Weinen und Schreien: Babys Sprache verstehen lernen

Weinen und Schreien: Babys Sprache verstehen lernen: Mutter kümmert sich um weinendes Baby
Der häufigste Grund, warum Neugeborene schreien, ist Hunger. (Johannes Hloch)

Der erste Schrei nach der Geburt löst noch Entzücken bei den Eltern aus. Doch in den darauffolgenden Wochen und Monaten wünschen sie sich oft, das Baby möge ein bisschen ruhiger sein.

Denn alle Babys weinen oder schreien, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Eltern sollten deshalb versuchen, gelassen zu bleiben. Diese "Sprache des Babys" werden sie mit der Zeit zunehmend verstehen; sie werden darauf immer besser eingehen können, und das Baby wird immer weniger schreien. Und irgendwann wird das Kind gelernt haben, sich auch auf andere Arten mitzuteilen.

Warum schreien Babys?

Gerade wenn sie zum ersten Mal Eltern geworden sind, kann das Schreien des Babys Paare ganz schön zur Verzweiflung bringen. Doch was kann ein Säugling anderes tun, wenn ihn etwas stört, er sich unwohl fühlt? Nur über das Schreien kann das Baby anfangs mitteilen, dass es ein Bedürfnis hat. Also sollten Eltern Schreien als Sprache des Babys akzeptieren. Schon das nimmt oft viel Druck. Diese Sprache des Babys genau zu verstehen, fällt frischgebackenen Eltern jedoch häufig schwer. Aber mit der Zeit werden sie immer besser heraushören, was ihrem Baby fehlt. Das Baby kann wegen vieler verschiedener Gründe schreien. Kennt man sie, kann man überprüfen, was das Baby weinen lässt und ihm helfen. Eine kleine Checkliste:

Ich habe Hunger!

Der häufigste Grund, warum Neugeborene schreien, ist Hunger. Ein Neugeborenes braucht alle 2 bis 4 Stunden seine Milch, da der kleine Bauch nur kleine Mengen aufnehmen kann. Sie halten das Baby aber auch nur für kurze Zeit satt.

Ich bin müde!

Neugeborene brauchen sehr viel Schlaf. Weil alles auf dieser Welt neu für sie ist, müssen sie viel verarbeiten. In den ersten Wochen schaffen es Babys etwa 45 bis 60 Minuten lang, wach zu bleiben. Dann zeigen sie meist schon wieder, dass sie schlafen wollen. Eltern sollten auf diese regelmäßigen Pausen achten, sonst besteht die Gefahr, dass das Kind zu viele Reize zu verarbeiten hat, sich in Rage schreit und trotz unglaublicher Müdigkeit nur sehr schwer in den Schlaf findet.

Es ist unbequem!

Neugeborene können sich noch nicht selbst umdrehen. Sie können auch selbst nichts gegen ein zwickendes Kleidungsstück oder eine volle, zu enge oder drückende Windel unternehmen. Also ist Schreien auch hier Babys Lösung, um die Eltern auf sich aufmerksam zu machen. Das Baby frisch zu wickeln ist oft einen Versuch wert, um das Schreien zu beenden. Viele Babys fühlen sich nackt auf der Wickelkommode sehr wohl - wenn es warm genug ist - und kleine Spielchen dabei können es auch von anderen Dingen gut ablenken, die vielleicht zu seinem Unmut geführt haben.

Ich brauche dich!

Ein Neugeborenes war noch vor kurzer Zeit immer mit seiner Mutter verbunden: Es lag in ihrer weichen Gebärmutter, wurde permanent über die Nabelschnur versorgt und hörte ihren Herzschlag. Eigentlich klar, dass es sich in den ersten Lebenswochen dann schnell alleine fühlt. Also kann es auch einfach sein, dass es mit dem Schreien seine Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit und Körperkontakt ausdrückt. Eltern sollten viel mit ihrem Baby kuscheln, es sanft wiegen und herumtragen - zu viel innige Nähe gibt es in den ersten Lebenswochen gar nicht. Der innige Kontakt vertieft das Urvertrauen (Bonding) des Babys immer weiter und gibt ihm Sicherheit.

Ich friere oder schwitze!

Babys können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren, deshalb kann ihnen schnell zu kalt oder zu warm werden. Manche weinen beim Wickeln, weil schon die Luft auf der Haut zu kalt ist. Auf der anderen Seite kann dem Baby auch schnell zu warm werden: Ziehen Sie es nicht übermäßig dick an; höchstens eine Schicht mehr, als Sie selbst tragen würden! Denn Überwärmung gilt als ein Risiko für den plötzlichen Kindstod. Ob dem Baby zu warm oder zu kalt ist, überprüft man am Nacken oder Bauch. Die Temperatur von Händchen und Füßchen ist nicht aussagekräftig.

Ich fühle mich unwohl!

Auch wenn Eltern all die Gründe oben ausschließen können, gibt es dennoch Zeiten, in denen das Baby weiter weint. Dahinter kann ein Infekt stecken, der ihm zu schaffen macht. Aber vielleicht hat das Baby auch einfach gerade viel zu verarbeiten und lässt sich deshalb durch nichts beruhigen. Wenn sie den Grund nicht ausmachen können, sollten Eltern auf die Tonlage achtgeben, in der das Kind schreit. Schreit es viel höher als sonst, stecken vielleicht Schmerzen dahinter. Dann sollten sie mit dem Baby zum Kinderarzt. Er kann organische Ursachen, wie Verdauungsprobleme, Milcheiweiß-Unverträglichkeit, Reflux (Sodbrennen) oder andere Erkrankungen für das viele Schreien ausschließen.

Schreit das Baby besonders schrill, ist oft eine Reizüberflutung schuld. Kommt es regelmäßig vor, dass sich das Kind einfach nicht beruhigen kann, sprechen Experten von frühkindlichen Regulationsstörungen, einer Unreife in der Schlaf-Wach-Regulation. Der Volksmund nennt solche Kinder Schreibabys. Auch dann gibt der Kinderarzt Hilfestellung. Zudem sollte er sofort kontaktiert werden, wenn das Baby vor lauter Schreien Atemnot bekommt oder es erbricht.

Wie viel Schreien ist (noch) normal?

Alle Babys weinen - selbst ganz glückliche und gesunde. Sie quäken täglich zwischen 1 und 3 Stunden. Man kann auch nicht erwarten, dass ein Neugeborenes immer mucksmäuschenstill ist und seine neugewonnene Stimme nicht gebraucht. Doch 20 % aller Neugeborenen schreien extrem viel und werden daher als Schreibabys bezeichnet. Als Abgrenzung zu normalem Schreien gilt die "Dreier-Regel": Schreien von mindestens 3 Stunden pro Tag, an mehr als 3 Tagen in der Woche und über den Zeitraum von 3 Wochen hinaus. Durch das Luftschlucken beim Schreien kann es zu Blähungen und Bauchkrämpfen kommen. Nicht umgekehrt, wissen Experten heute. Trotzdem wird das als "exzessives Schreien" bezeichnete Baby-Gebrüll häufig immer noch als "Dreimonatskolik" bezeichnet. Denn typischerweise beginnt es in der 2. Lebenswoche und endet meist mit 4 Monaten.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Kathrin Koller

Hebamme

Quellen

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