8 häufige Fragen zu Essstörungen

Wer Probleme im Essverhalten hat, muss nicht zwingend eine Essstörung entwickeln. (Photographee.eu - Fotolia.com)

Anzeichen, die auf eine Essstörung schließen lassen sind nicht immer klar als solche erkennbar. Was sind die ersten Warnsignale und wie sollte man darauf reagieren?

Essstörungen wie Magersucht, Essbrechsucht und Esssucht zählen zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen. Sie treten vor allem bei jungen Frauen auf. Zunehmend sind aber auch Männer betroffen.  Die Grenze zwischen gesundem und krankhaftem Essverhalten ist oft fließend. Ein frühzeitiges Eingreifen wird dadurch erschwert. Dr. Lisa Tomaschek-Habrina vom Institut sowhat für Menschen mit Essstörungen gibt im Interview mit gesund.at Auskunft zu den wichtigsten 8 Fragen zum Thema Essstörungen:

Überblick

Frage 1: Woran erkennt man eine krankhafte Essstörung? 


Kleinere Unregelmäßigkeiten im Essverhalten stellen nicht zwingend eine Essstörung dar. Sie können auch eine Anpassung an eine vorübergehende Stressreaktion sein. So ändert sich das Essverhalten bei vielen Menschen in Belastungssituationen. In diesem Fall spricht man nicht von einer klassischen Essstörung. Anders sieht es hingegen aus, wenn das Thema Essen zum Zwang wird. Ebenso wenn die Gedanken permanent darum kreisen und das eigene Verhalten nicht mehr kontrollierbar ist.

Frage 2: Welche Warnsignale deuten auf eine Essstörung hin?

Oft fällt auf, dass sich die Betroffenen übermäßig mit dem Essen beschäftigen. Warnsignale sind häufiges Kalorien zählen und die  Einteilung der Lebensmittel in "gut" und "schlecht". Die Betroffenen finden Ausreden, um nicht an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen zu müssen oder wollen andere auffallend oft bekochen, ohne selbst zu essen.
Wenn in kurzer Zeit große Nahrungsmengen aus dem Kühlschrank verschwinden, große Mengen an Süßigkeiten verzehrt oder Lebensmittel gehortet werden können das Hinweise auf eine Essbrech- oder Esssucht sein.  Ebenso wenn die Toilette öfters besetzt und  Verschmutzungen oder der Geruch nach Erbrochenem bemerkbar sind.

Frage 3: Was kann ich bei Verdacht auf Essstörung tun?

Für Betroffene ist es oft verletzend, wenn sie nur mehr auf ihr Essverhalten und das Gewicht reduziert wird. Es ist daher wichtig, das persönliche Gespräch zu suchen und zu beschreiben, was Sie wahrnehmen. Bleiben Sie dabei in der Ich-Form: "Ich habe den Eindruck, es geht dir nicht gut...". Dadurch fühlt sich der Betroffene nicht gleich in die Enge getrieben und kann leichter auf Ihre Beobachtungen reagieren. Wenn Sie dennoch auf Ablehnung oder Trotz stoßen, vertagen Sie das Gespräch besser auf einen anderen Zeitpunkt. Ermutigen Sie den Betroffenen immer wieder, Hilfe einzuholen und suchen Sie auch für sich selbst Unterstützung.

Frage 4: Welche Folgen resultieren aus der Mangelernährung?

Hungern führt häufig zu Nährstoffmangelerscheinungen. Eine Unterversorgung mit Eisen, Vitamin B1-, B2-, B6- und Folsäure verändert wiederum das Blutbild.  Außerdem zeigen sich häufig ein niedriger Blutdruck mit Neigung zu Ohnmachtsanfällen, eine erniedrigte Herzfrequenz sowie eine gesenkte Körpertemperatur und ein tiefer Blutzuckerspiegel. Weitere Folgeerscheinungen sind Hormonstörungen mit Schilddrüsenunterfunktion, Zyklusstörungen bis hin zum völligen Ausbleiben der Menstruation.

Frage 5: Welche Folgen haben Erbrechen und Abführmittelmissbrauch?

Erbrechen und Abführmittelmissbrauch bringen den Elektrolythaushalt durcheinander. Betroffen sind vor allem die Mineralstoffe Kalium, Chlorid und Magnesium. Ein chronischer Kaliummangel kann zu Nierenfunktionsstörungen und Herzrhythmusstörungen führen. Der Säuregehalt des Erbrochenen macht Bulimie-Patienten anfälliger für Zahnschäden und -probleme. 


Frage 6: Was ist der erste Schritt zur Heilung?

Der erste Schritt zur Heilung ist die Anerkennung der Krankheit für sich selbst. Damit verbunden auch das Zugeben, dass man krank ist und dringend Hilfe benötigt. Meist gelingt es den Betroffenen nicht von alleine diese Erkenntnis zu gewinnen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass Angehörige oder nahestehende Freunde helfend zur Seite stehen, sich die nötigen Informationen beschaffen und sich beraten lassen.

Frage 7: Warum ist es wichtig, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Essstörungen betreffen oft sehr junge Menschen. Damit die Erkrankung nicht chronisch wird, ist es wichtig, so früh wie möglich therapeutische Begleitung aufzusuchen. Vom Zeitpunkt des Ausbruchs der Essstörung bis zur tatsächlichen Inanspruchnahme von professioneller Hilfe vergehen durchschnittlich 5 bis 6 Jahre. Wenn also bereits Jugendliche kurz nach Ausbruch der Erkrankung Hilfe bekämen,  wäre die vollständige Ausprägung der Essstörung unterbrechbar.

Frage 8: Wie werden Essstörungen am besten behandelt?

Der Heilungsprozess beschränkt sich nicht nur auf die "Wiederaufnahme eines gesunden Essverhaltens". Es geht viel mehr darum komplexe Verhaltensmuster und Erfahrungen aufzuarbeiten und zu korrigieren. Wege aus der Essstörung lassen sich nur gemeinsam in intensiver Zusammenarbeit mit Ärzten, Psychotherapeuten, Psychologen und durch Einbindung der Eltern finden. Da die Auswirkungen auf der psychischen, körperlichen und sozialen Ebene vielfältig sind ist ein Ansatz, der mehrere Behandlungsstrategien beinhaltet notwendig.

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  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

MSc

Dr. Lisa Habrina-Tomaschek

Leitung des Instituts ibos mit Standorten in St. Pölten, Mödling, Wien

Website

Quellen

  • Interview mit Dr. Lisa Habrina-Tomaschek

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