Babys lernen Worte im Schlaf

Baby spielt mit Ball
Im Schlaf bilden Babys Bild-Wort-Kategorien. (Oksana Kuzmina - Fotolia.com)

Nach einem kurzen Schläfchen kennen Babys plötzlich neue Worte für bisher unbekannte Gegenstände. Deutsche Forscher fanden heraus, wie sich das Gehirn im Schlaf verändert.

Die Stunden, die wir schlafend verbringen, sind für unser Gehirn keine "verlorene Zeit". Unsere Nervenzellen benötigen diese tiefe Ruhephase, um Erlebtes innerlich zu wiederholen und mit bisher Bekanntem sinnvoll zu verknüpfen. Dadurch werden bereits vorhandene Nervenverbindungen gestärkt, Nerven neu verbunden oder Schnittstellen abgebaut: Ganz, wie es in Anbetracht des neu gewonnenen "Inputs" sinnvoll erscheint. Wissenschafter des Max-Planck-Instituts wiesen diesen Prozess bei Babys nach. Ein Schläfchen nach einer Lernphase erhöht den Erfolg bei der Zuordnung neuer Worte.

Objekte richtig benennen

Eltern brachten ihre 9 bis 16 Monate alten Babys zur spielerischen Untersuchung an das Max-Planck-Institut. Dort wurden den Kleinen verschiedene Phantasie-Gegenstände mit erfundenen Namen gezeigt. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Babys zuvor noch keinen Kontakt mit ähnlichen Dingen oder Worten gehabt hatten. Die Ausgangsbasis war für alle Kinder gleich.

Teilweise waren die Objekte einander sehr ähnlich, ein kleiner Unterschied bestand lediglich in Form oder Farbe. Der Begriff für die gezeigten Dinge war jedoch konstant.

Kategorien im Schlaf gebildet

Anschließend durfte die Hälfte der Kinder ein Schläfchen machen, die andere Hälfte blieb wach. 2 Stunden später maßen die Wissenschafter den Lernerfolg. Per EEG (Elektroenzephalogramm) wurden zudem die Gehirnströme gemessen. Das Ergebnis: Alle Kinder kannten neue Worte und konnten diese dem entsprechenden Gegenstand zuordnen. 

Ein klarer Unterschied bestand jedoch in der Fähigkeit, ähnliche Objekte in Wort-Kategorien einzuordnen. Die Kinder, die ein wenig geschlafen hatten, konnten den Namen auch dann noch richtig mit einem Ding verbinden, wenn dieses eine andere Farbe oder Größe hatte. Bei den wach gebliebenen Babys war das nicht der Fall. Auch die EEG-Aufzeichnungen wiesen unterschiedliche Gehirnaktivitäten nach, je nachdem ob das Baby zuvor geschlafen hatte oder nicht. Im Schlaf hatten die Babys also sinnvollere Gehirnverbindungen zu Wort-Bild-Paaren gebildet, wie es im Alltag wichtig ist.

Schließlich sieht in der Realität ein Apfel oder ein Auto nicht immer gleich aus, es gibt stets Variationen - der Überbegriff bleibt jedoch ident. "Das wache Baby-Gehirn vergisst neu gelernte Benennungen schnell wieder. Im Schlaf werden die Wörter jedoch dauerhafter mit den Objekten verknüpft und prägen sich ein.", so die Studienleiterin.

Ist das Baby-Gehirn besonders?

Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Lernprozess bei Erwachsenen ähnlich gestaltet. Deshalb haben Menschen mit Schlafstörungen häufig auch Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme. Babys bilden Gehirnverknüpfungen besonders einfach, doch dieser Vorgang ist ein Leben lang nicht abgeschlossen. Selbst im hohen Alter können noch neue Nervenzellen gebildet oder anders "verschaltet" werden. Schlaf ist für diesen Prozess absolut notwendig.

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Anders als häufig angenommen, nutzen wir tagtäglich unser gesamtes Gehirn, nicht etwa nur 10 %. Selbst für einfache Vorgänge wie Gehen oder Sprechen kommen mehrere Gehirnregionen zum Einsatz. (freshidea - Fotolia.com)

Quellen

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