Spracherkennungs-App bekämpft Depression

Spracherkennungs-App bekämpft Depression: Frau sitzt auf Bank und sieht Handy an.
Ist das Smartphone der Psychotherapeut der Zukunft? (George Dolgikh - Fotolia.com)
Schon bald kann Ihnen nicht nur ein Therapeut sagen, ob Sie depressiv sind, sondern auch Ihr Handy! Das ist dank einer App möglich, welche die menschliche Stimme analysiert. So wird die Stimmung in Sekundenschnelle festgestellt und ausgewertet.

Denn depressive Verstimmung schlägt sich nicht nur auf die Körperhaltung und die Gangart, sondern auch auf die Stimme. Menschen können also fröhlich oder traurig klingen. Die App, die von US-amerikanischen Forschern entwickelt wurde, nutzt diesen Zusammenhang zwischen Stimme und Stimmung aus, um eine Selbst-Diagnose von zu Hause zu ermöglichen. Nach Psychotherapie per SMS und Therapiegespräch im Taxi ist das ein weiterer Schritt auf dem Weg, psychische Probleme mobil zu bekämpfen.

Wie Depression die Sprache verändert

Um die App zu programmieren, beobachteten Carol Espy-Wilson und ihr Team 6 Wochen lang Patienten, die die Diagnose Depression erhalten hatten. Ihre Stimmung wurde zunächst anhand eines anerkannten Fragebogens eingestuft. Anschließend wurden sie gebeten, ohne Themeneinschränkung von ihrem Tag zu erzählen. Dazu wurden Stimmlage und Sprechgeschwindigkeit mit der psychischen Tagesverfassung verglichen, um Muster zu erkennen. Bald schon war es möglich, die Stimmung alleine anhand des Sprechens einzuschätzen.

Menschen, die psychisch stark belastet sind, sprechen langsamer und etwas leiser. Zudem ist ihre Stimme weniger konstant; es entstehen kurze Pausen oder ein leichtes Zittern in den gesprochenen Worten. In der zwischenmenschlichen Kommunikation erkennen wir solche Muster intuitiv, also automatisch. Doch für die Entwicklung einer App mussten diese Zusammenhänge wissenschaftlich belegt und per Mikrofon aufgezeichnet werden.

Selbstdiagnose für rechtzeitige Hilfe

Die App, die aus dieser wissenschaftlichen Forschung entstanden ist, erkennt die Stimmung des Sprechers in kürzester Zeit. Wenn die App am Markt ist, können Nutzer einige Sätze in ihr Handy sprechen und es verrät ihnen, wie es um ihre tagesabhängige Stimmung bestellt ist.

Nicht immer sind wir dazu in der Lage, selbst festzustellen, wie es uns geht. Wer sich nicht eingestehen möchte, dass er ein psychisches Problem hat, kann leicht die eigene negative Stimmung verleugnen oder überspielen. So geht jedoch die Chance verloren, sich rechtzeitig therapeutische Hilfe zu suchen, um Depression oder Burnout erfolgreich zu behandeln. Die App senkt die Hemmschwelle, die eigene Stimmung analysieren zu lassen, wenn man eine psychische Erkrankung vermutet.

App begleitet Therapie

Doch auch für Patienten, die sich bereits in Therapie befinden, ergeben sich durch die App neue Möglichkeiten. Sie können täglich im Sinne eines Stimmungsbarometers erheben, wie es ihnen geht. Dies wird in der App dokumentiert und kann in der nächsten Sitzung mit dem behandelnden Therapeuten besprochen werden. So bekommt der Therapeut ein besseres Bild von der Tagesverfassung des Patienten außerhalb der Therapie, ohne ausschließlich auf dessen Selbsteinschätzung angewiesen zu sein. Da eine Depression u.a. auch die Wahrnehmung verzerren kann, vermittelt eine App möglicherweise ein realistischeres Bild. So kann die Therapie spezifisch auf den Gemütszustand des Patienten angepasst werden.

Betroffene können zusätzlich selbst die App nutzen, um ihre Heilung aktiv mitzugestalten. Wenn ein App-Nutzer etwa bemerkt, dass es ihm bereits mehrere Tage lang schlecht geht, kann das dazu animieren, eine Therapiesitzung in Anspruch zu nehmen, Sport zu betreiben oder mehr Zeit mit Freunden zu verbringen. So hebt sich Stimmung - und Stimme.

Quellen

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