Arztsuche: Der richtige Arzt für mich

Arztsuche: Der richtige Arzt für mich: freundliche Ärzte
Beim Wahlarzt können bis zu 80 % der Ausgaben rückerstattet werden. (michaeljung - Fotolia.com)
Keine Extrakosten, dafür lange Wartezeiten in den Praxen und teilweise gestresste Ärzte? Oder doch lieber schnell einen Termin, viel Zeit zum Besprechen von Anamnese, Diagnose und Behandlung und dafür das Arzthonorar ganz oder zum Teil selbst bezahlen?

Als Patient bleibt bei der Arztsuche die Qual der Wahl. Kassen-, Wahl- oder Privatärzte unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf die Kosten. Im Gegensatz zum Wahlarzt sind bei einem Privatarzt die Kosten voll und ganz selbst zu tragen. Beim Wahlarzt hingegen können bis zu 80 % der Ausgaben rückerstattet werden. Hilfestellung geben die Internetseiten der regionalen Ärztekammern, die zum Teil sehr detaillierte Informationen bieten. So erfährt man auf der Seite der Ärztekammer Wien sogar die Spezialgebiete und Urlaubszeiten der Praxen.

Was ist ein Kassenarzt?

Ein Kassenarzt, auch Vertragsarzt genannt, ist ein freiberuflich tätiger Arzt für Allgemeinmedizin oder ein Facharzt, der mit einem oder mehreren Krankenversicherungsträgern einen Vertrag abgeschlossen hat. Welche Leistungen der Arzt dabei zu erbringen hat, ist genau vertraglich festgelegt. Um einen Kassenvertrag zu erhalten, muss eine Arztpraxis z. B. pro Woche eine gewisse Anzahl von Stunden geöffnet sein. In den meisten österreichischen Bundesländern sind das etwa 20 Stunden pro Woche, die auf Vormittag, Nachmittag und Abend aufgeteilt sein müssen. So wird die medizinische Versorgung in der betroffenen Region gewährleistet. Außerdem wird in den Verträgen zwischen Arzt und Sozialversicherungsträger festgehalten, nach welchen Richtlinien Patienten Medikamente, Therapien und Untersuchungen verordnet bekommen. Die Zahl der Kassenstellen ist bundesweit begrenzt, die Vergabe erfolgt gemeinsam durch Ärztekammer und Krankenkassen.

In Österreich gibt es folgende 14 Sozialversicherungsträger:

  • Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK)
  • Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK)
  • Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK)
  • Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK)
  • Kärntner Gebietskrankenkasse (KGKK)
  • Steiermärkische Gebietskrankenkasse (STGKK)
  • Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK)
  • Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK)
  • Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK)
  • Österreichische Betriebskrankenkasse (BKK)
  • Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA)
  • Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)
  • Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB)
  • Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB)

Alle Sozialversicherungsträger sind Mitglieder im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen.

Leistungen & Kosten beim Kassenarzt

Beim Kassenarzt legt der Patient bei der Anmeldung seine e-Card vor, um eine bestehende Krankenversicherung nachzuweisen. Die Kosten für die meisten medizinischen Leistungen werden dann von der jeweiligen Krankenkasse übernommen. In den meisten Fällen rechnet der Arzt direkt mit der Krankenkasse ab. Manche Versicherungsträger, wie zum Beispiel die SVA oder die BVA oder die SVB, fordern eine Kostenbeteiligung in Form eines Selbstbehaltes oder bezahlen die Rechnungen erst im Nachhinein nach Rechnungslegung. Bei der SVA zum Beispiel beträgt der Selbstbehalt seit 2013 bei einem Arztbesuch regulär 20 % oder 10 %, wenn mit dem Arzt vereinbarte Gesundheitsziele eingehalten werden. Insgesamt soll die Summe künftig aber nicht mehr als 5 % der Jahres-Beitragsgrundlage betragen. Zur Berechnung wird jeweils das Einkommen des drittletzten Jahres herangezogen. Bei der BVA sind ebenfalls für viele Leistungen 20 % Behandlungsbeitrag zu zahlen.

Folgende Kosten werden nicht übernommen:

  • Medikamente, die nicht im Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger stehen
  • Medizinisch nicht notwendige Leistungen wie Sportuntersuchungen oder Führerscheinuntersuchungen
  • Medizinische Atteste für Privatversicherungen, Kindergarten, Schule, Arbeitgeber
  • Zusatzuntersuchungen im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, die über das Ausmaß einer normalen Vorsorgeuntersuchung hinausgehen
  • Pflegefreistellungsbestätigungen
  • Patientenverfügungen
  • Impfungen. Ausnahme: Alle im Impfplan enthaltenen Impfungen für Säuglinge, Klein- und Schulkinder, werden im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfkonzeptes von Bund, Ländern und Sozialversicherung übernommen
  • Reiseprophylaxe und Reiseimpfungen
  • Kosmetische Behandlungen, sofern sie nicht aus medizinischen Gründen durchgeführt werden

Vor- und Nachteile eines Kassenarztes

Vorteil:

Bei den meisten Krankenkassen erfolgt die Verrechnung mit einem Kassenarzt direkt, ohne dass der Patient das Geld vorstrecken muss und ohne Selbstbehalt. Ausnahmen siehe Kapitel "Leistungen und Kosten beim Kassenarzt".

