5 Tipps bei Beziehungskrisen

Junges Paar streitet
Jeder streitet mal, doch ist es wichtig, nach dem "Dampf ablassen" dem anderen ruhig und aufmerksam zuzuhören. ( Bernd Leitner - Fotolia.com)

Beziehungskrisen sind so verschieden wie Sie und der Partner, mit dem Sie in der Krise stecken. Eine Krise dauert oft über einen längeren Zeitraum und bezieht sich meist nicht nur auf ein Thema.

Außerdem gelingt es oft nicht mehr, den Menschen als Person von seinem Verhalten zu trennen. So kann es dann passieren, dass Sie sich von einem Kaffeehäferl, das nicht von allein den Weg in die Spüle findet, persönlich provoziert fühlen. Und Sie wissen, es geht in Wahrheit natürlich nicht um die Tasse…

Wer in einer Krise ist, kann dadurch profitieren und daraus lernen. Wenn man mitten drin steckt oder zu oft Krisen erlebt, nützt dieses Wissen wenig. Schnell sehnt man sich nach wohltuenden und liebevollen Beziehungszeiten. Aber wie kommen Streitende wieder in die "Wohlfühlzone"?

Schlechte Stimmung

Wenn man in einer Beziehungskrise steckt, neigt man zu oft dazu, alles immer wieder durchzudenken. Wenn die Krise dann in einem Streit eskaliert, drehen sich nicht nur die Gedanken, sondern auch die Gespräche im Kreis. Immer und immer wieder kommt es zu denselben Vorwürfen, beide wollen gehört werden, niemand hört mehr zu. Oder einer schweigt beharrlich und der andere fordert immer mehr. Es ist beinahe so, als einer der beiden "Scheuklappen" aufsetzt, der Blick wird immer enger, die "Fronten" verhärten sich. In so einer Beziehungsphase kann der andere einfach nichts mehr richtig machen. Es ist so, als ob sich dann statt 2 Erwachsener plötzlich 2 Kinder gegenüber stehen und beide etwas haben wollen.

Kleiner Brandherd oder Flächenbrand?

Ist anfangs manchmal ein bestimmtes Thema der Auslöser, kann sich die Krisenstimmung weiter ausbreiten, die "Brille" mit der wir den anderen wahrnehmen färbt sich dunkler. Oft neigt man dazu, Verallgemeinerungen wie "immer" und "nie" zu verwenden, der Ton kann verletzender, eisiger werden. Wertschätzende Kommunikation ist schwierig bis unmöglich. Bevor ein Flächenbrand zu einer großen Krise führt, ist es besser rasch zu handeln. Wie das gehen könnte, zeigen die folgenden 5 Tipps:

Tipp 1: Eigene Klarheit gewinnen

Hilfreich sind Überlegungen wie:

  • Was habe ich bisher gemacht, was mich nicht weiter gebracht hat?
  • Was hat die Krise ausgelöst?
  • Was hat mich verletzt?
  • Geht es wirklich um ein bestimmtes Thema oder um vielleicht unausgesprochene Sehnsüchte?
  • Welcher Anteil zu dieser Stimmung kommt von mir?
  • Welche Gefühle habe ich wirklich? Welche Bedürfnisse liegen unter dem Thema der Krise, unter dem Zorn oder der Wut? Fehlt mir vielleicht in Wahrheit Nähe und Zweisamkeit? Freiraum?
  • Fühle ich mich zu wenig wertgeschätzt oder fehlt mir Zärtlichkeit? Brauche ich mehr Zeit für mich?

Sogenanntes negatives Verhalten ist meist Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse. Wenn ein Partner z.B. ständig kritisiert, kann in Wirklichkeit der Wunsch nach ehrlicher, echter Anerkennung dahinter stecken. Wenn sich jemand sehr oft etwas Neues zum Anziehen kauft, könnte der Wunsch dahinter stecken, sich "in seiner Haut" wieder wohlfühlen zu wollen. Dieses "in-sich-hineinspüren" benötigt ein bisschen Zeit, Ruhe und auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Oft ist Hilfestellung von außen sinnvoll, ein unterstützender Mensch, der nicht seine eigene Meinung kundtut, sondern nachfragt und anregt.

Tipp 2: Einen guten Zeitpunkt finden

Es ist wichtig, einen guten Zeitpunkt für ein Gespräch zu vereinbaren. Laden Sie Ihren Partner nur zu einem Gespräch ein, wenn Sie sich selbst ruhig und ausgeglichen fühlen. Jeder Kommunikationsexperte wird Ihnen versichern, dass mehr als 90 % unserer Kommunikation wortlos und oft unbewusst verläuft. Wenn der Partner gerade nicht in der entsprechenden Verfassung ist, zuzuhören, sollten wir das respektieren. Wenn es gerade nicht passt, vereinbaren Sie gleich gemeinsam einen Zeitpunkt, der für beide günstig ist, damit stehen die Chancen für einen erfolgreichen Dialog deutlich besser.

