7 Diät-Mythen im Check

Zwei Finger mit aufgemaltem Gesicht und mit umgebundenem Maßband.
Zum Thema Diäten kursieren unzählige Mythen. Nicht an allen ist etwas Wahres dran. (Victoria М - Fotolia.com)

Nach Umfrage von Marktagent.com sind 44 % der Österreicher unzufrieden mit ihrem Körpergewicht. Diäten boomen wie noch nie, doch nicht jede bringt den gewünschten Erfolg. Gesund.at deckt 7 weit verbreitete Abnehm-Mythen auf.

Diäten und Weisheiten zum möglichst raschen Gewichtsverlust gibt es wie Sand am Meer: Die einen verzichten auf’s Abendessen, die anderen trinken Eiswasser oder meiden Kohlenhydrate auf dem Teller. Zusätzlich zum häufig ausbleibenden positiven Ergebnis auf der Waage und dem drohenden Jojo-Effekt, schaden einige Methoden sogar der Gesundheit.

Mythos 1: Essen am Abend macht dick

Wer seine Hauptmahlzeit spät abends einnimmt, riskiert angeblich auf Dauer ein Zuviel an Kilos. Das sogenannte "Dinner-Cancelling" liegt im Trend, Regel Nummer 1: Nach 17:00 (oder sogar noch früher) darf nichts mehr gegessen, davor nach Lust und Laune geschlemmt werden. Ernährungswissenschafter konnten diese Ernährungsweise jedoch als Mythos entlarven. Es kommt nicht darauf an wann, sondern wie viel man an Kalorien über den Tag verteilt zu sich nimmt. Ist die Energiebilanz positiv - also wurden mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht - nimmt man zu. 

Abnehmen kann auf diese Weise funktionieren, wenn das Abendessen weggelassen und tagsüber in normalen Portionen und ausgewogen gegessen wird. Denn die Methode klappt nur, falls zu Frühstück und Mittagessen und zwischendurch nicht mehr gegessen wird als sonst. Gesellschaftliche Anlässe werden beim Abendessen-Verbot aber zur Tortur. Auf Dauer stellt "Dinner-Cancelling" keine alltagstaugliche Diät dar.

Mythos 2: Mit Low-Carb gesund zur Traumfigur

Kohlenhydrate sind schon seit längerem in Verruf geraten. Nudeln, Brot und Co machen dick, sind schlecht für die Haut und sollten bestenfalls ganz gestrichen werden. Doch Vorsicht! Unser Körper braucht Kohlenhydrate (z.B. das Gehirn in Form von Glucose), um all seine Funktionen optimal erfüllen zu können. Kohlenhydrate dürfen in einem gesunden Ernährungsplan nicht fehlen, es kommt aber auf die richtige Wahl an: Vollkornprodukte sind Weizenmehl, weißem Reis und Nudeln vorzuziehen.

Es gibt also gute bzw. schlechte Kohlenhydrate. Vollkornbrot, gekochte Kartoffeln oder unpolierter Reis enthalten sogenannte Vielfachzucker, die im Körper langsam aufgespalten werden und den Insulinspiegel über lange Zeit stabil und somit besser satt halten. Gibt man guten Kohlenhydraten Vorrang, machen diese keinesfalls dick, sondern fördern die Verdauung, spenden Energie und schützen durch ihren hohen Vitamin-, Mineralien- und Ballaststoffgehalt vor Erkrankungen wie Darmkrebs, Diabetes, Arteriosklerose oder Fettleibigkeit (Adipositas).

Mythos 3: Fruchtzucker ist der bessere Zucker

Das Gerücht, dass Fruchtzucker (Fructose) gesünder ist und weniger dick macht, als normaler Haushaltszucker (Traubenzucker, Glucose) hält sich hartnäckig. Die Wahrheit ist, dass der u.a. in Obst enthaltene Fruchtzucker weder weniger Kalorien enthält, noch irgendwelche gesundheitliche Vorteile birgt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Fructose den Blutzuckerspiegel weniger in die Höhe schnellen lässt und ein Stück Obst daher im Gegensatz zu einem Schokoriegel keinen Heißhunger auslöst. Aber: In großen Mengen scheint Fruchtzucker längerfristig das Sättigungsgefühl zu drosseln, was wiederum Übergewicht fördert. Das kommt aber weniger in Mitteleuropa, sondern hauptsächlich in Ländern vor, wo Lebensmittel und Getränke mit Fructose gesüßt werden (z.B. USA). Lediglich durch das Essen von viel Obst ist dieser Effekt nicht zu erwarten.

