Partnerschaft: 4 Krisenfälle und ihre Bedeutung

Ein Seitensprung ist ein sicheres Indiz dafür, dass in der Beziehung etwas schiefläuft. (dmitrimaruta / Fotolia)

Gehen oder bleiben? Das ist eine schwierige Frage, wenn man in der Beziehung auf eine Krisensituation stößt. Beziehungscoach Dominik Borde beleuchtet die Hintergründe der Krisenfälle.

Bin ich noch glücklich in der Beziehung? Und wie sieht es eigentlich bei meinem Partner aus? Was sich jeder ab und an einmal fragt, wird umso drängender, wenn es kriselt. Ein Seitensprung, ständiger Streit - oder ein kompletter Rückzug aus der Kommunikation und geistiges Abstandnehmen - sind Herausforderungen, die nicht leicht zu meistern sind. Leider gibt es kein Patentrezept, wie Paare mit solchen Situationen umgehen sollten und ob eine Trennung und ein Neubeginn mit einem anderen Partner sie auf Dauer glücklicher macht. Beziehungscoach Dominik Borde erklärt gegenüber gesund.at, was 4 Krisenfälle für die Partnerschaft zu bedeuten haben.

Übersicht

Krisenfall 1: Seitensprung

"Untreue wird ja immer als einer der Hauptgründe für eine Trennung angegeben", weiß Borde. "Aber wenn man genauer hinschaut, dann sieht man, dass der Seitensprung - vor allem, wenn er ein einmaliges Erlebnis ist - oft nur das Tüpfelchen auf dem i war, ein letztes Signal dafür, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt." Laut einer sehr bekannten Studie aus den 1990er-Jahren reagieren Männer auf sexuelle Untreue ihrer Partnerin eifersüchtiger, während sich Frauen durch emotionale Untreue ihrer Partner stärker verletzt fühlen.

"Viele Paare trennen sich nach einem Seitensprung. Aber nicht alle. Denn oftmals kann ein Seitensprung auch ein Wachrütteln sein, weil beide Partner erkennen, dass sie an ihrer Beziehung arbeiten möchten", erklärt Borde. Dabei kommt es auch darauf an, wie leicht das Hinwegkommen über die Kränkung fällt: Muss man beim Sex immerzu daran denken, wie sich der Partner wohl mit seiner Affäre vergnügt hat, wird es schwierig, so weiterzumachen wie vor dem Seitensprung.

Krisenfall 2: Streit

Steht bei Paaren, wo es ständig kracht, bald eine Trennung ins Haus? Nein, sagt Beziehungscoach Borde: "Streit ist per se kein Indikator für den Zustand einer Beziehung. Solange Paare noch streiten, besteht noch Hoffnung für die Beziehung. Da sind noch Emotionen da, auch wenn es in diesem Moment negative sind. Aber der andere ist mir nicht egal." Voraussetzung ist jedoch, dass eine gewisse Streitkultur gewahrt wird: gegenseitige Schuldzuweisungen, gehässige Äußerungen und Sarkasmus haben in einem lösungsorientierten Gespräch nichts verloren.

John Gottman und Robert Levenson analysierten, wann sich Paare am ehesten scheiden lassen. Wenn sehr viele negative Emotionen aufgestaut sind, trennten sich die Paare früher, weil die dauerhaft schlechte Stimmung die Ehe belastete. Aber auch jene Paare, die gar keine Gefühle mehr zeigten und sich in die Gleichgültigkeit zurückzogen, ließen sich scheiden - allerdings erst später, da keine Emotionen scheinbar leichter auszuhalten sind als negative.

Krisenfall 3: Stille

"Für mich ein absolutes Warnsignal ist, wenn es still wird in einer Beziehung. Wenn die Partner nur noch über Kinder oder Terminplanung miteinander reden, große Entscheidungen im Alleingang treffen, nichts mehr miteinander unternehmen und sich auch nichts mehr zu sagen haben, dann ist jeder Rettungsversuch schon sehr schwierig", warnt Borde. Und fügt an: "Aber nicht unmöglich. Solange noch ein Fünkchen Liebe da ist, lohnt es sich zu kämpfen." Dazu müssen die Partner aber wieder einen Schritt aufeinander zugehen und sich eventuell auch Hilfe holen, um wieder eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden.

Krisenfall 4: Einzelkämpfertum

In einer Beziehung kann es immer wieder einmal vorkommen, dass phasenweise ein Partner aktiver ist und sich mehr um die Beziehung bemüht. Das sollte aber kein Dauerzustand sein, irgendwann müssen wieder beide an einem Strang ziehen und der Beziehungsarbeit eine Priorität einräumen. Borde meint dazu: "Wenn nur einer alleine kämpft und sich der andere im Geiste schon verabschiedet hat, nützt wohl auch der engagierteste Einsatz nichts mehr. Dann ist es Zeit für einen Abschied."

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Dominik Borde, MSc

Beziehungscoach, Trainer und Autor in Wien

Website

Quellen

Mehr zum Thema