Wenn Ältere reisen...

Ältere Frau steht am Strand mit ausgebreiteten Armen
Wer vor Reiseantritt ein paar Punkte beachtet, kann seinen Urlaub meist in vollen Zügen genießen. (jd-photodesign - Fotolia.com)
Das Reisen wird für Senioren immer attraktiver: Zahlreiche speziell auf die Bedürfnisse von älteren Menschen abgestimmte Angebote bringen Abwechslung in den Alltag.

Bewegung und Reisen hält fit und erhöht die Lebensqualität. Selbst bei chronischen Krankheiten (z.B. Diabetes) oder motorischen Handicaps (z.B. durch Multiple Sklerose)muss im Alter niemand vor dem Reisen zurückschrecken. Gute ärztliche Beratung, Impfungen und Versicherungen können im Vorfeld viele Risikofaktoren beseitigen und eine Reiseapotheke sollte für den Notfall immer mit dabei sein. Chronisch Kranke sollten sich vorab über die erlaubte Einfuhrmenge ihrer Medikamente informieren und sich vom Arzt eine Liste über die enthaltenen Wirkstoffe mitgeben lassen.

Reisen im Alter hält fit

Mobil zu bleiben ist gerade für Senioren ein wichtiges Thema. Wer viel unternimmt und sich bewegt - seien es auch nur kleine Ausflüge mit Freunden - bleibt fit. Immer mehr Senioren ergreifen im Ruhestand die Chance, Lebensträume zu verwirklichen und auf Reisen zu gehen. Motivationen dafür sind etwas Neues erleben zu wollen oder soziale Kontakte zu schließen - was wiederum auch den Geist beweglich hält. Zusehends werden auch die Bedürfnisse und Ansprüche älterer Menschen an Reisen immer mehr berücksichtigt.

Angebote für Seniorenreisen

Für Senioren gibt es verschiedenste Reiseangebote, die sich an ihre Bedürfnisse anpassen. Vom entspannenden Wellnessurlaub über den Wanderausflug in die Berge bis hin zu Städtereisen reicht das Angebot diverser Veranstalter. Beim Reisen können auch neue Kontakte geknüpft werden und bleibende Freundschaften entstehen. Gerade für ältere Menschen, die alleine leben, sind Seniorenreisen eine gute Möglichkeit, um ihr Sozialleben wieder aufzufrischen. Besonders im Alter ist eine gute Vorbereitung auf die Reise aber ein Muss. Schließlich soll die Reise genossen werden können und keine schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit sich bringen.

Wahl des Reiseziels

Die Wahl des Reiseziels sollten Senioren davon abhängig machen, wie viel sie sich und ihrer Gesundheit zutrauen. Damit der Urlaub dann auch wirklich ein schönes Erlebnis für Sie ist, sollte mit dem Hausarzt oder mit einem Arzt für Reisemedizin im Vorfeld einiges abgeklärt werden. So sind zum Beispiel Langstreckenflüge für Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion wenig geeignet und wessen Herzleistung schwach ist, der sollte generell eher auf Fernreisen verzichten. Wenn die Medikamente gut eingestellt sind, kann aber auch von Menschen mit Organ- oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetiker, Patienten mit Herzschrittmacher) eine längere Reise angetreten werden.

Reisetipps bei körperlichen Erkrankungen:

  • Rheuma: Rheuma-Patienten, die eine Therapie mit Immunsuppressiva machen, müssen beachten: Impfungen sind nur eingeschränkt möglich (keine Lebendimpfstoffe) und das Infektionsrisiko ist höher.
  • Diabetes: Diabetes-Patienten sollten sich vor Fernreisen informieren, welche Bestimmungen die Fluglinie für die Mitnahme von Spritzen etc. hat und dürfen eine ärztliche Bestätigung über die benötigten Medikamente und den Diabetiker-Ausweis nicht vergessen. Eine gute Schulung bezüglich der Insulineinnahme ist wichtig, damit auch Zeitverschiebungen oder Reisedurchfall gut verkraftet werden.
  • Herzerkrankungen: Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen muss der Patient vor einer Reise so stabil sein, dass er auch Belastungen beschwerdefrei übersteht. Bei Schrittmacher-Patienten sollte vor der Reise noch ein EKG durchgeführt und der Herzschrittmacher gewartet werden. Nach einem Herzinfarkt sollten mindestens 6 Wochen bis zu einer Flugreise vergehen, nach einer Bypass-Operation 3 Wochen. Bei Herzrhythmusstörungen sind Reisen möglich, wenn die Medikamente gut eingestellt sind – auf Alkohol sollte aber verzichtet werden, da dieser Rhythmusstörungen auslösen kann.
  • Bluthochdruck: Bluthochdruck ist an sich für Reisende kein Problem, solange er gut medikamentös eingestellt ist. Nur instabiler Hochdruck ist so risikoreich, dass lange Reisen vermieden werden müssen.
  • Schlaganfall: Nach einem Schlaganfall muss mit dem Arzt abgeklärt werden, wann der Patient für die nächste Reise bereit ist. Extreme Temperaturen und Höhenunterschiede sollten bei der Wahl des Reiseziels vermieden werden. Bei Flugreisen ist gelegentliche Bewegung wichtig, um Thrombosenbildung zu vermeiden.

