Bandscheibenvorfall: So wird behandelt

Frau erklärt anhand einer Skelettwirbelsäule, wie Wirbeln und Muskeln zusammenspielen
Nach einem Bandscheibenvorfall ist es wichtig, die Muskeln zu stärken, die den Rücken stützen. (RioPatuca Images - Fotolia.com)

Bei den meisten Bandscheibenvorfällen reichen eine medikamentöse Therapie und eine körperliche Schonung aus. Anschließend sollte mit intensiver Krankengymnastik begonnen werden.

Dies führt bei 90 % der Betroffenen zu einer nachhaltigen Besserung ihrer Symptome. Der Arzt verordnet in der Regel schmerzstillende, entzündungshemmende Medikamente, oft kommen in der Akutphase auch zusätzlich muskelentspannende Arzneien zum Einsatz. Unterstützend wirkt Wärme auf die Muskulatur. Sie fördert die Durchblutung des betroffenen Gebietes. Dabei kommen bei einem Bandscheibenvorfall auch wärmende Salben, Wärmegürtel, Wärmeflaschen oder auch Fango-Packungen zum Einsatz. Bei Schmerzen im Nackenbereich kann in speziellen Fällen die kurzfristige Anwendung einer angepassten Halskrawatte in der Akutphase hilfreich sein.

Übersicht

Bandscheibenvorfall: Gezielte Physiotherapie

Tritt unter ambulanten Bedingungen keine Besserung auf, kann eine stationäre Aufnahme mit vielfältiger Schmerztherapie oft auch noch helfen (Infusionstherapie, Physiotherapie, Bildwandler- oder CT-gezielte Blockaden, psychologische Betreuung…).Bandscheiben_Behandlung_2

Nach dem Abklingen der akuten Beschwerden soll eine intensive Krankengymnastik (Physiotherapie) und Bewegungstherapie durchgeführt werden. Dabei werden Rücken- und Bauchmuskulatur trainiert, die Haltung
wird verbessert und neuerlichen Fehlbe-lastungen vorgebeugt.

Zeigt sich nach 6 Wochen Behandlung keinerlei Besserung oder kommt es zu einer Ver- schlechterung von anfänglich leichten Lähmungserscheinungen, ist eine Operation notwendig.

Der Gold-Standard für die Bandscheiben-operation ist die Mikrodiscektomie, also
die Bandscheibenoperation über einen minimal-invasiven Zugang unter Ver- wendung des Operationsmikroskopes. Die meisten Operierten verspüren danach eine deutliche Besserung der Beschwerden. Sollten zusätzliche Grunderkrankungen wie z.B. ein sogenannter Gleitwirbel vorhanden sein, so müssen diese mitbehandelt werden.

Bandscheibenvorfall: Was kann der Betroffene tun?

  • Schmerzmittel sollten mit dem Arzt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein und nur gezielt eingenommen werden.
  • Da jede Bewegung beim Schlafen Schmerzen verursachen kann, ist es wichtig, auf die Schlafposition zu achten. Erleichterung kann die Verwendung eines Polsters bringen, der in Seitenlage unter einen Fuß geschoben wird.
  • Der Einsatz von orthopädietechnischen Hilfsmitteln wie Lumbalbandagen kann ebenfalls hilfreich sein.
  • Physiotherapie unterstützt, Verspannungen abzubauen, Fehlhaltungen zu korrigieren und den Körper zu stabilisieren. Medizinische Trainingstherapie kann viel zum Muskelaufbau beitragen, die Übungen für die Wirbelsäule müssen regelmäßig durchgeführt werden.
  • Eine gestärkte Rücken- und Bauchmuskulatur kann das Risiko für einen Bandscheibenvorfall senken. Ein gezieltes Training der Bauch- und Rückenmuskulatur unterstützt die Wirbelsäule in ihrer Arbeit.
  • Heben immer mit geradem Rücken und gebeugten Knien.
  • Durch gezieltes Abnehmen lastet weniger Gewicht auf den Bandscheiben. Neben einer Ernährungsumstellung ist Bewegung von großer Bedeutung, um das Gewicht langfristig zu senken und anschließend zu halten. Wichtig ist aber beim Abnehmen der gleichzeitige Muskelaufbau, da primär nach der Entwässerung immer Muskel abgebaut wird!
  • Bei sitzenden Tätigkeiten auf ergonomisches Sitzen achten und regelmäßig Bewegungspausen einlegen.

Bei chronischen Schmerzen sollte ein Psychiater die Behandlung begleiten.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim. Doz.

Dr. Gerd Ivanic

Orthopädie

Leiter des Orthopädischen und Kardiologischen Instituts (OK-Institut) der Privatklinik Graz Ragnitz

Quellen

  • Medizinwissen von A-Z, Andreae et al., TRIAS Verlag, 1. Auflage, Stuttgart 2006
  • Neurologie, K.F. Masuhr et al., Thieme Verlag, 6. Auflage, Stuttgart 2007 Handbuch Mikronährstoffe, L. Burgerstein, Haug Verlag, 11. Auflage, Stuttgart 2007
  • Klinische Neurologie, P. Berlit, Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin-Heidelberg 2011

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