APGAR-Test

APGAR-Test: Neugeborenes liegt in einer rosa Decke und hält den Finger eines Erwachsenen.
Gleich nach der Geburt werden beim Baby Untersuchungen nach dem APGAR-Test durchgeführt, z.B. die Funktion der Reflexe. (PerlenVorDieAugen - Fotolia.com)
Die Geburt ist geschafft, das Baby ist auf der Welt! Und sofort wartet der erste Test auf das Neugeborene. Denn sobald es aus Mamas Bauch heraus ist, muss sein kleiner Körper selbstständig funktionieren. Wie ihm das gelingt, sagt der sogenannte APGAR-Test.

Er ist Teil der ersten Vorsorgeuntersuchung im Mutter-Kind-Pass und findet direkt nach der Entbindung statt, um mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen des Neugeborenen umgehend zu erkennen und gegebenenfalls sofort darauf reagieren zu können. Zur Beurteilung des Babys per APGAR-Schema reicht meist der geschulte Blick von Hebamme und Arzt: Der APGAR-Test ist für das Baby vollkommen schmerzfrei und kann sogar durchgeführt werden, während das Neugeborene in den Armen von Mutter oder Vater liegt, damit sie sich in Ruhe kennenlernen können.

Das APGAR-Test-Schema

Der APGAR-Test wurde zu Beginn der 1950er Jahre von der amerikanischen Ärztin Virginia Apgar entwickelt; daher sein Name. Er ist ein Bewertungssystem, das hilft, den klinischen Zustand des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt zu beurteilen: Eine Minute, nachdem das Baby das Licht der Welt entdeckt hat, werden erstmals mithilfe eines Punktesystems 5 wichtige Vitalzeichen des Babys eingestuft. Dies wird in der 5. und 10. Lebensminute nochmals wiederholt. Der Test-Name APGAR dient dabei praktischer Weise auch als Merkhilfe für die 5 wichtigen Körperfunktionen:

  • A - Atmung (Atemanstrengung und -regelmäßigkeit)
  • P - Puls (Herzschlag)
  • G - Grundtonus (Muskelspannung/Bewegungen)
  • A - Aussehen (Hautfarbe)
  • R - Reflexe  Auslösbarkeit der Reflexe/Reaktionen auf Reize, z.B. beim Absaugen)

Diese 5 Aspekte werden mit Bewertungspunkten eingestuft. Pro Beurteilungskriterium vergibt der Arzt oder die Hebamme 0 bis 2 Punkte.

VITALZEICHEN

0 PUNKTE

1 PUNKT

2 PUNKTE

A - Atmung

keine

unregelmäßig, langsam

regelmäßig, kräftig

P - Puls

keiner

weniger als 100 Schläge pro Minute

mehr als 100 Schläge pro Minute

G - Grundtonus

schlaff

träge, nur leichte Muskelspannung

aktive Bewegungen

A - Aussehen

blass bis bläulich

Körper rosig, aber Extremitäten bläulich

überall rosige Hautfarbe

R - Reflexe (z.B. beim Absaugen)

keine

geringe Reaktion, Grimassen

schreit, hustet oder niest

In der Summe kann das Baby also maximal 10 Punkte erreichen. Diese Bewertung zeigt, wie gut sich das Baby an die neue Lebenssituation außerhalb des Mutterleibs anpasst. Ergibt der Test weniger als 7 Punkte, ist eine intensivere Überwachung des Neugeborenen notwendig. Bei Werten unter 5 Punkten muss das Baby intensiv betreut werden und könnte lebensunterstützende Maßnahmen benötigen.