Wenn Sie diesen Zeitpunkt vereinbart haben, sorgen Sie dafür, dass Sie wirklich für einander Zeit finden und weder von Kindern noch Telefonen, etc. gestört werden. Schenken Sie einander die volle Aufmerksamkeit.

Tipp 3: Kommunikationsregeln 

In wertschätzenden guten Gesprächen gibt es einen der spricht und einen der zuhört und auch nachfragt, das wechselt fließend ab. In Krisenzeiten oder einem Streitgespräch ist dieser Vorgang oft gestört.

Beide wollen etwas sagen und beide wollen gehört und verstanden werden. Deshalb können klare Regeln hilfreich sein, bis ein gesunder sowie wohlwollender Austausch wieder möglich ist.

Vereinbaren Sie:

  • Wer spricht? Wer hört zu?
  • Wann tauschen Sie die Rollen? Wie viel Zeit hat jeder?
  • Wählen Sie das wichtigste Thema und beschreiben Sie Ihren Frust in kurzen Worten. Bleiben Sie bei einem Thema.
  • Formulieren Sie Ihre Bedürfnisse so, dass Ihr Partner sie annehmen kann.
  • Sprechen Sie von sich selbst und äußern Sie Ihre Gefühle. Formulieren Sie Bitten statt Vorwürfe.
  • Lassen Sie einander aussprechen, fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist und interpretieren Sie nicht.
  • Wiederholen Sie in Ihren Worten, was Sie gehört haben.
  • Bleiben Sie inhaltlich bei dem, der über seinen Frust spricht. Geben Sie jetzt nicht Ihre eigene Meinung dazu.

Absolute No-Gos

Was während des Gesprächs gar nicht geht, ist z.B.

  • die Augen verdrehen,
  • ins Wort fallen, seufzen, nachäffen,
  • nebenbei ins Handy schauen,
  • aufstehen und "kurz etwas machen",
  • den anderen nicht zu Wort kommen lassen bzw. "eh schon wissen, was er sagen will"

Tipp 4: Wohltuende Rituale entwickeln

Viele Beziehungen scheitern, weil die Partner kein oder zu wenig Gefühl der Zusammengehörigkeit aufgebaut haben. Ein Wir-Gefühl verleiht der Beziehung Kraft, gegen Frustrationen und Versuchungen des Lebens anzukommen. Durch zuverlässige Zeit zu zweit, in der Sie Gelegenheit für Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen haben, können Rituale entstehen, die Sicherheiten geben und ein fundiertes Vertrauen ermöglichen.

Das Ziel sind keine Kompromisse, die erfordern, dass beide von ihrer Idee etwas abgeben müssen. Besser ist es, einen gemeinsamen Ertrag zu finden, der niemandem etwas wegnimmt, sondern im Gegenteil beiden etwas Neues ermöglicht.

Tipp 5: Aufmerksamkeit schenken

Sind es im ersten Schritt oft "nur" bewusste gemeinsame Dialoge um Bedürfnisse zu klären und einander besser zu verstehen um die Krisenstimmung zu vertreiben, folgt oft bald das Bedürfnis, nach mehr. Hilfreich ist hier in jedem Fall positives Feedback, auch wenn es sich um "Kleinigkeiten" handelt. Ein ehrliches "Danke für das gute Essen, die Umarmung, deinen liebevollen Blick..." tut gut und schafft Nähe.

Treffen Sie gemeinsame Vereinbarungen auf die Sie sich beide freuen. Selbst wenn noch nicht alle Themen und Verletzungen besprochen und ausgeräumt sind, tut es gut, wenn Sie miteinander wieder freudigere und leichtere Zeiten verbringen. Wenn Sie miteinander wieder lachen können, finden sich oft ganz einfach Lösungen.

Bedürfnisse herausfinden

Auch wenn manche Anregungen im ersten Augenblick "aufgesetzt" wirken können, sind sie sehr hilfreich um die wahren Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte herauszufinden. Sie sind die oft "unbewussten Motoren" für das Verhalten in einer Krise. Mit diesen Anregungen und Tipps lernen Sie sich selbst und ihren Partner besser kennen und verstehen. Mit wertschätzender Kommunikation und dem Blick aufs Positive haben Sie die besten Chancen die Krise hinter sich zu lassen und Ihre Beziehung wieder genießen zu können.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

  • Liebe einfach-und eure Partnerschaft blüht auf, H. Hendrix & H. LaKelly Hunt, Renate Götz Verlag, 1. Auflage, Dörfles, 2013
  • Soviel Liebe wie du brauchst, H. Hendrix & H. LaKelly Hunt, Renate Götz Verlag, 2. Auflage, Dörfles, 2011
  • Leih mir dein Ohr und ich schenk dir mein Herz, S. & R. Bösel, Orac/Verlag Kremayr & Schierau KG, Wien, 2010
  • Gute Ehen, J. Wallerstein, Quadriga Verlag, Berlin, 1996
  • Was glückliche Paare richtig machen, C. Thiel, Campus Verlag, 2. Auflage, Frankfurt a. Main, 2012

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