Ärzte verschreiben Antibiotika häufiger nachmittags

Ärzte verschreiben Antibiotika häufiger nachmittags: Bunte Tabletten liegen aufeinander.
Wann sie zum Arzt gehen, kann entscheiden, ob er Antibiotika verschreibt. (grthirteen - Fotolia.com)
Hätten Sie gerne eine Antibiotika-Kur, um Ihrer Erkältung aggressiv zu Leibe zur rücken? Oder darf es vielleicht eine sanftere Methode sein? Zu welcher Tageszeit Sie Ihren Arzt besuchen, hat großen Einfluss auf die Behandlung, die sie erhalten.

Ein Forscherteam am Brigham and Women’s Hospital in Boston untersuchte, ob sich die Tageszeit auf Behandlungsentscheidungen von Ärzten auswirkt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Verschreibung von Antibiotika  gelegt. Dabei stellten sie fest, dass Ärzte zu fortschreitender Stunde häufiger Medikamente wie Antibiotika wählen. Das gilt auch für vergleichsweise leichte Erkrankungen, etwa Erkältungen. Problematisch dabei ist, dass Antibiotika nicht immer den besten Behandlungsansatz darstellen, und auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Zudem sind Antibiotika gegen Viren wirkungslos. Die Forscher wollen nun Lösungen finden, um zu allen Tageszeiten eine optimale Patientenversorgung sicherzustellen.

Erschöpfung möglicher Grund für Behandlungsentscheidung

Dr. Jeffrey Lindner und sein Team untersuchten elektronische Gesundheitsdaten von insgesamt 23 Gesundheitszentren über einen Zeitraum von 17 Monaten. Dabei wurden über 21.000 Patientenbesuche, inklusive Diagnose und Behandlungsweg, ausgewertet. Das Ergebnis: Es war ein klarer Zusammenhang zwischen Besuchszeitpunkt und Art der Behandlung zu erkennen. Ausschlaggebend war nicht die tatsächliche Uhrzeit, sondern wie lange der Arzt an diesem Tag bereits tätig war.

Das deutet darauf hin, dass Ärzte am Nachmittag erschöpfter sind und somit auf vermeintlich einfacheren Lösungen zurückgreifen. Der Umgang mit vielen Patienten in direkter Folge kann stark auslaugen, sind sich die Wissenschafter der Studie sicher. Möglich ist auch, dass die Ärzte nicht in allen Fällen selbst entscheiden, auf Antibiotika zurück zu greifen. Vielleicht fordern Patienten häufig das Verschreiben von Antibiotika, und am Nachmittag sind Ärzte eher gewillt, ihnen zuzustimmen. Erschöpfung könnte sich nämlich auch dahingehend auswirken, dass Ärzte nicht die Kraft haben, mit Patienten über verschiedene Behandlungsoptionen zu diskutieren.

Nachmittags: 5 % häufiger Antibiotika verschrieben

Nachmittags kam es in allen Kliniken zu einer Zunahme von 5 % im Verschreiben von Antibiotika. Diese Zahl mag zunächst nicht hoch klingen. Doch fest steht, dass die gesundheitlichen Gründe für den Arztbesuch am Vormittag und am Nachmittag absolut gleich waren, sodass sich die Behandlung eigentlich nicht unterscheiden dürfte. Antibiotikaresistenzen nehmen nach wie vor stark zu, und Forscher suchen dringend nach neuen Medikamenten gegen widerstandsfähige Bakterien. Eine Verschreibung von Antibiotika in Fällen, wo diese nicht nötig und vielleicht sogar nutzlos sind, kommt also weder Patienten, noch der allgemeinen Gesundheit zu Gute.

Entlastung für überarbeitete Ärzte

Die Forschre plädieren daher für kürzere oder veränderte Arbeitszeiten für Ärzte mit Patientenkontakt, und einer erhöhten Pausenfrequenz. So könnte einer Verschreibung unnötiger Medikamente entgegen gewirkt werden, hoffen die Forscher, da Ärzte dann mehr Energie haben, den besten Behandlungsweg zu wählen. Schließlich wirken sich zu lange Arbeitszeiten wahrscheinlich nicht nur auf übersteigerte Antibiotika-Gabe aus. Verminderte Konzentrationsfähigkeit könnte auch zu anderen Fehlentscheidungen führen, was gerade im Gesundheitswesen schwerwiegende Folgen haben kann.

Quellen

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