar, dass selbst tatsächliche Krebserkrankte nicht mutig seien. Die Chemotherapie sei demnach keine Wahl, sondern in vielen Fällen die einzige Chance.

Großer Erfolg

All der Kritik zum Trotz ist der Erfolg der Kampagne nicht abzustreiten. Mehr als 4 Millionen Pfund wurden auf diese Weise im Vorjahr gesammelt, auch heuer wurden bereits wieder knappe 3 Millionen erzielt. Reflektierten Teilnehmern dürfte außerdem durchaus bewusst sein, dass das Scheren der Glatze allein nicht mit einer Chemotherapie vergleichbar ist.

Global 2000

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die österreichische Umweltschutzorganisation "Global 2000". Sie stellt die Menschen vor die Wahl: Sich entweder eine Glatze scheren oder 100€ für ein an Tschernobyl-Kinder gerichtetes Projekt spenden. Wer sich für das Ablegen der Haarpracht entscheidet, sorgt damit ebenfalls für 100€, die ihren Weg von Sponsoren zu den Hilfsbedürftigen finden.

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