Hilfsmittel bei Rheuma

Rheumahilfsmittel erleichtern den Alltag für Betroffene

Hilfsmittel bei Rheuma: Pensionist greift auf Gehstock
Verschiedene Hilfsmittel ermöglichen es Rheumapatienten ein möglichst selbstständiges Leben zu führen (Sandor Kacso - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Rheuma
Rheuma schränkt die Bewegungsfähigkeit ein - Schon kleine Bewegungen können große Schmerzen bereiten. Einfache Dinge des alltäglichen Lebens wie Schreiben, das Schneiden mit einem Messer oder An- und Auskleiden sind für Rheumakranke schwerer zu bewältigen.

Verschiedene Hilfsmittel, wie eigens angefertigtes Rheuma-Besteck, eine Zuknöpf-Hilfe oder spezielle Klettverschlüsse unterstützen Betroffene weiterhin ein selbstständiges Leben führen zu können. Bei der Suche nach passenden Hilfsmitteln wie verdickten Griffen für Stifte oder Gehstöcken können Ergotherapeuten unterstützen.

Unterstützung für rheumatische Gelenke der Hände

Sind die Hände bei Rheuma betroffen, verschlechtert sich deren Sensibilität, dem Betroffenen fällt es zunehmend schwerer kleine oder schmale Gegenstände zu greifen. Alltägliches wie Zähneputzen, Haare kämmen oder Rasieren ist selbstständig kaum mehr möglich. Für solche Gegenstände gibt es daher spezielle Griffverlängerungen oder verdickungen, sodass diese leichter zu greifen sind. Das Putzen der Zähne fällt vielen Betroffenen mit einer elektrischen Zahnbürste leichter.

Spezial-Essbesteck für Rheuma

Probleme mit dem Greifen schlägt sich auch auf andere Bereiche des Lebens: Die Nahrungsaufnahme. Wie kann Besteck mit schmerzenden oder fast tauben Finger umschlossen werden? Mit speziellen Messern, Gabeln und Löffeln, die ebenfalls mit dickeren Griffen ausgestattet sind, oder gebogen sind, kann diesem Problem leicht Abhilfe geschafft werden.

Für Schlüssel stehen spezielle Drehhilfen zur Verfügung, die das Auf- und Zusperren von Türen erleichtern. Auch verdickte Griffe an Schubladen oder Schränken helfen die Gelenke zu entlasten.

Schraubdeckelöffner

Ein Schraubdeckelöffner ermöglicht es, Schraubdeckel mit wenig Kraftaufwand zu öffnen. Das Hilfsgerät wird beispielsweise auf einem Marmeladenglas mit Schraubverschluss fixiert. Durch die Hebelwirkung ermöglicht ein langer Griff den Deckel aufzuschrauben und dabei die Gelenke zu schonen.

Trinkbecher mit Griffmulde

Sind die Finger von Rheuma betroffen, fällt es auch schwer einen Becher zu halten und daraus zu trinken. Spezielle Trinkbecher mit einer Griffmulde für die Finger erleichtern Rheuma-Patienten ohne fremde Hilfe ausreichend Flüssigkeit zuzuführen.

Anziehhilfe: Knöpfe und Klettverschlüsse

An- oder Ausziehen von Kleidung, vor allem das Zu- oder Aufmachen von Kleidung ist für viele Rheumakranke schwierig. Klettverschlüsse sind für Betroffene leichter zu handhaben. Eine Zuknöpf-Hilfe, ein Gerät mit einer Drahtschlaufe an einem Griff, das durch das Knopfloch geführt um den Knopf gelegt und durchgezogen wird, erleichtert das Schließen von Knöpfen. Am besten ist es Blusen oder Hemden mit Verschlüssen an der Vorderseite zu wählen, da diese leichter angezogen werden können.

Unterstützung für die Beine

Sind die Beine von Rheuma betroffen, so wird es für den Erkrankten zunehmend schwieriger Bewegungen mit den Beinen auszuführen. Gehen, Stehen, Dinge vom Boden aufzuheben aber auch Sitzen führen beim Betroffenen zu Schmerzen.

Gehilfen

Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit besteht für Rheumapatienten eine erhöhte Sturzgefahr. Gehhilfen wie Unterarmgehstützen (Krücken), Geh- oder Handstöcke unterstützen bei einem sicheren Gang und entlasten einzelne Gelenke der unteren Extremität. Stöcke sind in verschiedenen Größen verfügbar. Bei der Auswahl sollte auf die richtige Höhe geachtet werden. Für Patienten bei denen die Hände aufgrund von Arthritis geschädigt sind, stehen auch spezielle Arthritis-Gehilfen zur Verfügung. Der Arm wird dabei mit Hilfe eines Gurts am Handgriff fixiert. Unterarmgehstützen hingegen sind höhenverstellbar und können so individuell angepasst werden. Der Handgriff wird auf die Höhe des Handgelenks beim locker hängenden Arm eingestellt. Die Unterarmstütze sollte 3 bis 4 fingerbreit unter dem Ellenbogen sein.

Sitzerhöhungen und Haltegriffe

Rheumapatienten mit Kniegelenkschäden haben oft Schwierigkeiten beim Aufstehen. Dieses Problem kann durch Sitzerhöhungen und Halterungsgriffe gelöst werden. Toilettensitzerhöhungen erleichtern das Aufstehen von der Toilette ein Halterungsgriff neben der Toilette stellt eine weitere Hilfestellung dar. Halterungsgriffe können überall dort montiert werden, wo sie den Patienten unterstützen. Nicht nur in der Toilette, sondern auch im Bad oder im Flur.

Greifzange

Fällt es dem Betroffenen schwer Gegenstände vom Boden oder aus einem Regal zu nehmen, ist eine Greifzange ein gutes Hilfsmittel. Greifzangen sind in verschiedenen Längen erhältlich.

Rutschfeste Unterlagen im Badezimmer

Rheumapatienten sind häufig sturzgefährdet, eine rutschfeste Unterlage im Badezimmer verhindert, dass der Betroffene nach einer Dusche oder einem Bad ausrutscht, stürzt und sich verletzt. Eine rutschfeste Unterlage kann auch in die Dusche gelegt werden.

Gleitschutzstreifen

Gleitschutzstreifen sind eine Alternative zu rutschfesten Unterlagen. Sie werden in die Dusche oder die Badewanne geklebt und sorgen so für einen rutschsicheren Boden.

Woher bekomme ich Informationen?

Informationen darüber, welche Hilfsmittel für Ihre Bedürfnisse zur Verfügung stehen, erhalten Sie von einem Ergotherapeuten oder von Ihrem Arzt.

Kosten

In der Regel werden von der Krankenkasse Zuschüsse für solche Hilfsmittel gewährt. Am besten erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer Krankenkasse, ob Kosten übernommen oder Hilfsmittel leihweise zur Verfügung gestellt werden können.

Medizinischer Experte

Yara Peterko

Ergotherapeutin

Ergotherapie Austria - Bundesverband der Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten Österreichs

Quellen

  • Pflege Heute, N. Menche (Hrsg.), Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage, München, 2001
  • Die Pflege des Menschen, M. Seel, Brigitte Kunz Verlag, 3. Auflage, 2. Nachdruck, Hannover, 2003
  • Gerontorheumatologie, Besonderheiten der Klinik, Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen im Alter, J. Wollenhaupt, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2003
  • Th. Pauly, H. Borgmann in Rheumaorthopädie, Steinkopff Verlag, Darmstadt, 2005