Neue Therapie mit Antikörpern reduziert Herzinfarktrisiko

Wer gesunde Cholesterinwerte anstrebt, leistet einen wichtigen Beitrag in der Prävention von einem Herzinfarkt. (stadtratte - Fotolia.com)

In Kombination mit einer ungesunden Lebensführung, Bluthochdruck und Diabetes bergen hohe Cholesterinwerte ein stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Eine neue Therapie mit Antikörpern soll nun die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, reduzieren.  

Anlässlich des Pressegespräches des 19. Kardiologie-Kongresses, das Anfang März in Innsbruck stattfand, präsentierte Univ. Prof. Dr. Guy Friedrich aktuelle Zahlen zu Herz-Kreislauferkrankungen. Dem Tiroler Kardiologen zufolge wurden im Jahr 2015 knapp über 17.000 Herzinfarkt-Fälle in Österreichs Spitälern registriert. Neben Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck zählen auch erhöhte Cholesterinwerte zu den Risikofaktoren. Eine neue Therapie mit Antikörpern könnte einen Durchbruch in der Behandlung von Hochrisikopatienten darstellen.

Hochrisikopatient = hohes Herzinfarktrisiko

Doch was versteht man eigentlich unter einem Hochrisikopatienten? Wer in der Vergangenheit bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat oder unter einer Gefäßerkrankung leidet, gilt automatisch als Hochrisikopatient. Doch auch wenn viele Risikofaktoren aufeinandertreffen, werden die Betroffenen entsprechend klassifiziert. Konkret bedeutet das: Ein gestresster über 60-jähriger, übergewichtiger Diabetiker, der sowohl raucht, als auch einen zu hohen Blutdruck hat und Cholesterinwerte über 300 aufweist, hat ein knapp 50-prozentiges Risiko für einen Herzinfarkt. Statistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen.

Ist Cholesterin per se schädlich?

Stichwort Cholesterin: Machen zu hohe Cholesterinwerte automatisch krank? Ganz so ist es nicht, zumal das Cholesterin wichtige Aufgaben im Körper erfüllt. So ist es etwa am Aufbau der Zellmembran und an der Bildung von Hormonen beteiligt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem LDL-Cholesterin, das umgangssprachlich als „schlechtes Cholesterin“ bekannt ist und seinem guten Kontrahenten - dem HDL. Das LDL wird von der Leber in die einzelnen Zellen geschleust. Im Übermaß haftet es sich an den Gefäßwänden an und verursacht dort Schäden. Nimmt das LDL Überhand oder steht es in ungünstigem Verhältnis zum HDL, kann es zu einem Gefäßverschluss kommen. Das HDL putzt quasi den "Schmutz" seines Gegenspielers weg.

Runter mit dem LDL-Cholesterin!

Um das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einzudämmen, ist es oft erforderlich, den LDL-Wert medikamentös zu senken. Dafür standen bis vor Kurzem ausschließlich bestimmte Arzneimittel, sogenannte Statine zur Verfügung. Der Haken an der Sache: manche Patienten entwickeln bei der Einnahme starke Nebenwirkungen, die einen Abbruch der Therapie erfordern. Andere sprechen nur unzureichend darauf an. Heißt also: Die Werte verbessern sich unter Einnahme des Medikaments nicht. Für exakt diese Patienten steht nun die neue Antikörper-Therapie zur Verfügung.

Was kann die Antikörper-Therapie?

Das via Spritze verabreichte Medikament setzt in den Leberzellen an. Diese stellen LDL-Cholesterin nicht nur her, sondern fischen es auch aus dem Blut, um es abzubauen. Die Antikörper bewirken, dass mehr Moleküle abgefangen werden, wodurch der Cholesterinspiegel effizient gesenkt wird. Gleichzeitig schrumpfen gefährliche Gefäßablagerungen. Das Medikament wird aktuell nur in limitierter Anzahl verabreicht. Derzeit werden ausschließlich Hochrisikopatienten zugelassen, bei denen der LDL-Cholesterinwert mit den bisherigen Methoden nicht auf die empfohlenen Werte abgesenkt werden konnte.

Mundhygiene (speziell) bei Hochrisikopatienten wichtig

Ein weiteres großes Thema am Kongress war die Herzklappenentzündung (Endokarditis). Immerhin 3 bis 10 Menschen von 100.000 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Mangelhaft gepflegte Zähne steigern das Risiko für Entzündungen der Herzklappe. Meist sind verschleppte Keime aus dem Mund, und hier vor allem Staphylokokken und Streptokokken ursächlich an der Entstehung beteiligt. Fazit: Je besser die Mundhygiene, desto geringer auch das Risiko auf Herzklappen-Entzündung.

 

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Quellen

  • Pressegespräch: 19. Kardiologie-Kongress in Innsbruck (08.03.2017)

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