Boreout: Auftauchen aus der Langeweile

Boreout: Auftauchen aus der Langeweile: Mann spielt gelangweilt Kartenspiel mit Computer
Boreout-Betroffene trauen sich oft nicht offen über ihre Unterforderung zu sprechen. (Markus Bormann - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Burnout

Den Begriff Burnout (engl. für "ausbrennen") hat heutzutage fast jeder schon einmal gehört. Aber kennen Sie Boreout? 

Dieser Begriff leitet sich von dem englischen Verb "to be bored" ab, was so viel heißt wie "sich langweilen". Der Boreout ist quasi die Kehrseite des Burnout. Von Boreout Betroffene langweilen sich so sehr, dass sie davon krank werden. Denn nicht nur ständige Überforderung bringt Körper, Geist und Seele durcheinander. Auch langwierige Unterforderung belastet. Wie so oft im Leben geht es ums richtige Maß: Um gesund zu bleiben - uns also weder irgendwann im Burnout, noch im Boreout wiederzufinden, ist die Balance aus An- und Entspannung entscheidend.

Überblick:

Auch Boreout bedeutet Stress

Chronische Unterforderung beraubt uns der Sinnhaftigkeit des Lebens: Wer im Job im Grunde genommen nichts zu tun hat und hauptsächlich nur Stunden absitzt, langweilt sich nicht nur, sondern wirft meist auch seinen Lebensplan über Bord. Denn wollen wir nicht alle unser Leben nutzen? Wir wollen etwas schaffen und erleben, gebraucht und geschätzt werden. Die Enttäuschung darüber, dass das nicht so ist, bedeutet Stress für die Seele.

Zudem darf in einer Leistungsgesellschaft natürlich keiner mitbekommen, wenn die Leistung gering ist. Die Angst um den Job führt dazu, dass Betroffene anderen Mitarbeitern ständig etwas vorspielen müssen: Hektisches Akten sortieren, angestrengt auf den Bildschirm blicken, Ablagen bearbeiten - und das, obwohl ja eigentlich nichts mehr zu erledigen ist. Weil dieses Verhalten den Interessen der Arbeitgeberseite widerspricht, kommt es bei Boreout-Betroffenen zu einem dauerhaften Gewissenskonflikt. All dies bedeutet Stress.

Boreout kann zudem durch monotone Arbeit entstehen, die einen nie mehr fordert. Das Syndrom zeigte sich erstmals bei der Einführung des Fließbandes in der industriellen Produktion als klassische Begleiterscheinung. Auch wer im Büro immer nur sich ständig wiederholende Arbeiten ausführt, versinkt in der Routine. Der Mensch braucht etwas zu tun. Er braucht dabei Abwechslung und Herausforderungen. Und eigentlich wünschen wir uns alle, unsere Träume zu verwirklichen.

Boreout: Symptome wie Burnout

Das Phänomen Boreout gleicht dem Phänomen Burnout: Eigentlich ist es nichts anderes als eine Form von Überforderung mit zu wenig Arbeit. Der Unterschied zum Burnout ist, dass die Erschöpfung durch den Stress der Unterforderung und nicht der Überforderung verursacht wird. Wie Burnout kommt auch Boreout schleichend. Durch dauerhaft zu wenige und falsche Aufgaben entsteht Unterforderungsstress: Man weiß selbst, dass man mehr kann. Statt das Gespräch mit dem Vorgesetzten oder einen neuen Job zu suchen, ergibt man sich innerlich jedoch seinem langweiligen Schicksal und täuscht nach außen Stress vor - denn wer gibt schon gerne zu, wenig Leistung zu erbringen. Und einen neuen Job zu suchen ist ja so anstrengend. Außerdem: Wer weiß, ob man ihn findet und was für einen Vertrag man da bekommt. Im jetzigen Job ist man wenigstens sicher, auch wenn er langweilig ist.

Boreout: Anzeichen für Unterforderung

  • Man fühlt sich häufig unwohl.
  • Man ist gelangweilt und wenig motiviert.
  • Die Leistung wird schlecht.
  • Es kommt zu Leichtsinnsfehlern.
  • Man läuft unter seiner Leistungsfähigkeit.

