Bekämpft AIDS, nicht Menschen mit AIDS

Wer das "red ribbon" trägt, zeigt sich mit HIV-positiven Menschen solidarisch und kämpft gegen Diskriminierung an. Es ist ein Zeichen der Erinnerung an Menschen, die an AIDS gestorben sind und . (Serhiy Kobyakov - Fotolia.com)

Dieses Motto des heurigen Welt-AIDS-Tages weist eindringlich darauf hin, dass das HI-Virus trotz moderner Therapien noch längst nicht besiegt ist.

Den wichtigsten Schutz vor dem Virus bietet nach wie vor nur das Kondom bzw. das Femidom (Kondom für die Frau). Etwa 80 Prozent aller neuen Infektionen erfolgen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Eine Übertragung von HIV ist aber auch durch Spritzentausch bei Drogengebrauch oder von der Mutter auf das Baby möglich.

In Österreich leben geschätzte 12.000 bis 15.000 Menschen mit dem HI-Virus, jährlich gibt es in Österreich etwa 500 Neudiagnosen einer HIV-Infektion. Betroffen sind am häufigsten Personen zwischen 25 und 40 Jahren, aber auch viele Jüngere und Menschen ab 50 Jahren. Vielfach wird die Bedrohung durch das Virus unterschätzt – AIDS ist zwar keine unmittelbar tödliche Krankheit mehr, aber sie kann nicht geheilt werden und bleibt ein Leben lang chronisch. 

Tägliche Therapie notwendig

Die HIV-Therapie hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Trotz Infektion mit dem HI-Virus lässt sich der Ausbruch der Immunschwächekrankheit AIDS verhindern, besonders wenn man früh mit der Therapie beginnt.  AIDS hat zwar seinen Schrecken als tödliche Krankheit verloren, allerdings ist sie eine lebenslange Erkrankung.

Mussten Anfang der 1990iger Jahre noch 6, manchmal auch mehr Tabletten pro Tag zu unterschiedlichen Tageszeiten, mit oder ohne Mahlzeit – oft auch mit erheblichen Nebenwirkungen – zugeführt werden, genügt heutzutage 1 Medikament pro Tag bei dem verschiedene Wirkstoffklassen kombiniert werden.

Mittlerweile gibt es über 20 zugelassene HIV-Wirkstoffe, das Risiko, dass das Virus gegen die Wirkstoffe "immun" wird, ist sehr gering. Wechselwirkungen wurden bei Studien kaum beobachtet. Durch die Therapie wird das Virus im Körper des Betroffenen so in Schach gehalten, dass es bei ungeschütztem Sexualverkehr zu keiner Übertragung auf den (HIV-negativen) Partner kommt. Über die Langzeitwirkung der Medikamente ist aber noch nichts bekannt, dazu sind die modernen antiviralen Wirkstoffe zu kurz auf dem Markt.

Wichtige Früherkennung

Um die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen ist es extrem wichtig:

  • bei neuen Sexualkontakten ein Kondom zu verwenden
  • sich bei Verdacht einer Ansteckung bei ungeschütztem Verkehr ehestmöglichst auf den HI-Virus testen zu lassen
  • bei Erkrankung möglich rasch mit der Therapie zu beginnen, um die Weitervermehrung des Virus durch Befall gesunder Körperzellen zu unterbinden

HIV-Test

Wenn das HI-Virus in den Körper gelangt, dauert es mindestens 2 Wochen bis der menschliche Körper Antikörper gebildet hat. Nach vier Wochen sind in 60-65%, nach sechs Wochen in 80%, nach acht Wochen in 90% und nach zwölf Wochen in 95% der Fälle HIV-spezifische Antikörper nachweisbar.

Mit Hilfe des HIV-Antikörpertest kann eine HIV-Infektion ab 6 Wochen nach dem Risiko verlässlich ausgeschlossen werden. Die HI-Viren im Blut lassen sich schon 14 Tage nach dem Risiko nachweisen (HIV-PCR-Test) da hat aber der Körper noch keine Antikörper gebildet.

Das Virus vermehrt sich im Immunsystem

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) braucht wie alle Viren menschliche Wirtszellen um sich zu vermehren. Es wird durch Samenflüssigkeit, Scheidensekret (ungeschützter Verkehr) Muttermilch bzw. Blut (Drogenkonsum über mehrfach gebrauchte Nadeln) übertragen. Das HI-Virus greift die "Kommandozentrale" des Immunsystems an, die sogenannten CD4 Zellen, die das Immunsystem steuern. Lebensbedrohliche Krankheiten wie allgemeine Immunschwäche und bestimmte Formen der Lungenentzündung können die Folgen sein, solche Infektionen werden auch unter dem Sammelbegriff AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome/ erworbenes Immundefektssyndrom) zusammengefasst.

HIV in Europa und Österreich

HIV in Europa ist nah wie vor ein wachsendes Problem: Im Jahr 2014 wurde die höchste Zahl an HIV-"Erstdiagnose“"seit Ausbruch der Erkrankung in den 1980iger Jahre. Die Zahl der Menschen mit HIV, die älter als 50 Jahre sind, steigt weiter an. Männer, die Sex mit Männern haben sind nach wie vor in der Übertragungskette von HIV in Europa besonders betroffen.

Die weltweite HIV-Epidemie heute

  • Weltweit wurden zirka 78 Millionen Menschen seit Entdeckung des HI-Virus Anfang der 1980iger Jahre infiziert, allein in Afrika sind 25 Millionen Menschen betroffen, in Asien zirka 5 Millionen.
  • Mehr als die Häfte der Menschen mit HIV sind weltweit gesehen Frauen
  • Die Infektionsraten bei jungen Frauen (15-24 Jahren) sind doppelt so hoch wie bei jungen Männern. Gründe dafür sind oft kulturelle Faktoren, Zwangsehen, ungeschützter Verkehr mit älteren männlichen Partnern (auch durch Prostitution) und sexuelle Gewalt.
  • 36 Millionen Menschen sind an AIDS verstorben, bei Frauen im gebärfähigen Alter (zirka von 15 bis 44 Jahre) ist AIDS die häufigste Todesursache.

Quellen

  • Pressegespräch "Welt-Aidstag 2016: Von Poker zu Schach, wie GSK die Spielregeln bei HIV geändert hat", Wien, 28.11.2016

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