Beschwerden in der Schwangerschaft

Beschwerden Schwangerschaft: Schwangere mit Babybauch
Morgenübelkeit & Co: Beschwerden in der Schwangerschaft sind nicht selten. (Johannes Hloch)
Schwanger-Sein ist eine Zeit des Wartens und Hoffens, der Freude und mitunter auch der Sorge. Beschwerden während der Schwangerschaft sind nicht so selten, aber meistens harmlos.

Risiken hingegen behält der Gynäkologe durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Auge. Durch eine moderne Pränataldiagnostik und ein umfassendes Vorsorgeprogramm, den Mutter-Kind-Pass, ist das möglich. Andererseits können individuelle Faktoren dazu beitragen, dass es zu Komplikationen kommt. Die häufigsten davon, die ausschließlich die Mutter betreffen, sind Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes), Bluthochdruck - oder schlicht und einfach: Übelkeit.

Morgenübelkeit: Häufigste Beschwerde in der Frühschwangerschaft 

Übelkeit vor allem frühmorgens: viele Schwangere kennen diese Beschwerden. Nahrungsmittel, die früher geschmeckt haben, erregen Abscheu. Schwangerschaftsübelkeit ist eine ganz normale Erscheinung. Sie tritt vor allem in den ersten 3 Monaten auf und vergeht dann wieder. Die Ursachen dafür sind noch nicht restlos geklärt. Wissenschafter sind der Ansicht, dass ein bestimmtes Schwangerschaftshormon dabei eine wesentliche Rolle spielt.

Mediziner bezeichnen die Übelkeit mit Erbrechen als "Emesis", wenn es sich um die "normale" Schwangerschaftsübelkeit handelt. Von "Hyperemesis" spricht man, wenn die Frau an übermäßigem Schwangerschaftserbrechen leidet. Mütter, die mit diesem Problem kämpfen, sollten unbedingt mit ihrem Arzt sprechen. Es gibt Möglichkeiten, diese Beschwerden zu lindern; unter Umständen ist auch ein kurzer Klinikaufenthalt sinnvoll.

Diabetes in der Schwangerschaft

Als Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet man jene Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft entsteht und danach wieder vergeht. Das Risiko,  Gestationsdiabetes zu entwickeln, nimmt weltweit zu und betrifft etwa 10 bis 20 % aller Schwangeren. Mittlerweile sind einige Risikofaktoren nachgewiesen, die in engem Zusammenhang mit der Entstehung der Erkrankung stehen, wie Übergewicht, familiäre Belastung, starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft oder Bluthochdruck. Schwangere Frauen mit Gestationsdiabetes haben meist keine Beschwerden. Dennoch birgt diese Diagnose für die Frau das Risiko, in späteren Jahren an Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) zu erkranken. Für ungeborene Föten besteht ebenfalls ein Risiko, wenn Mütter während der Schwangerschaft nicht behandelt werden. Durch das Überangebot an Blutzucker haben diese Kinder oft ein hohes Geburtsgewicht (das Komplikationen bei der Geburt zur Folge haben kann). Andererseits sind die Organe der Kinder oft unreif. Dadurch ergeben sich häufiger Probleme mit der Atmung, Neugeborenengelbsucht usw.

Mit Hilfe des Zuckerbelastungstests, dem sogenannten oralen Glukosetoleranztest (oGTT), kann die Krankheit erkannt werden. Dabei gibt der Blutzuckerwert Aufschluss darüber, ob ein Gestationsdiabetes vorliegt oder nicht. Im Falle einer positiven Diagnose muss die werdende Mutter einen Diätplan einhalten und lernen, wie sie ihren Blutzucker selbst messen und kontrollieren kann. In hartnäckigen Fällen ist eine (vorübergehende) Insulintherapie notwendig. Auch moderate Bewegung unterstützt die Therapie. Üblicherweise verschwindet die Erkrankung nach der Schwangerschaft wieder. Ist eine weitere Schwangerschaft geplant, sollte schon frühzeitig ein oGTT-Test durchgeführt und während der gesamten Schwangerschaft die Blutzuckerwerte kontrolliert werden.

