Anzeichen der Geburt: Wehen erkennnen

Anzeichen der Geburt: Wehen erkennnen: die Wehen einer Schwangeren beginnen
Zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter in regelmäßigen Abständen zusammen, so handelt es sich um Wehen. (Johannes Hloch)
Gegen Ende der Schwangerschaft können die Eltern es meist nicht mehr erwarten endlich ihr Baby im Arm zu halten und so wird die Geburt mit Ungeduld ersehnt.

Damit verbunden ist eine große Unsicherheit, was die Anzeichen von "echten" Wehen sind und wann ins Krankenhaus gefahren werden sollte. In 10 bis 15 % aller Fälle startet die Geburt mit einem Blasensprung. Ob es tatsächlich losgeht oder sich um Übungswehen handelt, verrät ein Test in der Badewanne: Werden die Wehen schwächer, ist es falscher Alarm, bleiben sie oder nehmen sie zu, geht es in die Endphase.

Was sind Wehen?

Wenn sich die Muskulatur der Gebärmutter in regelmäßigen Abständen zusammenzieht, dann handelt es sich um Wehen. Diese sind tastbar, denn der Bauch fühlt sich während einer Wehe hart an. Die Schmerzen selbst können im Bauch, im Bereich von Kreuz- oder Schambein auftreten, genau so wie in der Leiste. Das variiert von Frau zu Frau. Durch die Kontraktionen wird das Baby durch das Becken der Mutter geschoben, und der Muttermund öffnet sich vollständig.

Andere Anzeichen für den Beginn der Geburt können der Abgang von klarem Schleim bzw. ein dunkelroter, blutiger Ausfluss sein. Diese zeigen das Lösen des Schleimpfropfens, der den Gebärmutterhals während der Schwangerschaft sicher verschließt.

Woran sind echte Wehen zu erkennen?

Die meisten Frauen verspüren in den letzten Schwangerschaftswochen vor der Geburt ab und zu vereinzelte Wehen. Dabei handelt es sich um Übungswehen, welche die Gebärmutter langsam auf die Geburt vorbereiten. Diese treten meist vereinzelt oder in kurzen Abständen auf. Die Wehen, die den Start einer Geburt signalisieren, sind meist stärker und kommen regelmäßig in immer kürzer werdenden Abständen. Anfangs dauern die Wehen vielleicht nur 20 Sekunden an.

Ein einfacher Test verrät, ob es sich um Vorwehen oder Geburtswehen handelt: Vorwehen hören auf, wenn die Schwangere warm badet oder duscht, echte Wehen bleiben und können durch die Wärme sogar zunehmen.

Wie verändern sich Wehen im Verlauf der Geburt?

Die ersten Wehen werden meist mehr als ein Ziehen im Unterleib wahrgenommen. Diese können im Bauch, in der Leistengegend, beim Kreuz- oder Steißbein verspürt werden. Mit der Zeit wird das Ziehen stärker und schmerzhaft. Die in den Geburtsvorbereitungskursen gelernte Bauchatmung hilft dabei, die Wehen zu "veratmen". Denn ein lautes Ausatmen auf "A" macht den Schmerz erträglicher. Die ersten Wehen können nur einige Sekunden andauern, sie werden dann mit der Zeit länger und kommen in regelmäßigen Abständen, die immer kürzer werden. Gegen Ende der Geburt kann es vorkommen, dass zwischen den einzelnen Wehen keine Pausen mehr sind, sondern eine Wehe gleich in die nächste übergeht.

Die Wehen selbst werden in Eröffnungswehen, Übergangswehen und Presswehen eingeteilt:

  • Eröffnungswehen: Die Eröffnungswehen beschreiben die Phase bis der Gebärmutterhals etwa 7 Zentimeter weit offen steht. Das kann einen Tag und länger dauern.
  • Übergangswehen: Die Übergangswehen, die als besonders unangenehm empfunden werden, dauern bis der Gebärmutterhals vollständig auf 10 Zentimeter geöffnet ist an und das Kind in der richtigen Position für die Geburt liegt.
  • Presswehen: Bei den Presswehen drückt der Kopf des Babys auf den Darm und die Frau verspürt deswegen den Drang zu pressen. Diese Phase kann 20 Minuten, eine Stunde und manchmal auch länger dauern.

