Bluttest für Alzheimer: Chance für Früherkennung?

In Österreich sind mehr als 130.000 Menschen an einer Demenz erkrankt. (Gabriele Rohde - Fotolia.com)
Zur Früherkennung von Alzheimer stellten US-Wissenschafter kürzlich einen Bluttest vor. Prim. Dr. Andreas Winkler spricht mit gesund.at darüber, wie realistisch es ist, einen solchen Test zur Früherkennung von Alzheimer einzusetzen.

"So ein Bluttest wäre wünschenswert. Es handelt sich aber um erste Studienergebnisse, die so noch nichts bestätigen können. Auch am AKH Wien läuft z.B. eine ähnliche Studie zu Früherkennungstests für Alzheimer. Das ganze Konzept hat also auf jeden Fall Potential für die Zukunft“, meint Prim. Dr. Winkler, Vizepräsident von Alzheimer Austria. Gäbe es zukünftig einen Bluttest, der die unheilbare Krankheit Alzheimer noch vor Ausbruch aufdeckt, könne früher mit einer Therapie begonnen werden.

Test soll Alzheimer im Frühstadium entlarven

Die US-Forscher entwickelten im Rahmen der Studie einen Prototyp eines Bluttests, der bei den Studienteilnehmern zu 90 % richtig voraussagte, ob sie in den kommenden 3 Lebensjahren Alzheimer oder eine leichte Minderung der Gedächtnisleistung entwickeln würden. Der Test untersucht 10 Lipide (Fettstrukturen) im Blut, die höchstwahrscheinlich mit dem Abbau von Gehirnzellen im Laufe einer Alzheimererkrankung zusammenhängen.

"Die Theorie hinter der amerikanischen Studie und ähnlichen Konzepten ist super. Natürlich wollen wir Alzheimer so früh wie möglich, noch vor Symptomen der Demenz diagnostizieren - einen herzkranken Patienten möchte der Arzt auch möglichst ‚erwischen‘, bevor er einen Herzinfarkt erleidet", so Alzheimer-Experte Prim. Dr. Andreas Winkler. "Angenommen wir haben einen 48 Jahre alten Mann, der an Alzheimer erkrankt ist, sich aber im Frühstadium befindet und daher noch keine Symptome wie z.B. Vergesslichkeit etc. zeigt. Erst viel später, so ca. ab 70 kommt es zum Auftreten von typischen Symptomen und dem Ausbruch der Krankheit - der Mann entwickelt eine Demenz, die über einen durchschnittlichen Zeitraum von 5-8 Jahren zur vollständigen Pflegebedürftigkeit führt. Die Alzheimer-Krankheit zu erkennen, bevor es zur Demenz kommt, könnte ein früheres Einsetzen der Therapie und damit einen verzögerten Verlauf der Erkrankung ermöglichen und wäre daher überaus wünschenswert."

Noch viele weitere Studien für Bluttest notwendig

Prim. Dr. Andreas Winkler betont, dass noch weitere, kontrollierte Studien gemacht werden müssen, bis der Bluttest tatsächlich beim Patienten ankommt: "Ich halte esdurchaus für möglich, dass wir eines Tages Alzheimer unter anderem mit Hilfe eines Bluttestes sehr früh erkennen können. Ich glaube aber, dass so ein Test in Kombination mit anderen Untersuchungen wahrscheinlicher ist. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung des Gehirns - ein Bluttest als einzige Diagnosemethode für Alzheimer und spätere Demenz erscheint mir unwahrscheinlich." Tests, die heute in der Routine bei der Diagnose und Früherkennung von beginnender Demenz verwendet werden, sind der MOCA-Text oder der sogenannte Uhrentest bzw. der Mini Mental Status.

Alzheimer gilt als unheilbar - die Hoffnung ist groß

35 Millionen Menschen weltweit sind laut WHO von Alzheimer betroffen. Die Hoffnung und das Interesse daran sind also groß, zu einer rascheren Diagnose bei Patienten zu kommen und somit zu einer früheren Therapie. Das würde Betroffenen und Angehörigen das Leben mit Alzheimer und Demenz-Erkrankten erleichtern. Die US-Forscher hoffen, durch den frühen Bluttest auch die Entwicklung neuer Medikamente zu fördern, welche die unheilbare neurologische Krankheit so früh wie nur möglich ausbremsen können. Bisher gibt es Medikamente, die eingesetzt werden, wenn Alzheimer schon weit fortgeschritten ist.

Medizinischer Experte

MSc

Dr. Andreas Winkler

Ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth, Vorstand der Abteilung für Neurologische Rehabilitation

Vizepräsident Alzheimer Austria

Gesundheitskompass

Quellen

Mehr zum Thema