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Plastik: Auch Ersatzstoffe sind giftig

Plastik: Auch Ersatzstoffe sind giftig
Inhaltsstoffe im Plastik wirken negativ auf das menschliche Hormonsystem. (Inga Nielsen - Fotolia.com)

Bisphenol A (BPA) ist die Chemikalie, die weltweit am häufigsten zum Einsatz kommt. Sie beeinflusst das Hormonsystem und kann Zellwachstum verändern und Krankheiten auslösen. Auch BPS, das häufig anstelle von BPA verwendet wird, ist vor allem für Babys im Mutterleib giftig, warnen Forscher jetzt.

Wissenschafter der Universität Calgary in Kanada setzten schwangere Zebrafische entweder BPA, oder mit dem Ersatzstoff Bisphenol S (BPS) aus. Die Mengen des Plastiks wurden von einer für Menschen alltäglichen Belastung auf Fische umgerechnet. Bei den Fischembryonen kam es zu einer nachweislichen Beeinträchtigung im Wachstum befindlichen Nerven. In einer Gehirnregion, die über Aggressionspotential und Hyperaktivität entscheidet, entwickelten sich doppelt so viele Zellen. Der BPA-Ersatzstoff BPS, der häufig für Babyfläschchen verwendet wird, ist sogar besonders giftig.

Ungeprüfte Ersatzstoffe keine Lösung

Als "BPA-frei" markierte Produkte sind in den vergangenen Jahren, mit steigendem Bewusstsein für die Plastik-Gefahr, zu einem wahren Marketing-Hit geworden. Statt BPA setzen viele Produzenten von Plastikutensilien nun BPS ein - vor allem für Kinderspielsachen und -flaschen. Scheinbar handelt es sich dabei aber um mindestens ebenso schädliche Alternative. Ein gut dokumentiertes Übel willkürlich gegen einen unerforschten Ersatzstoff auszutauschen, scheint keine sinnvolle Lösung darzustellen, so die kanadischen Wissenschafter. Besonders tückisch: BPA und BPS sind bei fast allen Menschen im Urin nachweisbar, doch ihre zellschädigende Wirkung entfaltet sich oft erst nach jahrelanger Belastung.

Was kann ich tun, um giftiges Plastik zu vermeiden?

BPA und BPS wirken im Körper ähnlich wie das Hormon Östrogen und sind in unzähligen Produkten zu finden. Sie sind den Schadstoffen aber nicht hilflos ausgeliefert - einfache Maßnahmen reduzieren die Belastung.

So schützen Sie sich vor BPA und BPS:

  • Wann immer möglich Glasgefäße verwenden.
  • Da BPA und BPS durch Hitze besonders schädlich werden können, sollten Speisen nicht in Plastikgefäßen aufgewärmt werden. Plastikflaschen mit Flüssigkeit nicht in der Sonne liegen lassen.
  • Ein "BPA-frei" Siegel bedeutet, dass in dem Produkt vielleicht immer noch BPS zu finden ist. Besser: "Bisphenol-frei".
  • Metalldosen (mit Bohnen, Mais, Obst,…) und Plastikfolien (über Gemüse, Fleisch,…) geben ebenfalls Plastikpartikel in das Essen ab.

Da Ungeborene, Babys und Kleinkinder besonders gefährdet sind, gilt für Schwangere und junge Menschen erhöhte Vorsicht. Bei allen anderen Menschen hilft es schon, Plastikschadstoffe einzuschränken.

Es ist traurig, dass eine Chemikalie durch eine ähnliche, schlicht weniger erforschte ersetzt wurde. Das widerspricht dem Vorsorgeprinzip", sagt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin von Greenpeace

Quellen

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