Die Wehen, die beim Ausstoßen der Plazenta produziert werden, nehmen die meisten Frauen kaum noch wahr.

Wann heißt es ab ins Spital?

Grundsätzlich reicht es bei der ersten Geburt, wenn die Mutter dann ins Spital fährt, wenn die Wehen in Abständen von etwa 5 bis 8 Minuten kommen und zumindest eine Minute andauern. Bei Unsicherheit sollte man lieber zu früh als zu spät aufbrechen. Auch wenn der Anreise ins Spital länger ist, sollte das bei der Planung berücksichtigt werden. Sollten die Eltern zu früh ins Spital kommen und die Geburt ist noch nicht sehr weit vorangeschritten, werden sie eventuell wieder nach Hause geschickt.

Erstgebärende Mütter müssen sich nicht fürchten, es nicht rechtzeitig ins Spital zu schaffen. Von den ersten Wehen bis zum ersten Schrei des Kindes, vergehen bei Geburten im Schnitt 13 Stunden, bei der ersten Geburt ist es meist länger. So genannte Sturzgeburten, bei denen das Kind innerhalb von 2 Stunden oder weniger auf die Welt kommt, betreffen hauptsächlich Mütter, die schon ein oder mehrere Kinder geboren haben. Auch dann sind es entweder sehr heftige Wehen, schlechtes Bindegewebe, sehr kleine Kinder oder eine Kombination aus mehreren Faktoren, die dazu führen, dass die Mutter die ersten Wehen kaum mitbekommt und dann plötzlich den Drang zu pressen verspürt.

Wenn den werdenden Eltern im Verlauf der Geburt Zweifel kommen, ob alles passt, dann können sie jederzeit im Kreißsaal anrufen. Die Hebammen nehmen sich die Zeit, um die Fragen zu beantworten. Eine starke Blutung ist hingegen ein Grund sofort ins Krankenhaus zu fahren.

Was tun bei einem Blasensprung?

In zehn bis 15 % aller Fälle beginnt eine Geburt mit dem Platzen der Fruchtblase. In diesem Fall sollte sich die Mutter hinlegen, möglichst das Becken hochlagern und die Rettung (Kurzwahl 144) rufen. Sollte nämlich die Nabelschnur eingeklemmt sein, wird die Versorgung des Kindes unterbrochen. dann muss es sehr schnell gehen. Wurde bei vorherigen Untersuchungen festgestellt, dass das Köpfchen bereits tief ins Becken gerutscht ist, wäre diese Maßnahme nicht notwendig. Denn dann kann die Nabelschnur nicht mehr zwischen Kopf und Gebärmutterhals rutschen. Dennoch sollte auch in diesem Fall rasch ein Krankenhaus aufgesucht werden, da durch den bereits geöffneten Gebärmutterhals Keime zum Kind gelangen können.

Was passiert im Spital?

Um festzustellen, wie weit die Geburt vorangeschritten ist, wird die Schwangere an ein Kardiotokogramm (CTG), angeschlossen. Dieses misst zugleich die Stärke der Wehen und die Herztöne des Kindes.

Ist der Muttermund schon einige Zentimeter geöffnet und kommen die Wehen regelmäßig, bleibt die Schwangere im Krankenhaus. Bei weniger als 2 Zentimetern Öffnung und schwachen Wehen, dürfen die werdenden Eltern meist noch einmal nach Hause fahren, weil sich die Geburt dann noch über Stunden oder sogar Tage hinziehen kann.

Kommt es zu einem Stocken während der Geburt, wird oft Prostaglandin verabreicht. Dieses künstliche Wehenmittel, das in Tablettenform eingenommen wird oder als Gel auf den Gebärmuttermund gestrichen wird, regt die Wehentätigkeit an. Eine andere Möglichkeit ist ein Wehentropf mit dem Hormon Oxytocin.

