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Wespen & Bienen: 7 Tipps bei Stichen

Biene auf Blume
Wespen stürzen sich mit Vorliebe auf Süßes und Fleischiges, die Beute wird verteidigt - notfalls mit einem Stich, der für Allergiker besonders gefählich ist. (Alekss - Fotolia.com)

In diesem Sommer sind die Wespen besonders lästig. Wie Allergiker einen Stich vermeiden können bzw. was im Notfall zu tun ist, zeigen die folgenden 7 Tipps.

Rund 300.000 Menschen Österreicher reagieren auf einen Bienen- oder Wespenstich allergisch. "Erstes Warnzeichen kann eine Quaddel an der Einstichstelle sein. Das ist zwar unangenehm, aber soweit noch kein Grund zur Panik. Bedrohlich wird es, wenn der Hautausschlag nicht nur lokal, sondern am ganzen Körper auftritt", wie Assoz.Prof. Dr. Gunter Sturm vom Allergieambulatorium Reumannplatz erklärt. "Es kann zu Schwellungen im Gesicht oder Hals kommen. Kribbeln an den Hand- und Fußinnenflächen, Übelkeit, Atemnot, Schwindel sind weitere Alarmzeichen." Dann beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn binnen weniger Minuten kann sich die allergische Reaktion bis zum lebensbedrohlichen Kreislaufschock ausweiten, daher sofort die Rettung rufen und Erste Hilfe leisten.

Tipp 1: Wie Sie Stiche vermeiden

Vorbeugend kann Folgendes helfen:

  • Ruhig bleiben: Wenn Bienen oder Wespen in der Nähe sind, sollten Sie hektische Bewegungen vermeiden.
  • Lebensmittel abdecken: Insekten finden unsere Nahrungsmittel einfach sehr verlockend, sobald die Leckereien unbeaufsichtigt sind (z.B. bei einem Picknick) unbedingt abdecken.
  • Achtung Dose: Nie aus einer Dose oder Flaschen trinken, die eine Zeit lang unbeaufsichtigt war. Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln lieben Flüssiges, kriechen in das Gebinde und wehren sich dann mit einem Stich in die Lippe oder Zunge.
  • Nicht barfuß gehen: Die Schuhe auf einer Blumenwiese anlassen.

Tipp 2: Maßnahmen nach Stichen

 Hat das Insekt gestochen, ist die Frage, wie der Körper darauf reagiert:

  • Wenn möglich und (bei der Biene) sichtbar, den Insektenstachel rasch wegkratzen. Nur so lässt sich verhindern, dass der gesamte Inhalt der Giftblase in den menschlichen Körper gespritzt wird.
  • Die Einstichstelle beobachten: Wenn sich ausschließlich die Haut rund den Einstich rötet, ist das zwar unangenehm, aber nicht weiter tragisch. Kühlen lindert.

Tipp 3: So erkennen Sie eine schwere allergische Reaktion

Tritt der Hautausschlag nach einem Insektenstich jedoch nicht nur lokal, sondern am ganzen Körper auf, löst die übermäßige Histamin-Ausschüttung eine Kettenreaktion aus: Blutgefäße weiten sich aus, der Blutdruck fällt rapide ab, das Atmen fällt schwer, lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn können nicht mehr ausreichend versorgt werden, das Herz beginnt zu rasen, der Kreislauf bricht zusammen. Zusätzlich tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen aus und lagert sich im Gewebe an. Bilden sich diese Schwellungen im Halsbereich, ist massive Atemnot die Folge.

Bei folgenden Symptomen einer Insektengiftallergie sollten Sie sofort die Rettung rufen:

  • Juckreiz an mehreren Körperstellen (v.a. Handflächen, Fußsohlen)
  • Rötung am ganzen Körper (juckender Nesselausschlag)
  • Anschwellen von Lippen, Augen, Gesicht oder Hals
  • Juckende, rote, tränende Augen
  • Rinnende oder verstopfte Nase
  • Husten, Atemnot, Erstickungsgefühl
  • Übelkeit bis zum Erbrechen
  • Schluck- und Sprechbeschwerden
  • Schweißausbruch, Herzklopfen, Todesangst
  • Bewusstseinsverlust

Tipp 4: Erste Hilfe bei einem allergischen Schock

Bis zum Eintreffen der Rettung den Betroffenen hinlegen und die Beine hochlagern, um den Kreislauf zu stabilsieren. Bei Verlust des Bewusstseins, stabile Seitenlagerung. Prüfen, ob der Betroffene noch atmet, wenn nicht, Mund-zu-Mund Beatmung durchführen.