Nachteile:

Aufgrund des größeren Patientenandrangs bei einem Kassenarzt...

  • ... kann es länger dauern, bis ein Patient einen Termin bekommt, solange keine akuten Beschwerden vorliegen
  • ... kann es zu längeren Wartezeiten in den Ordinationen kommen
  • ... können die Arzt-Patienten-Gespräche kürzer bemessen sein.

Was ist ein Wahlarzt?

Ein Wahlarzt ist ein freiberuflich tätiger Arzt für Allgemeinmedizin oder ein Facharzt, der eine Praxis eröffnet hat, aber mit keinem Sozialversicherungsträger einen Vertrag abgeschlossen hat. Wahlärzte können frei entscheiden, wo sie Ordinationen eröffnen, wie lange sie geöffnet haben und welche Leistungen sie zu welchem Preis anbieten.

Leistungen & Kosten bei einem Wahlarzt

Mit Ausnahme von einigen Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen, die Wahlärzte auch direkt mit den Krankenkassen verrechnen können, stellen Wahlärzte für die entstandenen Kosten ihrer Leistungen dem Patienten eine Rechnung aus. Der Patient kann die bezahlte Rechnung bei seiner Sozialversicherung einreichen und bekommt einen Teil des Betrags zurück. Zurückerstattet werden meistens 80 % der verrechneten Summe, die die Sozialversicherung an einen Vertragsarzt zahlt, manchmal ist es auch weniger. Die restlichen 20 % werden für den erhöhten Verwaltungsaufwand einbehalten.

Da der Wahlarzt sein Honorar selbst wählt und nicht so legen muss wie ein Vertragsarzt, können auf den Patienten einige Kosten zukommen. Zur eigenen Sicherheit sollte vor Behandlungsbeginn die Höhe der Behandlungskosten besprochen werden, sowie eine Klärung mit der Krankenversicherung erfolgen, ob und in welcher Höhe sie die Kosten übernimmt.

Vorsicht: Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für einen Wahlarztbesuch nicht, wenn im selben Quartal bereits ein Kassenarzt oder Wahlarzt desselben Fachgebietes aufgesucht wurde.

Wahlarztrechnungen beim Sozialversicherungsträger einreichen

Damit die Krankenkassen die Kosten von Wahlärzten übernehmen, müssen folgende Unterlagen vorgelegt werden:

  • Originalhonorare mit Angaben über Diagnose und Leistungen, persönliche Daten des Versicherten oder der Mitversicherten (Vorname, Name, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer), Behandlungszeitraum, Ausstellungsdatum der Rechnung, Rechnungsbetrag sowie Unterschrift und Stempel des Arztes
  • Eine Bestätigung, dass das Honorar bezahlt wurde (Kontoauszug, Quittung oder Hinweis "Betrag dankend erhalten" auf der Rechnung)
  • Bankverbindung, auf die der Betrag überwiesen werden soll

Diese Unterlagen können entweder persönlich in den Kundencentern der jeweiligen Krankenkasse abgeliefert oder per Post an diese verschickt werden. In diesem Fall ist dem Brief das Formular "Kostenerstattung - Antrag Wahlbehandler und Heilmittel" beizulegen. Dieses wird auf den Internetseiten zum Download angeboten. Vorsicht: Die Rückerstattung der Kosten erfolgt nur, wenn der Antrag innerhalb eines Zeitraumes von 42 Monaten ab dem Tag der Behandlung gestellt wird.

Vor- und Nachteile eines Wahlarztes

Vorteile:

  • Rasche Terminvergabe
  • Kurze Wartezeiten
  • Ein Wahlarzt nimmt sich meist mehr Zeit als ein Kassenarzt für die Anamnese und zur Besprechung von Untersuchungen und Diagnose

Nachteil:

Der Patient muss die Kosten erst aus eigener Tasche bezahlen und bekommt nur einen Teil rückerstattet.

Was ist ein Privatarzt?

Als "privatärztliche Leistungen" gelten jene, die im Leistungskatalog der jeweiligen Krankenkasse nicht aufgelistet sind und somit nicht bezahlt werden. Solche Leistungen können sowohl Kassen- als auch Wahlärzte anbieten, z.B. homöopathische Behandlungen. Privatärzte können die Höhe ihrer Honorare völlig frei wählen.

Leistungen & Kosten bei einem Privatarzt

Die Leistungen von Privatärzten werden von den Krankenversicherungen nicht übernommen.

Zur eigenen Sicherheit sollte vor Behandlungsbeginn die Höhe der Kosten besprochen werden.

Vor- und Nachteile eines Privatarztes

Vorteile:

  • Rasche Terminvergabe
  • Kurze Wartezeiten
  • Ein Privatarzt nimmt sich meist mehr Zeit als ein Kassenarzt für die Anamnese und zur Besprechung von Untersuchungen und Diagnose

Nachteil:

Der Patient muss die Kosten gänzlich aus eigener Tasche bezahlen, von den Krankenkassen wird nichts rückerstattet.

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Quellen

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