Was Sie mit Ihrem Arzt besprechen sollten

  • Impfungen: Klären Sie 6 Wochen vor Reisebeginn ab, ob Sie zusätzliche Impfungen oder eine Auffrischungsimpfung für das Land, in das Sie reisen möchten, brauchen. Das Ansteckungsrisiko für z.B. Hepatitis A und Hepatitis B, Typhus oder Polio ist in Regionen wie Asien, Südamerika und Afrika wesentlich höher als hierzulande.
  • Medikamente: Lassen Sie sich ausreichend Medikamente für die Reise mitgeben. Informieren Sie sich auch (z.B. bei der Botschaft des Landes), ob Sie überhaupt so viele Medikamente mitführen dürfen, wie Sie für den Aufenthalt benötigen – das ist von Land zu Land verschieden. Lassen Sie sich ansonsten von Ihrem Arzt eine Liste über die Wirkstoffe mitgeben, die in den Medikamenten enthalten sind, damit Sie auch an Ihrem Urlaubsziel ein gleichwertiges Produkt erhalten können. Wenn Sie zu Thrombosen neigen oder eine lange Flugreise vor sich haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt auch über die Verschreibung blutverdünnender Medikamente nachdenken.
  • Arztbriefe und Atteste: Wenn Sie bereits eine längere Krankheitsgeschichte hinter sich haben, ist es ratsam, eine Dokumentation davon mitzunehmen (bei Fernreisen auch auf Englisch). Im Ernstfall wissen die Ärzte im Urlaubsland dann bestens über Ihren Gesundheitszustand Bescheid. Für manche Medikamente und Utensilien (z.B. Spritzenmaterial für Diabetiker) sollten Sie sich ein Attest ausstellen lassen, das Sie bei Bedarf vorweisen können. Auch wenn Sie Implantate aus Metall haben, brauchen Sie ein Attest, um durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen zu kommen.
  • Zahnarztbesuch: Auch ein Besuch beim Zahnarzt ist vor der Abreise sinnvoll. So können Sie sicher sein, dass die „Dritten“ gut sitzen und Sie im Urlaub keine Zahnprobleme haben.

Reisen mit motorischen Handicaps

Für ältere Reisende, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder einen Rollstuhl benötigen, z.B. auch durch Multiple Sklerose, gibt es im In- und Ausland Möglichkeiten, Gehhilfen zu mieten oder auszuborgen. In Österreich verleiht zum Beispiel das Rote Kreuz Gehhilfen. Aber auch Freizeitparks, Museen oderEinrichtungen in Städten von Barcelona bis New York bieten die Möglichkeit an, für die Dauer des Aufenthalts Rollstühle auszuleihen. Einige Services bieten auch den Verleih von Rollatoren oder Elektrorollstühlen an. Informieren Sie sich vorab auch über die Barrierefreiheit von Ihrem Hotel und der Stadt, die Sie besuchen wollen - im Reisebüro wird man Ihnen bei der Buchung helfen können. Auch Flugreisen sind für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen heutzutage gut bewältigbar - einige Fluglinien bieten sogar Guides an, die dabei helfen, rechtzeitig das richtige Gate für den Abflug zu finden. Für Menschen mit Multipler Sklerose eignen sich besonders Ausflüge in kühlere Regionen, da Hitze Fatigue, Lähmungen und Spastik begünstigt.

Sicherheit geht vor

Denken Sie daran, die Vorzüge Ihres Urlaubslandes mit Vorsicht zu genießen. Besonders für fernere und heiße Länder gilt: Schützen Sie Ihre Haut mit Sonnencreme vor UV-Licht trinken Sie viel (bevorzugen Sie Wasser aus der Flasche und lassen Sie Alkohol lieber weg), und verzichten Sie auf Eis oder andere Leckereien, die Ihnen an jeder Ecke angeboten werden. Gerade in exotischen Ländern sollten Sie darauf achten, nur gekochte Lebensmittel zu sich zu nehmen und Obst vor dem Verzehr zu schälen - so können Sie der Gefahr leichter entgehen, von verunreinigten Lebensmitteln lästigen Durchfall zu bekommen.

Überlegen Sie auch, eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Bei medizinischen Notfällen sind Sie so auf der sicheren Seite und können auch einen Rücktransport organisieren lassen. Auch eine Reiserücktrittsversicherung ist anzudenken. Lassen Sie sich im Reisebüro über Ihre Optionen beraten.

Quellen

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