Der Notarzt verabreicht in erster Linie ein Antihistaminikum, das die Schleimhäute abschwellen lässt und den Kreislauf stabilisiert, ev. ist auch die Gabe von Adrenalin nötig (intravenös).

Schweregrade Allergie

Tipp 5: Warum Allergiker eine Therapie machen sollten

Trotz der möglichen akuten Lebensgefahr bei einem Kreislaufschock wird eine Insektengift-Allergie häufig nicht ausreichend ernst genommen. Prof. Sturm: "Viele Allergiker suchen erst Jahre später einen Arzt. Dabei verpassen sie die wichtige Chance, sich mit der spezifischen Immuntherapie langfristig und sicher zu schützen. Nur 2 von 10 Behandlungsbedürftigen sind in Therapie“.

Eine spezifische Immuntherapie, die die Krankenkasse zahlt, können sich allergische Personen - auch Kinder - nahezu zu 100% schützen.Im Zuge dieser Behandlung wird der Allergie-Auslöser in anfangs steigender Dosierung in den Oberarm injiziert. Nach dieser Aufdosierungsphase ist 3 bis 5 Jahre lang nur noch eine Spritze etwa alle 4 bis 8 Wochen nötig. Der Körper gewöhnt sich nachhaltig an das Insektengift, wodurch die allergische Reaktion ausbleibt oder zumindest deutlich schwächer ausfällt. Der Erfolg zeigt sich bereits nach einer kurzen Behandlungszeit und ist auch jetzt im Sommer - in einer "Schnellimpfvariante" - möglich.

Eine Reaktion, die über eine lokale Hautreaktion hinausgeht, sollte unbedingt bei einem allergologisch versierten Facharzt bzw. in einem Allergieambulatorium oder einer Allergieambulanz im Krankenhaus abgeklärt werden. Eine Insektenallergie wird mit Hilfe eines Hauttest und eines Bluttests festgestellt, das Blut wird auf Allergen-spezifische Antikörper (IgE) untersucht. Dadurch lässt sich gezielt herausfinden, welches Tier die Allergie auslöst.

Tipp 6: Allergiker sollten besonders Bienen meiden

Weltweit ist die Honigbiene einer der wichtigsten Allergieauslöser. Die Biene verfügt über einen Wehrstachel, den sie nur benutzt, wenn sie in Bedrängnis gerät. Außerhalb ihres Nestes ist die Biene nicht aggressiv. Doch sticht sie zu, bleibt der Stachel mitsamt der Giftblase hängen und kann auch nach dem Stich noch Gift einspritzen. Die abgegebene Giftmenge ist dabei beträchtlich, etwa 10 Mal wie bei einem Wespenstich. Nach einem Bienenstich ist es wichtig, den Stachel möglichst rasch zu entfernen.

Insektenarten

Tipp 7: Vorsicht bei Wespen

In Österreich sind Wespen die häufigsten Auslöser von allergischen Stichreaktionen. Die Wespe selbst ist zwar Vegetarier, aber ihre Larven benötigen Fleisch zum Wachsen. Das ist der Grund, warum Wespen sich im Sommer und Herbst nur allzu gern an unseren Tischen bedienen und dabei auch aggressiv werden.

Wespen benutzen ihren Stachel zur Jagd, weswegen sie mit ihrem Gift gut haushalten müssen. Ein Wespenstich kann daher ganz unterschiedliche Mengen Gift beinhalten. Das bedeutet für den Allergiker große Unsicherheit. Das eine Mal fällt die allergische Reaktion eher harmlos aus, ein anderes Mal reagiert der Körper extrem auf den Wespenstich.

Weiterführende Informationen

  • Telefon-Hotline 01/212 60 60: Bei dieser Hotline der Informationsplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) gibt es Adressen von Krankenhäusern in ganz Österreich, die eine Insektengift-Immuntherapie anbieten.

Quellen

  • Pressegespräch "Allergie gegen Biene & Wespe. Kleiner Stich mit schweren Folgen"

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