Bluthochdruck - ein stilles Risiko

Eine der gängigen Erkrankungen, die während der Schwangerschaft auftreten kann, ist die Schwangerschaftshypertomie, also schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck. Diese Erkrankung muss sofort behandelt werden, da sie einerseits die Blutversorgung des Fötus verschlechtert, andererseits sich über eine Präeklampsie (Bluthochdruck, Ödeme, vermehrte Eiweißausscheidung im Harn) zu einer Eklampsie entwickeln kann. Hier kommt es zu Krampfanfällen der Mutter im lebensbedrohlichen Zustand für Mutter und Kind. Nur bei wenigen Frauen verläuft die Erkrankung schwer, sie müssen im Krankenhaus therapiert werden. Bei der Mehrzahl der Schwangeren reicht leichte medikamentöseTherapie mit regelmäßiger Blutdruckkontrolle aus.

Blutungen - viele mögliche Ursachen

Blutungen während der Schwangerschaft müssen ernst genommen werden. Sie können in der Frühphase mögliche Anzeichen z.B. für eine Eileiterschwangerschaft, für eine drohende Fehl- oder Frühgeburt sein oder später auf eine sich vorzeitig ablösende Plazenta aufmerksam machen. Blutungen, die von Schmerzen begleitet sind und stärkere Blutungen, müssen unbedingt im Krankenhaus behandelt werden. Die werdende Mutter muss unverzüglich - liegend - in eine Klinik gebracht werden. Eine vorzeitige Plazentaablösung ist mit der Häufigkeit von unter 1 % zwar selten, doch umso gefährlicher. Ist das Kind bereits lebensfähig, wird höchstwahrscheinlich ein Kaiserschnitt eingeleitet. Die Ursachen für eine vorzeitige Plazentaablösung sind vielfältig: so kann z.B. ein Sturz oder ein Schlag das Ablösen des Mutterkuchens von der Plazenta hervorrufen. Weitere Risikofaktoren sind erhöhter Blutdruck und Präeklampsie. Bleibt dies unbehandelt, kann es bei der Mutter zu einem Schock durch Blutverlust und beim Baby zu einer Sauerstoff-Unterversorgung kommen.

Wenn das Baby falsch liegt

Üblicherweise kommen 95 % der Babys mit dem Kopf voran zur Welt, die Beine sind angezogen. Diese Haltung nimmt der Sprössling etwa 4 Wochen vor der Geburt ein. Manche Kinder entscheiden aber anders. Sie wollen sich einfach nicht umdrehen und bleiben in ihrer ganz persönlichen Geburtslage verharren: Die häufigste dabei ist die Beckenendlage. Das Baby "sitzt" in der Gebärmutter - Kopf oben, Popo nach unten. Die Beine können entweder nach oben gestreckt oder angezogen sein. Eine solche Lageanomalie ist mit einem 2 %-igen Risiko für Komplikationen bei der Geburt und Folgeschäden für das Kind verbunden. In diesem Fall entscheiden Gynäkologen üblicherweise für eine Entbindung mit Kaiserschnitt. Dank moderner medizinischer Möglichkeiten, wie z.B. einer Epiduralanästhesie, also einer lokalen Narkose mittels "Kreuzstiches", sind Mütter meist am selben oder spätestens am Tag nach der Geburt wieder fit.

Anfällig für Infektionen

Während der Schwangerschaft verändern sich die Abläufe im Körper der Mutter ständig. Daher ist auch die Immunabwehr geschwächt und Mutter (und Kind) sind anfälliger für Infektionen. Ein Risikofaktor dabei sind Lebensmittel, auf die man in der Schwangerschaft besser verzichten sollte (Speisen mit rohen Eiern, Rohmilchprodukte, usw.).

Die Erkrankung Listeriose kann durch unsaubere Salate und Gemüse übertragen werden und bringt ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko mit sich.

Rohes oder nur halb durchgebratenes Fleisch wie Steaks oder Beef tartare können auch vom Einzeller Toxoplasma gondii befallen sein und Toxoplasmose hervorrufen. Da nach einer erfolgten Toxoplasmeninfektion eine dauernde Immunität besteht, sind manche Frauen schon vor der Schwangerschaft immun. Mütter in spe, die sich erstmals infizieren, können Fehl- oder Totgeburten erleiden, beim Ungeborenen können Schäden am Zentralnervensystem entstehen.

Erhöht anfällig sind Schwangere für Salmonellen, die durch tierische Produkte, vor allem Fleisch, durch Eier oder Rohmilch übertragen werden. Um sich vor Ansteckung zu schützen, sind in erster Linie hygienische Maßnahmen sinnvoll, also gründliches Händewaschen, Abtrocknen in Einmalhandtüchern, gründliche Reinigung des Kühlschranks und weitgehender Verzicht auf Risikolebensmittel.

Medizinischer Experte

Dr. Andrea Grasl

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Gesundheitskompass

Quellen

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