Auswege aus dem Boreout

Für viele Boreout-Betroffene ist es bereits eine Erleichterung, zu erfahren, dass langfristige Unterforderung ebenso krank machenden Stress erzeugt wie Überforderung. Denn anders als Burnout-Patienten trauen sich Boreout-Betroffene oft nicht, ihr Problem zu kommunizieren und Hilfe zu suchen. Dabei bietet sich dadurch die Chance, Veränderungen einzuleiten und dem Leben wieder einen Sinn zu geben. Folgende Tipps können helfen, dem Boreout vorzubeugen bzw. einen Ausweg aus ihm zu finden:

Bestandsaufnahme

Um festzustellen, wie viel Zeit Sie täglich wirklich arbeiten bzw. mit anderen Dingen füllen, führen Sie über mehrere Tage ein Tagebuch. Dort schreiben Sie genau auf, was Sie wann tun.

Gespräch mit dem Vorgesetzten

Indem Sie geheim halten, wie es Ihnen geht, können Sie Ihre Situation nicht verbessern. Also trauen Sie sich, mit Ihrem Chef zu reden! Äußern Sie dabei ehrlich, dass Sie sich unterfordert fühlen und gerne neue Herausforderungen annehmen möchten. Legen Sie dem Chef Ihre vorhandenen Qualifikationen dar und machen Sie so deutlich, dass diese nicht zur aktuellen Tätigkeit passen. Überlegen Sie sich vorher, was Sie besonders interessieren würde. Bleiben Sie dabei aber realistisch: Überforderung ist schließlich genauso schlecht wie Unterforderung!

Arbeitgeberwechsel

Manchmal hilft nur die Kündigung, einem Boreout zu entkommen. Das Problem für Betroffene ist jedoch, dass sie immer weniger an die eigenen Fähigkeiten glauben. Zeigen sich bereits Boreout-Symptome, wie zunehmende Müdigkeit und Resignation, ist es umso schwieriger, sich eine neue Herausforderung zu suchen. Darum ist es wichtig, rechtzeitig zu reagieren, wenn Sie sich im Job langweilen! Findet man alleine keinen Ausweg, kann eine Psychotherapie helfen. Dabei lernen Betroffene, die eigenen Interessen und Ziele zu erkennen und erhalten Hilfestellung, wie diese Ziele erreicht werden können.

Sinn stiftende Freizeit

Wer Abseits des Jobs eine Sinn stiftende Beschäftigung findet, gerät seltener in ein Boreout. Das kann Nachbarschaftshilfe sein, die Mitarbeit bei Wohltätigkeitsorganisationen aber auch das Aufgehen in Hobbys.

Boreout: Die Rolle des Arbeitgebers

Arbeitgeber können viel tun, damit ihre Mitarbeiter nicht im Boreout landen. Dass sie dadurch auch dem Unternehmen selbst helfen, liegt auf der Hand: Nur mit motivierten, qualifizierten und gesunden Mitarbeitern kann ein Unternehmen erfolgreich sein. Das ungenutzte Potenzial von an sich engagierten Mitarbeitern, deren Fähigkeiten nicht erkannt und/oder nicht richtig eingesetzt werden, kostet viel Geld. Das österreichische Gallup-Institut beziffert den gesamtwirtschaftlichen Schaden durch fehlende Mitarbeitermotivation und dadurch geringere Produktivität mit rund 220 Milliarden Euro jährlich!

Klima des Vertrauens schaffen

Regelmäßig sollten Sie die Aufgabenverteilung im Unternehmen überdenken und das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen. Boreout lässt sich vorbeugen, indem Mitarbeitern vielfältige Arbeitsaufgaben, Leistungs- und Zeitvorgaben (nicht zu viel und nicht zu wenig!) und gleichzeitig Tätigkeits- und Gestaltungsspielräume übertragen werden. Alle Mitarbeiter sollten in die Informationskreisläufe einbezogen werden. Zudem sollten Arbeitnehmern Fortbildungen angeboten werden. Und natürlich beugen auch Tätigkeitswechsel, etwa durch Rotation, eine neue Funktion oder eine Beförderung von Zeit zu Zeit dem Ausgebranntsein durch Unterforderung vor.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Quellen

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