Alzheimer: "Nur vergesslich" oder krank?

Zerstreut: Menschen mit Alzheimer legen Gegenstände oft an völlig ungeeigneten Orten ab. (ArTo - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Demenz

Nicht jeder Gedächtnisverlust und nicht jede Fehlleistung deuten auf eine Alzheimer hin. Doch was ist eigentlich "normal" und welche Warnsignale lassen auf eine beginnende Demenz schließen?

Schussligkeit und zeitweilige Vergesslichkeit treten selbst bei gesunden Menschen auf. Die geistige Leistungsfähigkeit kann auch altersbedingt etwas abnehmen. Dies alles muss nicht zwingend auf eine Demenzerkrankung hindeuten und kann auch andere Ursachen haben.  Eine Alzheimer-Erkrankung beginnt oft schleichend und fast unmerklich. Bei welchen charakteristischen Warnsymptomen sollten Angehörige aufmerksam werden?

Überblick

1. Alzheimer: Vergesslichkeit

Was ist normal? Ein Name, der mal entwischt oder eine zu spät ausgesprochene Gratulation zum Geburtstag können vorkommen. Auch ein vergessener Termin, der beim Erinnern daran wieder ins Gedächtnis zurückkehrt, ist in der Regel nicht besorgniserregend. 

Warnzeichen für Alzheimer: Aufhorchen sollten Sie, wenn der Gedächtnisverlust den Alltag beeinträchtigt. Beispielsweise, wenn die betreffende Person bis dato eigenständig verrichtete Tätigkeiten nicht mehr ohne Nachhaken ausüben kann. Auffallend ist es auch, wenn der Patient Probleme hat, mündlichen oder schriftlichen Anweisungen überhaupt zu folgen. Warnsignale können des Weiteren das Vergessen von erst kürzlich stattgefundenen Ereignissen oder das plötzliche Nicht-Wiedererkennen von Personen sein.    

2. Alzheimer: Probleme beim Sprechen und Verstehen

Was ist normal? Kurzfristige Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden sind normal und altersunabhängig. Speziell in Stresssituationen sind kleinere Wortfindungsstörungen eher harmlos.

Warnzeichen für Alzheimer: Menschen mit Alzheimer haben oft gravierende Kommunikationsprobleme. Sie können einem Gespräch nicht richtig folgen. Oder sie hören aus Ermangelung eines roten Fadens inmitten eines Satzes selbst zu sprechen auf.  Häufig verringert sich auch der Wortschatz, wodurch die Dialoge kürzer und einfacher werden. Wenn Begriffe ganz entfallen, werden Dinge oft kompensatorisch umschrieben (z.B. "das Grüne da draußen" als bildhafte Umschreibung für "Gras".)

3. Alzheimer: Zerstreutheit

Was ist normal? Ein verlegter Schlüsselbund, der beim Nachvollziehen der Handlungsschritte wiedergefunden wird, ist kein Grund zur Beunruhigung.

Warnzeichen für Alzheimer: Krankhafte Züge bekommt die Zerstreutheit, wenn die Betroffenen Gegenstände mehrfach an völlig ungeeignete Orte ablegen. So kann es vorkommen, dass sich die Tageszeitung im Kühlschrank oder schmutziges Geschirr in der Sockenlade wiederfindet. Typisch für die Krankheit ist, dass die Patienten den Fauxpas im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren können. Daher werden manchmal auch andere Personen verdächtigt, die vermissten Dinge gestohlen zu haben. 

4. Alzheimer: Zeitliche und räumliche Orientierungslosigkeit

Was ist normal? Das Verwechseln eines Wochentages ist bei selbstständiger Korrektur nicht bedenklich.

Warnzeichen für Alzheimer: Menschen mit Alzheimer verlieren mit fortschreitender Krankheit vollkommen den Bezug zum Zeitverlauf und zu ihrer gewohnten Umgebung. Sie haben zunehmend Probleme, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden. So spricht es für eine Demenz, wenn sich Menschen plötzlich in den eigenen vier Wänden nicht mehr auskennen oder den Weg nachhause nicht mehr finden. Manchmal vergessen die Betroffenen auch, wo sie sich gerade befinden oder wie sie dorthin gelangt sind. Die Desorientierung führt dazu, dass Situationen falsch beurteilt werden. In Folge kann es passieren, dass Patienten das Haus im Hochsommer mit Winterkleidung verlassen. 

5. Alzheimer: Persönlichkeitsveränderungen

Was ist normal? Stimmungsänderungen kommen bei allen Menschen vor.Vor allem ältere Menschen setzen gerne auf einen routinierten Alltag. Er spendet ihnen Sicherheit. Auf Unvorhergesehenes reagieren selbst gesunde Menschen manchmal mit Gereiztheit. 

Warnzeichen für Alzheimer: Bei Alzheimer-Patienten wechselt die Stimmung sehr abrupt. Die voranschreitende Verlorenheit macht den Betroffenen Angst. Angst erzeugt wiederum unkontrollierte Gefühlsausbrüche, die für Nahestehende oft nur schwer auszuhalten sind. Scheinbar grundlose Aggressivität kann ebenso vorkommen wie ungewohntes Misstrauen, vermehrte innere Unruhe oder unangemessene Reaktionen auf Ereignisse.

6. Alzheimer: Sozialer Rückzug

Was ist normal? Phasen, in denen man lieber alleine ist, kennt vermutlich jeder. Das Bedürfnis nach Ruhe ist demnach menschlich. Erst wenn der soziale Rückzug von Dauer ist, sollte man sich auf Ursachenevaluierung begeben. Neben einer Demenzerkrankung kann sich dahinter auch eine Depression verbergen.   

Warnzeichen für Alzheimer: Ungewohnte Situationen verursachen bei den Betroffenen Unbehagen. Daher distanzieren sie sich vom gesellschaftlichen Leben und werden zu Einzelgängern. Hinzu kommen ein schwindendes Interesse an gewohnten Hobbys und ein mangelnder Antrieb an das Herangehen neuer Aufgaben.

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