Problematisch ist Fructose für Menschen mit Fruchtzuckerunverträglichkeit. Immer mehr Menschen sind davon betroffen, die Symptome ähneln dem des Reizdarmsyndroms (Durchfall, Blähungen, Völlegefühl etc.). Diagnostiziert wird die Fructoseintoleranz mit dem Wasserstoffatemtest.

Mythos 4: Lebensmittel mit "Negativ-Kalorien" machen schlank

Angeblich gibt es eine Reihe von Nahrungsmitteln, die mehr Kalorien verbrennen, als sie dem Körper zuführen: Artischocken, Spargel, rote Rüben, Karotten, Sellerie, Kohl, Spinat und andere Gemüsesorten stehen auf dieser Liste. Würde der Mythos stimmen, müssten umso mehr Kilos purzeln, je mehr von dem kalorienverbrennenden Wundergemüse gegessen wird - ganz automatisch. So einfach geht das natürlich nicht.

Es gibt faktisch keine Lebensmittel mit "Negativ-Kalorien". Genanntes Gemüse ist sehr gesund und kalorienarm. Durch deren Konsum gelingt es höchstens, weniger Kalorien zu konsumieren und so abzunehmen oder das Gewicht zu halten.

Mythos 5: Wer Sport macht, kann essen was er will

Regelmäßige Bewegung gehört zu einem gesunden Lebensstil und beugt Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Herzinfarkt sowie Schlaganfall vor. In Kombination mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung ist sie der Schlüssel zu einem langen, krankheitsfreien Leben. Radfahren, Schwimmen, Laufen und Co sind daher nur die halbe Miete, vor allem wenn es um Gewichtsverlust geht. Wer ungesunde Ernährungsangewohnheiten wie tägliche Fastfood-Eskapaden und Schokoladen-Exzesse weiterhin pflegt, wird auch mit viel Sport nicht wirklich abnehmen.

Wer glaubt, durch regelmäßiges Training mehr essen zu dürfen, liegt daneben. Der Kalorienabbau durch Sport wird häufig überschätzt. Für eine Portion Salami Pizza (etwa 300 Gramm mit bis zu 800 Kalorien) müsste eine 25-jährige Frau mit 60 Kilogramm Körpergewicht z.B. 250 Minuten Inlineskaten. Das ist sehr viel Aufwand für die geringe Menge Nahrung.

Mythos 6: Zitronensaft und Cayennepfeffer bekämpfen den Speck

Täglich 2 bis 3 Liter einer Mixtur aus Wasser, Zitronensaft, Ahornsirup und einer Messerspitze Cayennepfeffer trinken (und sonst nichts essen) und ein Kilo Fett löst sich pro Tag buchstäblich in Luft auf - so der Mythos. Diese Diät-Empfehlung ist definitiv gesundheitsgefährdend. Die Trinkkur versorgt den Körper lediglich mit 300 Kalorien und erzeugt somit ein Defizit von etwa 1.500 Kalorien (variiert je nach Körpergröße/Gewicht und Tätigkeit) und außerdem einen Nährstoffmangel.

Personen mit empfindlichen Magen können außerdem sensibel auf die übermäßig zugeführte Zitronensäure in Kombination mit dem scharfen Pfeffer reagieren und eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung) riskieren. Verzichten Sie unbedingt auf solche radikalen Methoden zum Gewichtsverlust! Diese sind nicht nur schädlich für den Körper, sondern auch Garant für den gefürchteten Jojo-Effekt.

Mythos 7: Eiskaltes Wasser verbrennt Kalorien

Literweise getrunkenes Eiswasser sei das Diät-Wunder schlechthin, da der Körper das Wasser wärmen muss und dabei Kalorien verbrennt. Der Unterschied zu normal temperiertem Wasser ist aber so gering, dass dieser Diät-Ratschlag schlichtweg nur als Mythos durchgeht: Nur 30 Kalorien verbraucht der Körper pro Liter Eiswasser zusätzlich.

Viel trinken ist natürlich gesund und notwendig: Um die 2 Liter Flüssigkeit braucht der Organismus pro Tag, um reibungslos zu funktionieren und gesund zu bleiben. Das Wasser muss dabei aber auf keinen Fall eiskalt sein.

Quellen

  • Die 50 größten Diät Lügen, A. Mörixbauer, M. Groll, Hubert Krenn VerlagsgesmbH, Wien, 2005
  • Gesund abnehmen, ein praktischer Ratgeber mit kritischem Diätvergleich, E. Infanger et al., AT Verlag, Baden/München, 2007
  • Diät! 99 verblüffende Tatsachen, A. Sabersky, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2008
  • Österreichs Schlankmacher und ihr Image, Marktagent.com (23.07.2014)

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