Komplementärmedizinische Methoden zur Linderung von Wehen

Verschiedene komplementärmedizinische Methoden helfen den werdenden Müttern die Geburt gut zu überstehen. Nicht jedes Krankenhaus bietet jede Methode an:

  • Homöopathie: Wer schon in der Schwangerschaft homöopathische Mittel eingenommen hat, kann dies auch bei der Geburt tun. Die einzelnen Mittel müssen genau auf die Bedürfnisse der gebärenden Frau abgestimmt werden.
  • Aromatherapie: Diese wird heute schon in vielen Krankenhäusern in Duftlampen, als Massageöle oder als Badezusatz angewendet. Mit Düften wird versucht in Kreißsälen eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen.
  • Akupunktur: Mit Akupunkturnadeln lassen sich die Schmerzen lindern, aber nicht ganz beseitigen. Am Kopf befinden sich einige gute Punkte zur Schmerzreduktion.

Schulmedizinische Methoden zur Schmerzlinderung

Bei Schmerzen während der Geburt hat auch die Schulmedizin einige effektive Methoden zur Schmerzbehandlung parat, wenn die Frau diese gar nicht mehr ertragen kann oder bei zu lange andauernden Geburten eine Pause braucht, um wieder Kräfte zu sammeln.

  • Medikamente gegen Krämpfe: Zäpfchen oder Infusionen mit leichten krampflösenden Mitteln machen die Schmerzen erträglicher.
  • Schmerzreduktion mit Opiaten: Infusionen mit Opiaten reduzieren die Schmerzen. Sie können aber nur in begrenztem Umfang eingesetzt werden, da sie auch auf das Baby übergehen und dessen Atmung beeinflussen.
  • Die PDA (Periduralanästhesie): schaltet den Schmerz völlig aus, ohne sich negativ auf das Kind auszuwirken.

Wehentätigkeit fördern

Wenn der Geburtstermin verstreicht und die Wehen nicht kommen wollen, verordnen manche Hebammen so genannte "Wehencocktails", um diese auszulösen. Die Information, dass Sex Wehen auslösen könnte, ist ein Mythos. Die Prostaglandine in der Samenflüssigkeit weichen zwar den Gebärmutterhals auf, aber die Mengen sind zu schwach, um Wehen auslösen.

Falls die Wehen noch nicht einsetzen wollen und die Frau bereits über dem Termin ist, dann heißt es Geduld haben. In diesem Fall sind regelmäßige CTG-Kontrollen notwendig, um sicher zu stellen, dass es dem Baby gut geht. Das Krankenhaus wird die werdende Mutter etwa alle 3 bis 4 Tage zu solchen Checks bestellen. Werden die Herztöne langsamer oder gibt es andere Anzeichen, dass es dem Baby nicht mehr gut geht, wird sofort gehandelt und wenn notwendig ein Kaiserschnitt gemacht. Wird der errechnete Geburtstermin 10 bis 14 Tagen überschritten, wird mit einem künstlichen Wehenmittel die Geburt eingeleitet. Die meisten Frauen empfinden künstliche Wehen schlimmer als natürliche. Dies hängt damit zusammen, dass bei den natürlichen Wehen der Körper die Schmerzen besser mit eigenen Hormonen ausgleicht.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Bauchgefühl, L. Kaller, List-Verlag, 1. Auflage, Berlin, 2011
  • Das große Buch zur Schwangerschaft. F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer-Verlag, 1. Auflage, München, 2009
  • Die Hebammen-Sprechstunde, I. Stadelmann, Stadelmann-Verlag, 8. Auflage, Wiggensbach, 2005
  • 300 Fragen zur Schulmedizin, B. Holzgreve, Gräfe und Unzer-Verlag, 1. Auflage, München, 2009
  • Geburt vorbereiten und bewusst erleben, I. Albrecht-Engel, M. Albrecht, Gräfe und Unzer-Verlag, 1. Auflage, München, 2002
  • Warum Schwangere nicht umkippen, V. Ragosch, B. Zebothsen, Südwest-Verlag, 1. Auflage, München, 2009

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