BEI

IST DAS BABY

9-10 Punkten

"optimal lebensfrisch", also in einem ausgezeichneten Zustand

7-8 Punkten

"normal lebensfrisch", also in einem guten Zustand

5-6 Punkten

im "leichten Depressionszustand", was eine intensivere Überwachung notwendig macht

3-4 Punkten

im "mittelgradigen Depressionszustand", was eine intensivere Betreuung notwendig macht wie z.B. Wärmebettchen oder Sauerstoffgabe

0-2 Punkten

im "schweren Depressionszustand", wodurch das Baby lebensunterstützende Maßnahmen benötigt

Was ist, wenn mein Baby nicht die volle APGAR-Punktzahl erreicht?

Wenn Ihr Baby beim ersten APGAR-Test nicht die volle Punktzahl erreicht, sollte Sie dies nicht in Panik versetzen: Nur die wenigsten Neugeborenen erreichen in der ersten Lebensminute die volle Punktzahl. Der Kinderarzt wird das Baby intensiv beobachten; falls nötig kann er schnell reagieren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die meisten Neugeborenen nach 10 Minuten, wenn sie sich von den Strapazen der Geburt schon etwas erholen konnten, eine hohe oder gar die volle Punktzahl erreichen. Das 3. Testergebnis, 10 Minuten nach der Geburt, besitzt den höchsten Aussagewert. Auch Kinder, die selbst beim APGAR-Test nach 10 Minuten wenige Punkte erreicht haben, können sich noch völlig normal entwickeln!

Warum erhalten nur die wenigsten Neugeborenen direkt die volle APGAR-Punktzahl?

Selbst bei einem völlig gesunden Kind lautet der Standart-APGAR in der Regel: 9-10-10. Denn meistens wird bei dem 1. Test eine Minute nach der Geburt ein Punkt für die noch bläuliche Hautfarbe abgezogen. Viele Eltern erschreckt es, wenn ihr Baby bläulich aussieht. Doch das ist erstmal ganz normal: Sobald der Säugling das erste Mal Luft einatmet, entfalten sich seine Lungenbläschen. Mit dem ersten Atemzug übernimmt das Kind selbst die Sauerstoffversorgung seines Körpers, was im Mutterleib noch über die Nabelschnur geschehen ist. Das Gehirn und die inneren Organe sind sofort auf eine gute Sauerstoffversorgung angewiesen, um keinen Schaden zu nehmen. Deshalb weiten sich die dahin führenden Arterien: Das durch den ersten Atemzug mit Sauerstoff angereicherte Blut gelangt so genau dorthin, wo es am dringendsten benötigt wird. Im Gegensatz zu Organen und Gehirn, erleiden die Ärmchen und Beinchen hingegen keinen Schaden, wenn sie noch ein bisschen auf frisches, sauerstoffreiches Blut warten müssen. Deshalb sind sie in den ersten Minuten nach der Geburt in der Regel noch leicht bläulich - und das gibt einen Punkt Abzug beim APGAR-Test. Nach spätestens 5 Minuten, beim 2. APGAR-Test, sollte dann eine einheitlich rosige Hautfarbe am ganzen Körper des Babys erscheinen. Das bedeutet, dass sein Kontrollzentrum gut funktioniert.

Ausnahmen von der Regel

Nur die wenigsten Babys schreien direkt nach der Geburt richtig los, pumpen so Sauerstoff durch ihren gesamten Körper und laufen deshalb rot an. Nur diese kleinen Schreihälse erhalten dann schon eine Minute nach der Geburt die volle APGAR-Punktzahl: Die Traumnote 10-10-10.

Nach einer sehr schweren Geburt und der Gabe von Schmerzmitteln unter der Entbindung können die APGAR-Test-Werte künstlich sinken. Das bedeutet, dass der APGAR-Test dann nicht die echte gesundheitliche Verfassung des Neugeborenen widerspiegelt. Auch Frühgeborene zeigen häufig schlechte APGAR-Werte, denn wie gut ihre Atmung, ihr Herzschlag, ihre Reflexe und ihre Muskelspannung schon funktioniert, hängt ganz davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche sie das Licht der Welt erblicken.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Hebamme

Johanna Sengschmid

Quellen

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